Zu Hause in Nkumba

Dienstag, 23. Juli 2013 von rapha

img_1419kleinDies ist ein repost meines Artikels im Missio-Reiseblog.

Für mich war der heutige Tag speziell: Gleich am Morgen fuhren wir zu der Schule an der ich vor vier Jahren für ein Jahr meinen Freiwilligendienst geleistet habe. Ich hatte seit dem wenig Kontakt zur Schule, nur mit meinem ehemaligen Mentor hatte ich sporadischen Mailkontakt. Mit Father Fabian fuhren wir also morgens um halb 7 zur Schule die etwa 15 km außerhalb von Ruhengeri liegt. Wir besuchten den Morgengottesdienst den ich den anderen der Reisegruppe als schönes Erlebnis empfohlen hatte. 300 junge Männer, vierstimmiger Gesang, eine Messe auf Kinyarwanda. Auch für mich war es wieder beeindruckend das zu sehen.

Die Priester, die an der katholischen Sekundarschule unterrichten und leben, luden uns zum Frühstück ein. Vieles hatte sich nicht verändert und es fühlte sich an, als sei ich gar nicht weg gewesen. Herzlich wurden den anderen Geschichten von früher erzählt.

Father Fabian bestand darauf uns in Ruhengeri auch nich INES, die katholische technische Hochschule zu zeigen. Er ist dort Vice Rektor Academics und sehr stolz darauf. Eine Stunde lang begleitete er uns durch die wirklich modern aussehenden Labore und Lager für Messinstrumente. Er sprach immer wieder an, was ich nur verstohlen dachte: Ihr hättet nicht gedacht, dass es hier eine so moderne Universität gibt, oder?

img_1536kleinDer Nachmittag sollte uns nach dem Schweinsgalopp der letzten Tage die Möglichkeit geben durchzuatmen. Ich hatte empfohlen dies im Hotel Paradies am Kivu-See zu tun. Gestern hatten wir uns nochmals über die Sicherheitslage informiert und gemeinsam Beschlossen trotz der Nähe zur Demonkratischen Republik Kongo und vor allem Goma dort hin zu fahren.

Die Abgeschlossenheit eines Hotelstrandes bietet in Ruanda ganz neue Möglichkeiten: Ein Picknick mit Früchten vom Markt und kurze Hosen für Männer. Dies ist kulturell sonst nicht möglich, weil wir ja schon reich genug sein müssten um uns lange Hosen zu kaufen.

Das Paradies verdient seinen Namen. Im touristischen aber nicht kitschigen Ambiente zu schwimmen und sich zu sonnen tat uns sehr gut. Der Hase zum Abendessen auf der Terrasse mit Lagerfeuer brachte mir die nötige Kraft um morgen wieder erholt und neugierig in die nächsten Tage zu gehen.

Der Text mit dem Max, dem Flo, der Betty und dem Spielplatz

Dienstag, 02. November 2010 von rapha

Das hier ist der Max. Er freut sich, denn er hat gerade eine Schaukel bekommen. Max wird niemals auf dieser Schaukel schaukeln, aber er ist trotzdem sehr zufrieden, dass sie da ist. Klingt komisch, ist aber so.

Das die Schaukel hier ankommen sollte, ist schon seit fast 2 Jahren klar. Damals hat die Betty angefangen den Spielplatz zu planen, damit die Kinder im Krankenhaus in Ruhengeri dort spielen können. Auf ihrem Blog rief sie damals zu Spenden auf.

Als Betty hier ihre Zelte im September 2009 abbrach stand auf dem Spielplatz ein Kletterhaus.

Flo, der die Stelle von Betty in der Pädiatrie übernahm, führte das Spielplatzprojekt weiter. Unter seiner organisation entstand ein Schaukelgestell, allerdings noch ohne Schaukel. Das Problem war, das eine aus Holz gebaute Schaukel zwar für den Beginn ausreichen wäre, jedoch mit der Zeit das Sicherheitsrisiko größer werden würde. Also musste eine richtige Schaukel her.

Da beginnt die lange Reise der Schaukel, die nun bei Max endete.

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Ten to go – ten to do

Dienstag, 19. Oktober 2010 von rapha

Zum ersten Mal habe ich es bei meinen „Ruhengeri-Mädels“ Betty und Marleen vor über einem Jahr gesehen. Eine Liste mit Dingen die sie noch machen wollten, Menschen die sie nochmals treffen wollten und Erlebnisse die ihnen bisher verwehrt blieben. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber mehr als zehn Tage vor ihrer Abreise war das nicht. Am Abend vor dem Flug gab es noch viel zu tun.

