Frust am Montag

Montag, 15. November 2010 von rapha

Einmal Deutschland und zurück, bitte. – Blickkontakt

Dienstag, 09. März 2010 von rapha

Natürlich sind die Menschen in Deutschland anders als in Afrika. Ich spreche hier explizit nicht von der Hautfarbe. Ich meine den Umgang miteinander und die Beziehung zu anderen. Wenn ich in Nkumba die vier Kilometer von meinem Haus zur Straße laufe dauert das manchmal über eine Stunde. Das liegt nicht daran, dass es so steil wäre oder ich in schlechter Form bin, sondern hauptsächlich daran, dass es in Ruanda sehr unhöflich ist, an jemandem vorbei zu laufen den man kennt, egal wie oberflächlich, und ihn nicht zu Grüßen oder ein bisschen Smalltalk zu halten.

In Deutschland ist das anders und mir jetzt auf meinem kurzen Tripp noch einmal bewusst geworden. Nach einem Tag einkaufen in Friedrichshafen oder auch in Frankfurt ohne Blickkontakt zu jemand anderem kam ich mir ein bisschen komisch vor. Da sind die Europäer eben anders.

Der Versuch einer Einordnung.

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Tag 125

Montag, 05. Oktober 2009 von rapha

9d3t0623kb__dailyprophetde1Die neue Regierung in Deutschland wird 100 Tage Schonfrist haben bevor alle sie beginnen werden zu bewerten. Sie werden schauen ob die Reformen in die richtige Richtung gehen. Da Ruanda nachgesagt wird, dass hier alles ein bisschen länger dauert, was natürlich nicht in allen Belangen zutrifft, werde ich meine erste kritische Auswertung nun nach 125 Tagen machen. Dieser Umstand ist vor allem aber auch meinen kleinen Zeitbudget in den letzten Wochen geschuldet.

Meine Fragen für diese Auswertung werden folgende sein: Land und Leute: Wie komme ich zurecht, wie schätze ich es hier ein. Arbeit: Was tue ich und wie gefällt mir das? Leben: Wie ist mein Leben zurzeit, von was wird es geprägt? Ich: Wie sind meine Gefühle und Gedanken? Zukunft: Wie komme ich voran zu schauen was ich nach Ruanda machen will? (weiterlesen …)

Eindrücke in und von Ruanda

Dienstag, 25. August 2009 von Franziska

img_0987Meine Vorstellungen von Afrika-Ruanda waren wohl die für einen Europäer der zum ersten Mal Afrika besucht typischen:

weites Land
heiße Sonne
wenig Menschen.

Aber Ruanda erlebe ich ganz anders:
Die Gegend hier ist mit fruchtbarer brauner Vulkanerde bedeckt, es wachsen jede Menge grüner Pflanzen: Mais, Bohnen, Bananenstauden, Kartoffeln…Die Felder ziehen sich weit, weit die Hügel hinauf. (weiterlesen …)

Tag 50

Dienstag, 21. Juli 2009 von rapha

img_0574Mittlerweile bin ich seit 50 Tagen aus Deutschland weg und arbeite hier in Ruanda. Ich bin in mein Haus eingezogen, habe die ersten paar Wochen unterrichtet, habe viele Leute kennen gelernt, bin viel Bus gefahren, habe meine erste Leerlaufphase hinter mir, habe Routine im Kochen und Wäsche waschen. Außerdem habe ich durch das erste Paket und die ersten Postkarten schriftlichen Kontakt zur Heimat. Das ist mal wieder ein guter Punkt zu schauen wie es mir so geht und wie sich die Dinge so entwickeln.

