Was kommt raus unter dem (Bruch)-Strich?

Montag, 29. November 2010 von rapha

Bild entnommen von http://www.flickr.com/photos/paulkagame/

Wenn jemand abwägen darf wie viel Gutes und Böses ein Mensch in seinem Leben gemacht hat und daraus einen Saldo berechnen kann, dann ist es Gott. Beim jüngsten Gericht geht es darum das Lebenswerk zu beurteilen. Bei einem normalen Gerichtsverfahren ist das nicht das Ziel. Jeder muss für seine Verbrechen büßen, positives Verhalten kann höchstens für den Kontext in Erwägung gezogen werden.

Das sollte auch der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch wissen, immerhin war er vor seiner Politikerkarriere als Kriminalhauptmeister tätig.

In der Politik gelten jedoch andere Regeln als im Recht. Wenn der Herr Minister einen Vortrag beim Bürgerfest der Freiwilligen Feuerwehr Simmern hielte, würde er deren sehr gute Brandbekämpfung und den neuen Mannschaftswagen loben, auch wenn das Gerätehaus in einem Zustand ist, dass Renovierungsbedürftig ist. Die Menschen sehen es sowieso und der Honig ums Maul ist süß.

Eine ganz andere Geschichte ist es, einem Präsidenten nicht nur ein positives Saldo seiner Leistungen auszurechnen, sondern ihm zu bescheinigen, dass er nichts unrechtes getan hat, zumindest keines das rechtlich bewiesen ist.

Das tat Bruch in Ruanda. „Dem [UN Mapping exercise] Report fehlt es an Grundlage und er ist nicht überzeugend, wenn es zu dem Punkt kommt, welcher Ruanda kritisiert“. (Eigene Übersetzung nach Zitat in einem Artikel der New Times) In dem Bericht, der Kriegsverbrechen aller Seiten im Konflikt im Ostkongo zwischen 1993 und 2003 dokumentiert, wird Ruanda vorgeworfen, gezielt Hutu-Flüchtlinge und kongolesische Hutu in einer Weise getötet zu haben, dass es, sollte es vor einem ordentlichen Gericht zur Anklage kommen, möglicherweise als Völkermord gesehen werden könnte. (weiterlesen …)

Kurz gemeldet (6)

Dienstag, 20. Juli 2010 von rapha

Präsidentschaftswahlkampf
Heute geht er also los der Präsidentschaftswahlkampf. Man sieht die Anhänger des Präsidenten überall auf den Straßen mit ihren t-Shirts und Plakaten. Ganz Busladungen wurden ins Stadion gekarrt um den Wahlkampfauftritt ihres Kandidaten zu bejubeln. Von den anderen drei Kandidaten habe ich heute, als ich durch die Stadt gefahren bin sehr wenig gesehen. In 20 Tagen ist dann die Wahl. Hier mal ein paar Schnappschüsse von der Straße.


Carla, Susanne und Wolfram zu Besuch

Das letzte Wochenende verbrachte ich ganz entspannt mit Carla, eine Freundin aus Kigali und ihren Eltern bei mir zu Hause. Wolfram kenn ich schon länger als Carla über Twitter und Susanne kennt meinen Blog fast auswendig. Wir haben viel zusammen gekocht, geschwätzt und gelacht. Ein sehr entspanntes Wochenende als, dass ich sehr genossen habe. Vielen Dank dafür. Wolfram hat übrigends sehr schöne Photos gemacht, die ich euch nicht vorenthalten möchte und deshalb eine Galerie erstellt habe.

WG wieder komplett

Nachdem ja Eveline zurück in die Niederlande gegangen ist, wohnt seit einem Monat Anny bei mir. Anny arbeitet das nächste Jahr bei der KFW hier in Ruanda. Seit letztem Wochenende sind wir mit Ina wieder komplett. Ina wird beim Biogas Projekt der GTZ ein Praktikum machen. Mit beiden wird das glaube ich eine sehr gute Zeit werden.

Heimaturlaub
Worauf ich mich gerade ganz besonders freue, ist, dass ich morgen nach Deutschland fliegen werde. Zum einen hab ich mir ein bisschen Urlaub verdient, zum anderen werde ich in Berlin ein Abschlussseminar für den Weltwärtsdienst besuchen um die Sache dann endgültig formal abzuschließen. Ich freue mich vor allem meine Familie mal wieder komplett zu sehen und ein bisschen vom Sommer zu genießen. Ich werde die meiste Zeit am Bodensee sein, aber auch nach Köln, Berlin, Zürich und Heidelberg kommen. Wer Lust hat mich zu sehen oder mit mir ein kühles Radler zu trinken, soll sich bitte melden. All zu viel Zeit habe ich nicht, am 14. August fliege ich schon wieder zurück.

