Ach Herr Brück…

Donnerstag, 03. November 2011 von rapha

In der Rhein-Zeitung hat Dietmar Brück einen Artikel über seine Ruanda-Reise veröffentlicht. Dies ist eine Antwort.

Ruanda zu verstehen ist nicht einfach, über Ruanda zu schreiben schon gar nicht. Das einzusehen und deshalb in seinen Behauptungen wage zu bleiben, ist das Eine, Klischees zu bedienen und vermeintlich klare Fakten ungeprüft zu verbreiten, das Andere.

Ein Artikel wie Ihrer über einen Besuch im Gefängnis in Gitarama liest sich gut. Ein wenig wird angeprangert wie schlecht es den Gefangenen geht, ein bisschen beschreiben sie, sogar in der Überschrift, wie die Gefangenen trotzdem guten Mutes zu sein scheinen. Dazu eine Brise Völkermord und HIV und fertig ist das nichts sagende Bild, von dem jeder das behalten kann, was er oder sie sich schon vorher so gedacht hat. „Bilder bedienen“ kann man es auch nennen.

Sehr geehrter Herr Brück, das bringt niemandem etwas.

Natürlich schreiben sie mit der Rhein-Zeitung für eine Tageszeitung und nicht für ein politisches Enthüllungsmagazin, aber ein bisschen mehr Differenziertheit und vor allem Faktenrecherche würde auch ihren Lesern sicher gefallen und vor allem ein Verständnis für das Rheinland-Pfälzische Partnerland erzeugen das über Klischees und Regierungswahrheiten hinaus geht.

Das ist gar nicht so schwer, man muss nur ein wenig Kenntnis darüber haben, wie Dinge in Ruanda funktionieren und diese mit unterschiedlichen Quellen und ein bisschen journalistischer Vorsicht kombinieren. (more…)

Was kommt raus unter dem (Bruch)-Strich?

Montag, 29. November 2010 von rapha

Bild entnommen von http://www.flickr.com/photos/paulkagame/

Wenn jemand abwägen darf wie viel Gutes und Böses ein Mensch in seinem Leben gemacht hat und daraus einen Saldo berechnen kann, dann ist es Gott. Beim jüngsten Gericht geht es darum das Lebenswerk zu beurteilen. Bei einem normalen Gerichtsverfahren ist das nicht das Ziel. Jeder muss für seine Verbrechen büßen, positives Verhalten kann höchstens für den Kontext in Erwägung gezogen werden.

Das sollte auch der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch wissen, immerhin war er vor seiner Politikerkarriere als Kriminalhauptmeister tätig.

In der Politik gelten jedoch andere Regeln als im Recht. Wenn der Herr Minister einen Vortrag beim Bürgerfest der Freiwilligen Feuerwehr Simmern hielte, würde er deren sehr gute Brandbekämpfung und den neuen Mannschaftswagen loben, auch wenn das Gerätehaus in einem Zustand ist, dass Renovierungsbedürftig ist. Die Menschen sehen es sowieso und der Honig ums Maul ist süß.

Eine ganz andere Geschichte ist es, einem Präsidenten nicht nur ein positives Saldo seiner Leistungen auszurechnen, sondern ihm zu bescheinigen, dass er nichts unrechtes getan hat, zumindest keines das rechtlich bewiesen ist.

Das tat Bruch in Ruanda. „Dem [UN Mapping exercise] Report fehlt es an Grundlage und er ist nicht überzeugend, wenn es zu dem Punkt kommt, welcher Ruanda kritisiert“. (Eigene Übersetzung nach Zitat in einem Artikel der New Times) In dem Bericht, der Kriegsverbrechen aller Seiten im Konflikt im Ostkongo zwischen 1993 und 2003 dokumentiert, wird Ruanda vorgeworfen, gezielt Hutu-Flüchtlinge und kongolesische Hutu in einer Weise getötet zu haben, dass es, sollte es vor einem ordentlichen Gericht zur Anklage kommen, möglicherweise als Völkermord gesehen werden könnte. (more…)

 

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