Seit 2 Wochen hab ich nun frei. Ende letzter Woche war noch die Zeugnisübergabe, zumindest geplant. Das Problem war, dass die Schüler nicht wollten, dass vor der ganzen Schule verkündet wird wer wie gut abgeschnitten hat in diesem Trimester. Ich habe mit den anderen Lehrern gewartet, aber die Schüler kamen nicht. Normalerweise finden die Zeugnisübergaben in den Klassen statt, die Priester haben das aber am Tag zuvor geändert. Also 2 Stunden warten, die Priester wollten nicht nachgeben, die Schüler nicht zur Zeremonie kommen. Mich hat das überrascht, da die Ruander normalerweise sehr genau auf die Autoritäten hören. Ich hab ihre Position jedoch auch verstanden. img_0553Das Ende vom Lied war, dass die Schüler keine Zeugnisse bekommen haben und diese erst überreicht werden, wenn die Eltern der Schüler (!) erklären, warum die Schüler nicht an dieser Zeremonie teilnehmen wollten. Die Priester haben mir auch gesagt, dass diese Verweigerung der Schüler dafür sorgen wird, dass manche der Schüler, wie sie meinten die Aufrührer, die Schule verlassen müssen. „Wir sind doch keine öffentliche Schule sondern eine Privatschule. Hier haben die Kinder zu gehorchen“, war die Aussage dazu. Ich bin gespannt wie das weiter geht. Ich nehme aber an, dass sich die Priester sich durchsetzen werden, ein paar Schüler von der Schule geworfen werden und sich die Anderen ganz unterwürfig entschuldigen werden. (weiterlesen …)

Bilder

Dienstag, 23. Juni 2009 von rapha

img_0338Wenn ich hier spazieren gehe, treffe ich oft Menschen die gerade auf dem Weg zum Feld sind oder von dort zurückkommen. Oft haben sie dann eine Machete in der Hand. Die Machete ist hier das Allzweckwerkzeug. Damit wird Holz gehackt, Bananenbäume gestutzt oder auch Gras geschnitten. Jedes Mal wenn ich einen Mann mit einer Machete sehe kommen bei mir aber auch andere Bilder hoch. Hauptsächlich mit diesem Werkzeug sind die Menschen 1994 regelrecht geschlachtet worden. Bei mir im Kopf ist das immer noch so, dass ich es nicht fassen kann. Jemanden mit einer Machete zu töten heißt, zu sehen wie er verblutet. Verglichen mit einer Pistole, bei welcher man ein ganzes Stück weg sein kann, oder etwa mit Gas, welches man nicht sieht und welches keine offenen Wunden hinterlässt. Was muss ein Mensch fühlen, damit er so etwas tun kann? Und was fühlt er wenn er es tut? Wie kann man nur jedes Menschlichkeitsgefühl verlieren? Wie kann man sein Opfer dann noch vergewaltigen? Das sind Fragen die glaube ich niemand beantworten kann. (weiterlesen …)

Die erste Woche rum – Was machen meine Gedanken so?

Freitag, 12. Juni 2009 von rapha

img_0216Die erste recht turbulente Woche hab ich hinter mich gebracht. Es ist viel passiert und ich bin so richtig hier angekommen. Ich hab mich so ein bisschen an den ruandischen Rhythmus gewöhnt.

Aber warum bin ich eigentlich hier?

Was wirklich gut klappt ist, dass ich jeden Tag neue Sachen lerne, nicht nur auf Kinyarwanda. Ich bin noch ein bisschen gehemmt, dadurch, dass ich nach wie vor mit den Priestern in deren Haus wohne. Ich werde hier bestens versorgt, werde bekocht und auch eingebunden. Ich hab noch nicht so richtig den Plan warum sie denn so nett zu mir sind. Alles kein Problem. Ich hör da immer wieder raus was ein Grund sein kann: Versuch doch mal in Deutschland alte Computer zu besorgen, oder vielleicht kannst du was schreiben, damit wir irgendwelche Fördergelder bekommen. Solche Sachen fallen mir natürlich auf, weil ich darauf achte. Es nimmt aber kein Maß an welches ich für schwierig halte.