Dieses Ritual wiederholte sich bei vielen der Menschen die ich hier kommen und gehen gesehen habe. Allerdings bei den meisten sehr kurz vor Ende. Jedenfalls artete es oft in Stress aus. Da ich weiß, dass es bei mir nicht in Stress ausarten würde, sondern schöne und interessante Dinge eher von der Zeitleiste nach hinten herunter fallen würden, habe ich beschlossen dem vorzubeugen und meine „Das muss/will/sollte/kann ich in Ruanda machen bevor ich gehe Liste“ ein wenig früher zu beginnen. Beim Blick auf den Kalender wurde mir klar: Sooo lang ist das nicht mehr. Allerhöchstens zehn Wochen, vielleicht weniger.

Ich will euch nun ein paar Optionen vorstellen, die ihr gerne erweitern könnt und weiter unten mit eurer Präferenz versehen könnt. (more…)

Von Nkumba nach Kigali in kleinen Schritten

Dienstag, 20. April 2010 von rapha

Die letzten Wochen war mein Leben ein bisschen zerrissen. Zum einen habe ich in Nkumba an der Schule gearbeitet, zum anderen schon bei der GTZ. Ich hatte immer noch mein Haus in Nkumba, aber auch schon mein Haus in Kigali. Das war manchmal gar nicht so einfach, denn egal wo ich war, irgendetwas was ich gebraucht habe war grad im anderen Haus.
Schwer war das ganze auch für mein Sozialleben. In Nkumba war ich immer nur zwei oder drei Tage. Da war es nicht einfach, auch mal länger mit meinen Nachbarn zu sprechen.
Dieser Umstand hat sich jetzt zum Glück aufgelöst. Vor drei Wochen habe ich das Auto eines Freundes geliehen und bin mit Flo zusammen aus Nkumba ausgezogen. Über Ostern war ich mit Anne, Flo und Claudio noch mal dort und letztes Wochenende habe ich das Haus dann endgültig an meine Nachfolgerin Jacqueline übergeben.

Das sind quasi die letzten Nkumba Geschichten. Zumindest die letzten Geschichten in welchen ich von „meinem“ Haus in Nkumba erzählen kann. (more…)

Fierce Lion on Tour

Donnerstag, 27. August 2009 von rapha

img_0956Endlich kann ich hier auch mal von positiven Seiten bei den Pfadfindern berichten. Die letzten beiden Monate war ich ja damit beschäftigt den Nationalvorsitzenden zu treffen und mal auszuloten, was denn meine Aufgaben hier sein könnten. Nachdem dieses Gespräch vor zwei Wochen stattgefunden hat und ich nun ein bisschen mehr weiß woran ich bin hab ich da ein besseres Gefühl.
Ansonsten habe ich hier regelmäßig Mittwochs und Sonntags bei den Treffen der Pfadfindergruppe meiner Schule (Truppname Fierce Lion) teilgenommen. Mittwochs machen sie immer die „daily good action“, also irgendwas sauber machen oder den Garten pflegen, Sonntags wird ein bisschen gesungen und geplant ist da auch ein wenig inhaltlich zu arbeiten.
Was mich nun aber so erfreut ist ein Treffen welches letzten Sonntag mit einer anderen Pfadfindergruppe stattgefunden hat. (more…)

Angekommen an der Schule

Freitag, 05. Juni 2009 von rapha

img_0107Nach der Nacht in Kigali hat mich (nach 2 Stunden warten) Father Wilson abgeholt. Wir haben einen Abstecher zum Generalvikar von Kigali gemacht und sind dann die etwa 60 km nach Ruhengeri gefahren. Dabei wurde mir bewusst wie wenig ich eigentlich letztes mal auf dem Land war. Ich habe die meiste Zeit in Kigali verbracht. Das Bild entlang der Straße müsst ihr euch so vorstellen, dass über all Menschen sind die rum sitzen oder auch rumlaufen.

img_0116Wir sind in Ruhengerie zuerst zur INES gefahren. Dies ist eine private Uni hier. Dort habe ich Abbé Fabien getroffen. Meinen Mentor in Ruhengeri. Er ist Vice Chair von INES. Mit ihm und Father Wilson war ich dann auf dem Gelände der Diözese Essen. Es gab gegrilltes Hähnchen und natürlich Mützig, neben Primus das andere ruandische Bier. Die Preise sind dort relativ hoch. Das ganze Hähnchen was ich mit Wilson geteilt habe kostet 3000 Francs, also etwa 4 Euro. bezahlt habe ich jedoch nicht. Fabien hat uns eingeladen. Danach sind wir mit unserem Fahrer zur Schule gefahren. Sie liegt etwa 10 km außerhalb von Ruhengeri auf der Straße und dann noch mal 4 km den Berg runter auf einer Sandpiste, vorbei ein kleinen Hütten, Bananenhainen und noch mehr Leuten die rumsitzen oder rumlaufen.

