Regenzeit

Montag, 26. Oktober 2009 von rapha

img_2188Bei euch in Deutschland ist seit letztem Wochenende Winterzeit. So weit kommt es hier nicht, aber seit etwa zwei Monaten haben wir hier Regenzeit. Während es die ersten drei Monate meines Aufenthalts in Nkumba nur 4 Mal geregnet hatte, regnet es nun fast jeden Tag. Es begann Ende August damit, dass es öfter geregnet hat. Nun im Oktober regnet es auch mal gerne mehrmals am Tag. Morgens ist es meist noch klar, genau so wie nachts. Aber gegen 10 Uhr ziehen langsam Wolken auf und spätestens wenn ich zum Mittagessen machen meinen Kohlenherd anzünde fängt es richtig an zu regnen. Ich habe vor fünf Jahren hier schon gelernt, dass der große Unterschied zwischen europäischem und ruandischem Regen der ist, dass man hier den Regen sieht. Die Regengüsse sind meist nicht so lang, so dass nach einer Stunde das meiste schon wieder trocken ist. Die Pflanzen freuen sich dann über den strahlenden Sonnenschein des doch recht intensiven Lichts unseres Zentralsterns.
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Tag 125

Montag, 05. Oktober 2009 von rapha

9d3t0623kb__dailyprophetde1Die neue Regierung in Deutschland wird 100 Tage Schonfrist haben bevor alle sie beginnen werden zu bewerten. Sie werden schauen ob die Reformen in die richtige Richtung gehen. Da Ruanda nachgesagt wird, dass hier alles ein bisschen länger dauert, was natürlich nicht in allen Belangen zutrifft, werde ich meine erste kritische Auswertung nun nach 125 Tagen machen. Dieser Umstand ist vor allem aber auch meinen kleinen Zeitbudget in den letzten Wochen geschuldet.

Meine Fragen für diese Auswertung werden folgende sein: Land und Leute: Wie komme ich zurecht, wie schätze ich es hier ein. Arbeit: Was tue ich und wie gefällt mir das? Leben: Wie ist mein Leben zurzeit, von was wird es geprägt? Ich: Wie sind meine Gefühle und Gedanken? Zukunft: Wie komme ich voran zu schauen was ich nach Ruanda machen will? (weiterlesen …)

Kanyarwanda Raphael

Mittwoch, 23. September 2009 von rapha

img_1436Seit gestern Abend habe ich nun auch offiziell einen ruandischen Namen: Kanyarwanda Raphael, Raphael der Ruander. Zu Beginn des Abends dachte ich er würde ablaufen wie die meisten meiner Abende wenn ich abends alleine zu hause bin. Ich fang um 5 Uhr an zu kochen, gestern gab es zum ersten Mal Kartoffelsalat, schreibe ein paar eMails und esse. Nachdem ich es gestern aber ein bisschen gemütlicher haben wollte und meine Stimmung gut war, habe ich mir ein Lagerfeuer in meiner Feuerstelle gemacht und dazu ein Bier getrunken. Es war kühl, aber gemütlich. Um 7 Uhr, hier also schon spät am Abend, klopfte es plötzlich an der Tür. (weiterlesen …)

Frisör

Donnerstag, 03. September 2009 von rapha

Tag 50

Dienstag, 21. Juli 2009 von rapha

img_0574Mittlerweile bin ich seit 50 Tagen aus Deutschland weg und arbeite hier in Ruanda. Ich bin in mein Haus eingezogen, habe die ersten paar Wochen unterrichtet, habe viele Leute kennen gelernt, bin viel Bus gefahren, habe meine erste Leerlaufphase hinter mir, habe Routine im Kochen und Wäsche waschen. Außerdem habe ich durch das erste Paket und die ersten Postkarten schriftlichen Kontakt zur Heimat. Das ist mal wieder ein guter Punkt zu schauen wie es mir so geht und wie sich die Dinge so entwickeln.