Ansonsten habe ich alle Freiheiten und viel Zeit. Ich habe, außer dem Essen, so 2 Stunden am Tag was zu tun. Unterricht von Dienstag bis Donnerstag jeweils zwei Mal 50 Minuten. Ich versuche grad so rauszufinden was die Schüler so können und wo ich ansetzen kann. Die sind sehr interessiert an Englisch und an mir und vor allem auch dankbar.

img_0220Was ich mir rausnehme, ist, dass ich jeden Tag mindestens ne Stunde spazieren gehe. Meist hoch zur Straße und dann auch manchmal nach Ruhengeri rein, heute war ich aber unten am See. Das ist so ein bisschen das Paradies. Der Garten Eden. Rechts und links Bananenbäume, oder andere Früchte. Einfach nur toll. Das genieße ich. Ich treffe viele Leute und mein Kinyarwanda reicht aus um ein bisschen Smalltalk zu betreiben. Die Menschen sind sehr offenherzig und freundlich, auch wenn bei manchen die zweite Frage die nach Geld ist.

Für mich wird es noch mal ein anderer Schritt sein wenn ich denn alleine wohne. Ich habe heute das Haus zum ersten Mal von innen gesehen: 3 Schlafzimmer, ein riesen Wohnzimmer, ein Büro, ein großer Innenhof mit Feuerstelle, eine Küchenraum und ein Vorratsraum. Dazu ein Klo mit Dusche. Ich frag mich noch was ich da so überall machen soll. Also echt krass.

Was ein bisschen schwieriger wird, ist das Französisch lernen. Die sprechen hier alle Kinyarwanda oder sonst halt Englisch. Ich will aber weiterhin schauen ob ich irgendwo einen Französisch Kurs bekomme. Mal schauen.

Was so berufliche Sachen angeht ist es gut sich an Abbé Fabien zu halten. Er ist ein Macher. Er meinte ich solle doch an der INES (also der privaten Uni) als Gastdozent arbeiten. Da muss ich mal schauen was sich so ergibt. Witzig wäre es in jedem Fall. Ansonsten beobachte ich ein bisschen was die Leute hier zur Entwicklungszusammenarbeit sagen und wie diese hier so wirkt. Da hab ich aber noch nicht so den Einblick. Aber es ist ja erst eine Woche rum.

img_0226Was mir wirklich Spaß macht ist hier Sport zu machen. Ich spiele jeden Tag eine Stunde mit der Fußballmannschaft. Auch das durch die Gegend wandern nimmt hier sportliche Züge an. Und der riesen Vulkan ist auch vor der Haustür. Da will ich hoch. Oben war von den Leuten mit denen ich gesprochen hab noch niemand, aber sie sagen, man kann es an einem Tag schaffen.

Alles in allem geht’s mir also sehr gut. Ich muss schauen, dass ich meine Freiheiten behalten kann und ein bisschen in einen Alltag komme. Die außergewöhnlichen Sachen hol ich mir dann schon oder sie kommen eben zu mir.

Die Milch des Nachbarn

Mittwoch, 20. Mai 2009 von rapha

milchflascheGestern Abend hatte ich mit meiner Mutter eine Diskussion über den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und abnehmendem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Frage war, ob sich die materielle Absicherung der Menschen, wie sie in den letzten 40 Jahren in Deutschland stattgefunden hat, negativ auf den Zusammenhalt in der Gesellschaft ausgewirkt hat und dieser gerade jetzt fehlt um auch in schwierigen Zeiten eine funktionierende und zufriedene Gesellschaft zu haben.

Früher – auch wenn es mit 27 Jahren ein bisschen komisch klingt – aber früher war es ganz üblich zum Nachbarn zu gehen und nach ein bisschen Milch zu fragen wenn keine mehr im Haus war, oder eben einen Rasenmäher mit ihm zu teilen. Ich habe als Kind öfter mal im Garten unseres Nachbarn gespielt und er hat nach uns geschaut, wenn meine Mutter noch arbeiten war.

Inzwischen hat jeder alles oder strebt zumindest danach. Jeder kauft seine eigenen Dinge, wirft lieber ab und zu eine abgelaufene Milch weg, damit er nicht irgendwann mal ohne da steht. Die Menschen bezahlen viel Geld für Kinderbetreuung und können so in einer autarken und rein selbstbezogenen Welt leben ohne sich moralisch gegenüber jemand anderen verpflichtet zu fühlen. Folge daraus ist eine zunehmende Individualisierung der Gesellschaft. Da dies jedoch nicht immer im Interesse der Menschen ist, institutionalisieren sie ihre Freizeit. Ob in Walkinggruppen oder sonstigen Zusammenschlüssen. Eine gute Nachbarschaft ersetzt das aber nur sehr schwer.