Why you wanna leave me…?

Sonntag, 04. Juli 2010 von rapha

Soziale Beziehungen sind ein wichtiger Teil meines Lebens. Das habe ich sicherlich auch vor meiner Zeit hier in Ruanda gewusst, aber die letzten 13 Monate hier haben mir das nochmal vor Augen geführt und so wiedermal bewusst gemacht. Die Qualität meines Lebens hängt auch davon ab ob ich Menschen in meiner sozialen Umgebung habe, denen ich vertrauen kann und bei denen ich mich geborgen fühle. Auch der Umkehrschluss ist gültig. Ebenso brauch ich Menschen die mir so viel Vertrauen entgegen bringen und mich an ihren Freuden, Sorgen und Erinnerungen teilhaben lassen.

Gerade in den letzten drei Monaten hatte ich das Glück mein Leben mit Menschen zu verbringen, bei welchen dies gut funktionierte und ich mit ihnen so eine außerordentlich intensive und wohltuende Zeit verbringen durfte. (weiterlesen …)

Von Nkumba nach Kigali in kleinen Schritten

Dienstag, 20. April 2010 von rapha

Die letzten Wochen war mein Leben ein bisschen zerrissen. Zum einen habe ich in Nkumba an der Schule gearbeitet, zum anderen schon bei der GTZ. Ich hatte immer noch mein Haus in Nkumba, aber auch schon mein Haus in Kigali. Das war manchmal gar nicht so einfach, denn egal wo ich war, irgendetwas was ich gebraucht habe war grad im anderen Haus.
Schwer war das ganze auch für mein Sozialleben. In Nkumba war ich immer nur zwei oder drei Tage. Da war es nicht einfach, auch mal länger mit meinen Nachbarn zu sprechen.
Dieser Umstand hat sich jetzt zum Glück aufgelöst. Vor drei Wochen habe ich das Auto eines Freundes geliehen und bin mit Flo zusammen aus Nkumba ausgezogen. Über Ostern war ich mit Anne, Flo und Claudio noch mal dort und letztes Wochenende habe ich das Haus dann endgültig an meine Nachfolgerin Jacqueline übergeben.

Das sind quasi die letzten Nkumba Geschichten. Zumindest die letzten Geschichten in welchen ich von „meinem“ Haus in Nkumba erzählen kann. (weiterlesen …)

Dienstag Mittag, Kigali Nyabugogo: „wenn du da bist, musst du dich einfach nach Ruli durchfragen…wenn der Bus voll ist tingelt der dann so langsam los und… eh ja es wird spannend.“ So oder so ähnlich klang Evas Wegbeschreibung zum besten Distriktkrankenhaus Ruandas. So sitze ich dann auch ziemlich eingeschüchtert als einzige Muzungo im kleinen Matatu und frage mich: „hmmm Mist, hat Helmut nicht gesagt die sprechen hier alle französisch?“ Irgendwie doch nicht.

Ich vergewissere mich zehnmal ob ich jetzt auch ja im richtigen Bus sitze und nach gefühlten drei Milliarden Stunden fährt die Kiste dann auch mal endlich los. Am Stadtrand von Kigali biegen wir scharf links auf eine holprige Sandpiste ab. Es ruckelt, ist schrecklich laut und eng und stinkt unfassbar nach Benzin. Ab jetzt, und das weiß ich zu diesem Zeitpunkt Gott sei Dank noch nicht, wird’s nur noch schlimmer: holpriger, lauter, enger und es stinkt mit zunehmender Fahrtdauer noch nach viel mehr als Benzin. 35 Kilometer, zwei Stunden und 30 Minuten später, komme ich im mittlerweile stockdunklen Ruli an. Total fertig aber glücklich, die erste Hürde ist genommen. (weiterlesen …)

Nyungwe National Park – Viel Wald und ein Wasserfall

Sonntag, 17. Januar 2010 von rapha

Das letzte Mal im August im Nyungwe war es alles ein bisschen übers Knie gebrochen. Trotzdem war es eine schöne Erfahrung mit allerlei interessanten Begebenheiten und glücklichen Zufällen. Nachdem ich nun seit einem Monat quasi als Reiseleiter durch Ruanda reise, war der Nyungwe mal wieder dran. Diese Mal jedoch ein bisschen geplanter, ausgiebiger und vor allem auch billiger, da ich ja seit geraumer Zeit ein lokal resident bin.