Seit 2 Wochen hab ich nun frei. Ende letzter Woche war noch die Zeugnisübergabe, zumindest geplant. Das Problem war, dass die Schüler nicht wollten, dass vor der ganzen Schule verkündet wird wer wie gut abgeschnitten hat in diesem Trimester. Ich habe mit den anderen Lehrern gewartet, aber die Schüler kamen nicht. Normalerweise finden die Zeugnisübergaben in den Klassen statt, die Priester haben das aber am Tag zuvor geändert. Also 2 Stunden warten, die Priester wollten nicht nachgeben, die Schüler nicht zur Zeremonie kommen. Mich hat das überrascht, da die Ruander normalerweise sehr genau auf die Autoritäten hören. Ich hab ihre Position jedoch auch verstanden. img_0553Das Ende vom Lied war, dass die Schüler keine Zeugnisse bekommen haben und diese erst überreicht werden, wenn die Eltern der Schüler (!) erklären, warum die Schüler nicht an dieser Zeremonie teilnehmen wollten. Die Priester haben mir auch gesagt, dass diese Verweigerung der Schüler dafür sorgen wird, dass manche der Schüler, wie sie meinten die Aufrührer, die Schule verlassen müssen. „Wir sind doch keine öffentliche Schule sondern eine Privatschule. Hier haben die Kinder zu gehorchen“, war die Aussage dazu. Ich bin gespannt wie das weiter geht. Ich nehme aber an, dass sich die Priester sich durchsetzen werden, ein paar Schüler von der Schule geworfen werden und sich die Anderen ganz unterwürfig entschuldigen werden. (weiterlesen …)

Kurz gemeldet (1)

Montag, 06. Juli 2009 von rapha

img_0471Klausuren fertig

Nach einer Woche sind nun auch die Abschlussklausuren für dieses Trimester rum. Ich hatte es ein bisschen einfacher, da ich mit den Senior 6 nur eine mündliche Prüfung gemacht habe. Schwieriger wird es bei den Senior 5. Die haben eine schriftliche Klausur geschrieben die ich gerade noch am korrigieren bin. Dazu hatte ich noch zwei Mal Prüfungsaufsicht. Also 3 Stunden lang blöde schauend durch die Reihen laufen. Aber auch das ging einigermaßen gut. Nachdem die alle Priester werden wollen haben die natürlich nicht voneinander abgeschrieben.

img_0475Elster verschönert Innenhof
Als ich am Donnerstag nach Haus kam war mein kompletter Müll in meinem Innenhof verteilt. Nach den Bißspuren und den Kotklecksen überall gehe ich davon aus, dass den Elstern die hier überall rumfliegen irgendwas aus meiner Mülltüte geschmeckt hat. Nachdem ich den Innenhof vom Müll befreit habe, habe ich ihn mal mit Wasser geflutet und, wie man es hier macht, mit ein bisschen Waschpulver und einem Straßenbesen mal ordentlich gereinigt. Jetzt sieht es echt mal gut aus. Das Problem ist nämlich, dass sich der Staub hier in der Trockenzeit überall absetzt. Das Müllproblem habe ich so gelößt, dass ich jetzt ein zwei Quadratmeter Müllzimmer habe. Ich hoffe da gehen die nicht rein.

img_0481Bananen stehen im Innenhof
Auch mein erstes Langzeitprojekt ist vorerst abgeschlossen. Nach 2 Wochen harter körperlicher Arbeit, bei der ich immer von ein paar Schaulustigen belächelt wurde stehen nun drei schöne Bananenbäume in meinem Innenhof. Dazu habe ich etwa 500kg Boden mit einem Eimer durch mein Haus geschleppt. Man hat mir gesagt, die müssen so beschnitten werden, damit sie wieder treiben und gut anwachsen. Geerntet werden kann an dem großen Baum allerdings erst in zwei Jahren. Mein Nach-Nachfolger wird dann diese hoffentlich gut schmeckenden Inyamunyu genießen können und hoffentlich dabei an mich denken. Das größte Problem war eine Kiste zu bekommen in welcher die Bananen Platz haben um zu wachsen. Jetzt steht da eine 1mx1mx0,7m Holzbox die ich mir für knapp 10 Euro habe zimmern lassen. Schön war auch das Ding mit vier Leuten die zwei Kilometer hier her zu tragen. Ich kam mir ein bisschen vor wie im Alten Testament mit der Bundeslade.