Natürlich sind nicht alle so. Ich selber habe erlebt, dass mir Menschen helfen, auch wenn sie nicht direkt einen eigenen Nutzen daraus ziehen. Klar ist das bei den Pfadis und bei Aktionen wie der 72-Stunden-Aktion des BDKJ. Aber insgesamt hab ich schon den Eindruck, dass es weniger geworden ist. Damit spricht nichts gegen die Anfangs geäußerte Vermutung.

Bei mir selber kommt es öfter vor, dass ich irgendwas vergessen habe zu kaufen oder auch, dass ich manchmal Sachen brauche, die ich nicht besitze oder nicht kann. Dann frage ich mal einen Freund nach seinem Auto, meinen Nachbarn nach einer Leiter oder rufe bei Computerproblemen meinen Informatikerheld an, auch mehrfach. Das funktioniert aber nur, wenn ich weiß, dass sie im Zweifelsfall auch nein sagen, wenn sie es mir nicht geben wollen oder keine Zeit haben. Ich sage auch nein. Aber wenn es mir möglich ist, helfe ich gerne. Freunden beim Umziehen? Natürlich! Im Beziehungsstreit eines Bekannten in seinem Namen seiner Freundin Rosen vorbei bringen? Wie cool! Kleiner Aufwand für mich, große Hilfe für andere.

Nun der Blick nach Ruanda. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation ist nicht zu vergleichen. Mal ganz abgesehen davon, dass es dort keine Rasenflächen gibt, die mit dem Rasenmäher gemäht werden müssen und Milch sowieso, wegen der fehlenden Kühlkette, kein so großes Thema ist. Aber wie funktioniert gesellschaftlicher Zusammenhalt und Nachbarschaft in so einem Land? Unterstützen sich Nachbarn? Kann ich bei meinen Nachbarn dort nach Reis fragen wenn ich keinen mehr habe? Oder vielleicht auch ein Fahrrad leihen? Oder umgekehrt? Ich finde das spannend und bin gespannt was ich dahingehend erleben werde, auch wenn ich als weißer Europäer sicher nicht der typische Nachbar bin.

Allein

Sonntag, 19. April 2009 von rapha

Heute habe ich mir Gedanken zum Thema allein sein gemacht. Allein hier in Deutschland und allein in Ruanda. Vieles von dem was ich hier in Deutschland mache ist von davon geprägt, dass ich es mit Anderen tue. Dies ist Teil des Mehrwerts. Ich teile Erlebnisse und Erfahrungen mit Anderen. Natürlich habe ich auch hier Situationen, die ich nur mit mir und für mich erlebe – ich lerne zur Zeit allein für mich in der Bibliothek oder spiele allein Gitarre. Ab und an gehe  ich auch alleine spazieren oder wandern. Das ist jedoch ein Zustand für den ich mich hier selber entscheide. Ich weiß hier aber immer, dass wenn ich hier Gesellschaft oder Gemeinschaft suche, dass ich sie auch finden kann. Ich kann immer jemanden anrufen, treffen oder zumindest anchatten. Ich muss hier nichts alleine tun.

serengeti_baeumeIn Ruanda wird das zu Beginn sicher anders sein. Meine Erinnerung an die letzten zwei Wochen die ich vor fünf Jahren alleine in Kigali verbracht habe, sind mir wieder ins Bewusstsein gerückt. Hier konnte ich niemanden anrufen oder treffen. Obwohl so viel Leben und Betriebsamkeit um mich war habe ich nicht dazu gehört. Diese Mal habe ich die Gewissheit eine Aufgabe zu haben, aber mir als doch recht ungeduldigen Mensch wird das trotzdem sicher nicht immer leicht fallen. Es ist dort sicher eine andere Art von (allein) sein. Es ist nur im Groben ein selbstgewählter Zustand.

Ich glaube, dass ich damit akut immer wieder Probleme haben werde, nehme mir aber vor, dies als Chance für mich zu nutzen und solche Situationen anzunehmen um zu lernen damit umzugehen.

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