Wir starteten früh am Morgen von Butare. Allein schon die Planung dieser Reise hatte es in sich. Das Problem hier in Ruanda ist, dass jeder eine andere Auskunft gibt. Im Zweifelsfall heißt es immer: Yes. Noch am Vortag der Buchung hieß es bei Sotra Tours, einem privaten Busunternehmen, wir müssten die ganze Fahrt von Kigali bis Cyangugu buchen und auch bezahlen um die Teilstrecke von Butare bis zur ORTPN-Station am Nyungwe Nationalpark mitzufahren. Der Bus würde an einer Tankstelle in Butare um 8.30 Uhr vorbeifahren.
Die Auskunft am nächsten Tag: Alles kein Problem. Bus fährt um 7.30 Uhr, kostet 3000 Francs und nicht wie gedacht 4500. Alles klar. Rein in den Bus und los. (weiterlesen …)

Gemeinhin gilt, dass der Ruander seine Zeit großzügiger nutzt, als wir Deutschen. Man könnte auch sagen, „warum soll ich etwas schnell machen, was auch langsam geht“. Eine Eigenschaft, die uns im Alltag schnell wahnsinnig machen würde, die aber im Urlaub ganz sympathisch ist und uns sehr viel erheitert hat. Neben Kassierern an der Supermarktkasse, die in negativer anmutenden Geschwindigkeit die Waren über den Scanner ziehen, wurde das vor allem beim Essengehen auffällig.

Aus der Tatsache, dass es etwa 2,735 Bedienstete pro Gast gibt, sollte man auf gar keinen Fall auf die Schnelligkeit der Bedienung schließen. Es dauert aber nicht nur die Bestellung und das Getränke-Bringen, auch das Verteilen von Gläsern und Flaschen auf dem Tisch und das Öffnen derselben will mit der angemessenen Geruhsamkeit betrieben werden. Da kann es schon mal zwei Minuten dauern, den Plastikverschluss von der Schnapsflasche zu pulen (und dabei immer wieder hinten wie bei einem Marmeladenglas auf die Flasche zu hauen…?). Der Schnaps wird ja nicht schlecht. (Wie bei dem römischen Legionär in Asterix auf Korsika, der immer nur eine halbe Platte fegte und dann eine Pause einlegte… so ungefähr kann man auch Bierflaschen öffnen…) (weiterlesen …)

Ich bin noch da

Freitag, 08. Januar 2010 von rapha

Zurzeit ist es ein wenig leise hier. Zumindest das was ihr von mir hört. Das hat aber nichts damit zu tun, dass hier nichts passiert, sondern vor allem damit, dass hier so viel passiert.

Am 13. Dezember bin ich aus dem Urlaub zurückgekommen und habe seit dem Besuch aus Deutschland. Von 15. Dezember bis 02. Januar waren Daniel und Julia bei mir zu Besuch. Wir haben den Computerraum repariert und mit anderen Freunden hier zusammen Weihnachten gefeiert.

Ab dem 29. Dezember kamen dann noch Birgit und Klaus dazu. Zusammen haben wir am Kivu-See Silvester gefeiert. Nachdem Daniel und Julia wieder im Flieger saßen habe ich mit den anderen begonnen Ruanda zu erkunden. Nach ein paar Tagen in Kigali und einem kleinen Abstecher der beiden in den Akagera Nationalpark sind wir nun in Butare abgekommen. Morgen gehen wir in den Nyungwe Nationalpark um dann noch Cyangugu, ganz im Süd-Westen und damit am Südufer des Kivu-Sees, anzuschauen.

Am 15. Januar morgens um 3 Uhr fliegen die beiden wieder nach Hause. Dann gibt es auch wieder ausführliche Berichte. Bis dahin müsst ihr euch mit kleinen Wasserstandsmeldungen und den Gastblog-Berichten der vier vergnügen, die ja an anderen Stellen schon nachdrücklich gefordert werden.