img_0504Paulustag gut überstanden
Wie ihr vielleicht auf Twitter gesehen habt, war gestern Paulustag. Diözesaner Weltjugendtag würde man das in Deutschland nennen. Etwa 4000 Schüler aus der ganzen Diözese haben erst einen drei Stunden Open Air Gottesdienst gefeiert um dann nochmal zwei Stunden mit einem Kulturprogramm beglückt zu werden. Bilder gibt es in der Galerie. Da gibts auch ein Video vom Gottesdienst und von einer Tanzeinlage. Für die Prieser, die anderen Lehrer und mich gab es dann viel zu trinken und auch was zu essen. Nachher habe ich mich mit meinem Mentor nochmal auf ein Bier getroffen. Er hat mich dann zum Glück auch nach Hause gefahren. Dabei haben wir das tolle Lied Ui Umugati gehört. Als ich ihm sagte, dass ich es in Deutschland schon gesungen habe, (die DL wird sich vielleicht daran erinnern) meinte er nur trocken: Ich hab es geschrieben. Abends hab ich dann mal wieder bei den Priestern gegessen. Hase. Sehr lecker.

Heute werden jetzt zuerst Klausuren korrigiert und dann schau ich mal was ich die nächsten zwei Wochen Urlaub mache. Ich hab mich inzwischen auch zu einem Seminar des DED für Freiwillige hier Ende Juli angemeldet.

Sind Bananen die besseren Kartoffeln (1)

Samstag, 27. Juni 2009 von rapha

img_0394Nachdem diese Kategorie lang erwartet worden ist du auch schon des öfteren gewünscht wurde gibt es nun die erste Folge. Aber zuerst einmal etwas zu den Bananen allgemein. Richtiger wäre hier sie Inyamunyu zu nennen, denn Bananen (Ununeke) gibt es viele verschiedene. Nur die grünen sind die Kochbananen und heißen dann Igitoki, davon gibt es zwei Sorten: Inkashi (eher seltener) und eben die Inyamunyu um die es hier gehen soll. Von der Konsistens her sind sie sehr hart und wie ich schnell feststellen musste auch nicht so einfach zu schälen. Man braucht schon ein Messer dafür. Die Schale lässt sich auch dann nicht so einfach entfernen. Außerdem fühlen sie sich ein bisschen harzig an wenn sie einmal angeschnitten sind und verfärben sich an der Luft in wenigen Sekunden ein bisschen lila. (weiterlesen …)

Bilder

Dienstag, 23. Juni 2009 von rapha

img_0338Wenn ich hier spazieren gehe, treffe ich oft Menschen die gerade auf dem Weg zum Feld sind oder von dort zurückkommen. Oft haben sie dann eine Machete in der Hand. Die Machete ist hier das Allzweckwerkzeug. Damit wird Holz gehackt, Bananenbäume gestutzt oder auch Gras geschnitten. Jedes Mal wenn ich einen Mann mit einer Machete sehe kommen bei mir aber auch andere Bilder hoch. Hauptsächlich mit diesem Werkzeug sind die Menschen 1994 regelrecht geschlachtet worden. Bei mir im Kopf ist das immer noch so, dass ich es nicht fassen kann. Jemanden mit einer Machete zu töten heißt, zu sehen wie er verblutet. Verglichen mit einer Pistole, bei welcher man ein ganzes Stück weg sein kann, oder etwa mit Gas, welches man nicht sieht und welches keine offenen Wunden hinterlässt. Was muss ein Mensch fühlen, damit er so etwas tun kann? Und was fühlt er wenn er es tut? Wie kann man nur jedes Menschlichkeitsgefühl verlieren? Wie kann man sein Opfer dann noch vergewaltigen? Das sind Fragen die glaube ich niemand beantworten kann. (weiterlesen …)

Die erste Woche rum – Was machen meine Gedanken so?