img_0128Die Schule ist ein ziemlich großes Gelände. Es gibt ein Gebäude mit Innenhof in dem die Priester untergebracht sind. Es wohnen und arbeiten dort 6 Priester und etwa 15 Lehrer. Sie betreuen etwa 200 Schüler zwischen 11 und 19. Denen wurde ich gleich vorgestellt als der neue Lehrer für Englisch und praktische Musik. Damit ist mein Job für die nächste Zeit definiert. Ich soll in den Klassen Senior 5 und Senior 6 Englisch unterrichten. Dazu irgendwas mit Musik machen. Hört sich gut an. Das bedeutet, dass ich etwa 10 Stunden die Woche unterricht halten soll. Daneben gibt es an der Schule 3 Häuser in denen die Lehrer wohnen, ein Veranstaltungshaus, eine Bibliothek, eine riesen Essenshaus in dem die Schüler essen und natürlich eine Kirche. Neben der Schule ist ein Schwesternkonvent. Dieses und natürlich auch die darin lebenden 14 Schwestern besuchte ich am zweiten Tag. Sie waren sehr froh mich zu sehen, sangen mir ein Lied und brachten mir nützliche Sätze auf Kinyarwanda bei. Erwähnenswert ist, dass die Schwestern komplett von der Außenwelt getrennt leben. Wir trafen uns in einem Raum, welcher von einem Metallgitter getrennt war. Wilson und ich auf der einen Seite, die Schwestern auf der anderen.

Zu Beginn wohne ich jetzt in einem Zimmer, oder besser zwei, welches für den Bischof reserviert ist. Damit wohne ich bei den Priestern und esse auch mit ihnen. Gekocht wird vom Koch und alles andere machen die Hausangestellten. Sehr komfortabel. Ich bin dort sehr Willkommen und Father Wison kümmert sich gut und vor allem immer um mich. Ich muss ihm klar machen wenn ich was alleine machen will, sonst würde er mir sicher auch helfen zur Toilette zu gehen. Das gute daran ist, dass ich so viele Wörter auf Kinyarwanda lerne. Die Sachen die es zu essen gibt und allerlei Begrüßungen kenn ich schon. Am Wochenende soll sich meine Wohnsituation jedoch ändern: „The best house for the best Teacher“ ist die Losung. Ich werde in eine Art Doppelhaushälfte mit 4 Zimmern ziehen. Die soll aber noch für mich hergerichtet werden und morgen werden wir sie zusammen einrichten. Dann kann ich auch für mich selber kochen. Im besten Fall wird es klappen, dass ich alleine wohnen kann und so ein bisschen Privatsphäre bekomme, aber trotzdem in engem Kontakt zu den Priestern stehe und dort auch ab und an sein kann. Das wäre wirklich perfekt.

Ansonsten habe ich jetzt schon alle Freiheiten. Ich kann zur morgentlichen Messe um halb 7 kommen oder auch nicht. Ich kann immer mitessen, oder auch nicht.

Am zweiten Tag habe ich versucht klar zu machen, dass ich schauen will, wie Unterricht hier funktioniert. Jedoch kam die Englischlehrerin nicht zu der Stunde und so hab ich das machen dürfen. Also auch hier ist es gut Sachen aus dem Ärmel schütteln zu können.

img_0130Außerdem habe ich gestern mal den Weg hoch zur Straße abgelaufen. Ich hab dafür fast eine Stunde gebraucht, weil ich gefühlte 1000 schwarze Hände geschüttelt habe. Das ist zu Fuß machbar, muss ja auch, da dies der einzige Weg in de Stadt ist. Runter geht schneller, man kann für 200 Francs, also so knapp 30 Cent ein Fahrradtaxi nehmen.

Heute Morgen bin ich dann mit Father Diodonne nach Ruhengeri gefahren. Hier habe ich in der lauten und geschäftigen Stadt ein ruhiges Kaffee gesucht in dem ich nun sitze und schreibe. Dazu guten ruandischen Tee. Super.

Gleich treffe ich mich mit Marleen und Elisabeth (Betty), zwei Freiwilligen die hier in Ruhengeri arbeiten zum Mittagessen. Ich freu mich drauf.

 

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