Auf dem Gipfel Ruandas

Sonntag, 03. Januar 2010 von rapha

img_9514Jeden Morgen wenn ich meinen Kaffee im Innenhof genieße sehe ich die großen Virunga Vulkane in den Himmel ragen. Schon von Anfang an war mir dabei klar: Ich muss da hoch. Schöner ist so eine Gipfelbesteigung natürlich zusammen mit Freunden, darum war die Gelegenheit günstig, als Daniel und Julia zu Besuch waren und das dazu benötigte Zelt mitbrachten. Wir dachten uns: Wenn schon einen Vulkan besteigen, dann auch den Höchsten. Mount Karisimbi 4507 Meter Meereshöhe, 2500 Meter Aufstieg an zwei Tagen. So eine Aktion sollte gut vorbereitet und geplant sein. (weiterlesen …)

Kurz gemeldet (4)

Sonntag, 18. Oktober 2009 von rapha

img_1469Wahlparty und Tag der deutschen Einheit
Vor mittlerweile drei Wochen war ich bei einer Wahlparty der Deutschen Welle eingeladen. Ich bin da zusammen mit Linus hingefahren. Insgesamt waren so 100 Leute da. Das Gelände der Deutschen Welle ist unglaublich groß und besteht aus einer Relais-Station mit welcher das Programm in ganz Afrika, aber auch in Teilen von Südamerika und Asien übertragen wird. Die Stimmung dort war die einer entspannten Gartenparty. Zu Beginn hat der deutsche Botschafter ein paar Worte gesprochen, bevor es bei selbstgemachten Salaten und Bratwürstchen zur ersten Projektion um 18 Uhr ging. Den Ausgang der Wahl selber fand ich sehr interessant. Ich hätte nach den letzten Umfragen nicht gedacht, dass es für Schwarz-Gelb reicht. Aber jetzt sollen die halt versuchen das die nächsten fünf Jahre gut hinzubekommen. Ein paar Bilder von der Party gibt’s hier.
img_1573Die Woche darauf war dann Tag der Deutschen Einheit. Dabei läd traditionell der Botschafter alle Deutschen im Land, sowie einige Ruander und wichtige andere Ausländer ein. Aus der Politik kam die ruandische Außenministerin, die auch eine Rede gehalten hatte. Nach dem offiziellen Teil gab es leckere Häppchen und auch ein wenig Tanz. Wir haben irgendwann die Party in eine Disko verlegt. Der einzige Wermutstropfen an diesem Abend war, dass ich mir dort mein Handy klauen lassen habe. Es gibt aber wohl die Möglichkeit, dass der lokale Telephonanbieter MTN das Handy irgendwie orten kann.

img_1671Besuch von Karin und Fidel
An dem Wochenende kamen auch Karin und Fidel bei mir zu besuch. Insgesamt sind sie dreieinhalb Wochen in Ruanda und Uganda unterwegs. Sie sind nach Entebbe geflogen um dann mit dem Bus nach Kigali zu kommen. Leider hat Fidel sein Gepäck nicht bekommen und musste ohne selbiges auskommen. Wir haben ihn also auf dem Kleidermarkt in Kigali mit neuen Sachen versorgt. Danach sind wir nach Nkumba gefahren. Dort haben wir die Gegend zu Fuß erkundet. Wir waren auch einen Tag an den Vulkanen wandern. Gestern sind die beiden dann wieder zurück nach Kigali gefahren um noch eine Woche in Uganda zu verbringen. Dort können sie dann auch endlich Fidels Gepäck abholen. Bilder von dem Besuch gibt’s hier.

img_1678Photoprojekt
Vor drei Wochen habe ich erfahren, dass die GTZ in Ruanda einen Photowettbewerb für Schule und einen für andere Teilnehmer ausgeschrieben hat. Zu gewinnen gibt es relativ hohe Geldpreise und auch Digitalkameras für die Schulen. Ich hoffe, dass wir da ein bisschen was gewinnen, um Geld für das Bibliotheksprojekt zu haben. Das Thema des Wettbewerbs ist Leben und Arbeiten in Ruanda. Die fünf Schüler die von unserer Schule mitmachen haben als für eine Woche eine Digitalkamera gestellt bekommen und damit Bilder gemacht. Fidel hat mir sehr bei der Begleitung der Schüler geholfen. Wir ihr in meinem letzten Bericht schon sehen konntet, macht Fidel super Bilder und hat ein Blick für Motive. Einige meiner Photos sehr ihr in der Galerie. Die Bilder sind mittlerweile abgegeben und ich hoffe darauf, dass wir da was gewinnen. Für die Schüler war es allemal eine gute Möglichkeit zu lernen wie man photographiert und Spaß hatten sie dabei auch.

Jetzt bin ich gerade in Gisenyi am Kivu-See. Wir haben hier das erste Zwischenseminar vom DED mit den Freiwilligen mit denen ich auch schon vor drei Monaten das Einführungsseminar gemacht habe. Leider ist das Wetter ein wenig zu kalt um Schwimmen zu gehen, aber den Cappuchino im Serena Hotel habe ich schon hinter mir.

 

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