Freitag, 12. Juni 2009 von rapha

img_0216Die erste recht turbulente Woche hab ich hinter mich gebracht. Es ist viel passiert und ich bin so richtig hier angekommen. Ich hab mich so ein bisschen an den ruandischen Rhythmus gewöhnt.

Aber warum bin ich eigentlich hier?

Was wirklich gut klappt ist, dass ich jeden Tag neue Sachen lerne, nicht nur auf Kinyarwanda. Ich bin noch ein bisschen gehemmt, dadurch, dass ich nach wie vor mit den Priestern in deren Haus wohne. Ich werde hier bestens versorgt, werde bekocht und auch eingebunden. Ich hab noch nicht so richtig den Plan warum sie denn so nett zu mir sind. Alles kein Problem. Ich hör da immer wieder raus was ein Grund sein kann: Versuch doch mal in Deutschland alte Computer zu besorgen, oder vielleicht kannst du was schreiben, damit wir irgendwelche Fördergelder bekommen. Solche Sachen fallen mir natürlich auf, weil ich darauf achte. Es nimmt aber kein Maß an welches ich für schwierig halte.

Ansonsten habe ich alle Freiheiten und viel Zeit. Ich habe, außer dem Essen, so 2 Stunden am Tag was zu tun. Unterricht von Dienstag bis Donnerstag jeweils zwei Mal 50 Minuten. Ich versuche grad so rauszufinden was die Schüler so können und wo ich ansetzen kann. Die sind sehr interessiert an Englisch und an mir und vor allem auch dankbar.

img_0220Was ich mir rausnehme, ist, dass ich jeden Tag mindestens ne Stunde spazieren gehe. Meist hoch zur Straße und dann auch manchmal nach Ruhengeri rein, heute war ich aber unten am See. Das ist so ein bisschen das Paradies. Der Garten Eden. Rechts und links Bananenbäume, oder andere Früchte. Einfach nur toll. Das genieße ich. Ich treffe viele Leute und mein Kinyarwanda reicht aus um ein bisschen Smalltalk zu betreiben. Die Menschen sind sehr offenherzig und freundlich, auch wenn bei manchen die zweite Frage die nach Geld ist.

Für mich wird es noch mal ein anderer Schritt sein wenn ich denn alleine wohne. Ich habe heute das Haus zum ersten Mal von innen gesehen: 3 Schlafzimmer, ein riesen Wohnzimmer, ein Büro, ein großer Innenhof mit Feuerstelle, eine Küchenraum und ein Vorratsraum. Dazu ein Klo mit Dusche. Ich frag mich noch was ich da so überall machen soll. Also echt krass.

Was ein bisschen schwieriger wird, ist das Französisch lernen. Die sprechen hier alle Kinyarwanda oder sonst halt Englisch. Ich will aber weiterhin schauen ob ich irgendwo einen Französisch Kurs bekomme. Mal schauen.

Was so berufliche Sachen angeht ist es gut sich an Abbé Fabien zu halten. Er ist ein Macher. Er meinte ich solle doch an der INES (also der privaten Uni) als Gastdozent arbeiten. Da muss ich mal schauen was sich so ergibt. Witzig wäre es in jedem Fall. Ansonsten beobachte ich ein bisschen was die Leute hier zur Entwicklungszusammenarbeit sagen und wie diese hier so wirkt. Da hab ich aber noch nicht so den Einblick. Aber es ist ja erst eine Woche rum.

img_0226Was mir wirklich Spaß macht ist hier Sport zu machen. Ich spiele jeden Tag eine Stunde mit der Fußballmannschaft. Auch das durch die Gegend wandern nimmt hier sportliche Züge an. Und der riesen Vulkan ist auch vor der Haustür. Da will ich hoch. Oben war von den Leuten mit denen ich gesprochen hab noch niemand, aber sie sagen, man kann es an einem Tag schaffen.

Alles in allem geht’s mir also sehr gut. Ich muss schauen, dass ich meine Freiheiten behalten kann und ein bisschen in einen Alltag komme. Die außergewöhnlichen Sachen hol ich mir dann schon oder sie kommen eben zu mir.

 

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