Der Plan

Samstag, 06. Juli 2013 von rapha

IMG_1792Ein Urlaub im engeren Sinne wird es wohl nicht werden. Das ist aber auch nicht die Idee hinter einer Delegationsreise. Aber von Anfang an:

In zwei Wochen werden wir nach Ruanda aufbrechen. Wir sind in diesem Fall vier Pfadfinder der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG), zwei Vertreter der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) und zwei Vertreter von Missio Aachen. Natürlich ist die maskuline Form hier falsch: Fünf der acht Teilnehmenden sind Frauen. Wir haben alle zusammen einen Reiseplan gemacht der viele verschiedene Punkte abdeckt und so für unsere Organisationen und auch uns persönlich bereichernd sein soll.

Im Grunde genommen sind vier inhaltliche Punkte wichtig: Partnerschaftspflege, Projektevaluation, Information und zukünftige Projekte.

Partnerschaftspflege
Sowohl die PSG, als auch die DPSG haben seit vielen Jahren einen Partnerverband in Ruanda. Wie es in vielen Partnerschaften passiert gibt es auch hier immer wieder Höhen und Tiefen. Wichtig ist jedoch in jedem Fall der Austausch und der funktioniert am besten immer wieder durch persönlichen Kontakt.

Projektevaluation
Seit einigen Jahren unterstützt die DPSG inhaltlich und finanziell das Projekt Amahoro Amani der Pfadfinderinnen aus den Provinzen Nordkivu und Südkivu in der Demokratischen Republik Kongo, den Pfadfindern in Ruanda und den Pfadfindern in Burundi. Die erst Projektphase ist nun abgeschlossen und muss ausgewertet werden. Natürlich wollen wir auch schauen wie eine zukünftige Zusammenarbeit aussehen kann. Dazu besuchen wir das Projektbüro in Bujumbura und Projekte in Burundi.

Informationen
Viel Zeit werden wir auch darauf verwenden uns Informationen zu verschiedenen Themen direkt vor Ort zu holen. In Ruanda werden wir dazu eine Kooperative besuchen die Fairtrade Kaffee anbaut und schauen, was dort mit den Fairtrade Prämien passiert und was sie bewirken.

Zukünftige Projekte
Es ist natürlich auch kein Zufall, dass wir diese Reise zusammen mit Mission durchführen. Seit vielen Jahren bringt Missio mit der Aktion Schutzengel  Themen in den Fokus der Öffentlichkeit. Mit dem missio-Truck „Menschen auf der Flucht“ wir das Thema Flucht und Vertreibung ins Bewusstsein der Besucher gerufen. Da eine Zusammenarbeit zu diesem Thema zwischen Missio und der DPSG in den nächsten Jahren geplant ist, wollen wir schauen, wie eine Partnerschaft dazu aussehen kann und was mögliche gemeinsame Projekte vor Ort sein können.

Für zwei Wochen ist das ein straffes Programm. Wir werden es aber sicher schaffen zwischendurch auch mal abzuschalten um Ruanda und Burundi zu genießen.

Der Weg zurück

Mittwoch, 29. Mai 2013 von rapha

801smSeit letztem Wochenende ist es klar: Ich werde im Juli nach Ruanda und Burundi gehen. Nur für zwei Wochen, aber es ist das erste Mal seit über zwei Jahren. Trotz der knappen Zeit freue ich mich riesig. Ich freue mich zu sehen, wie sich Kigali entwickelt hat, welche Leute ich noch kenne, wie es an meiner alten Schule aussieht. Ich freue mich den Menschen mit denen ich nach Ostafrika gehe, ein Stück von dem Ruanda zu zeigen das ich kennenlernen durfte.

Ich habe aber auch großen Respekt, in emotionalen Momenten sage ich auch Angst dazu, dass ich vieles nicht wieder erkenne. Nach zwei Jahren in Ruanda in verschiedenen Bereichen mit verschiedenen Eindrücken habe ich ein Ruandabild, das für mich gut funktioniert. Es gibt Dinge, die ich positiv sehe, andere sind problematisch, aber im Gesamtbild ist es schlüssig. Es wird Situationen geben, in denen ich erkennen muss, dass sich Dinge verändert haben.

Dies war bis Anfang der Woche eine eher theoretische Überlegung und dann war einfach Eric tot.

Eric war der erste der uns in unserer Unterkunft in Kigali 2004 begrüßte. Er war irgendwas zwischen Manager und Hotelboy. Er sprach französisch, was ihn von den anderen dort unterschied und er war neugierig. Wir spielten zusammen Karten, Uno. Das erste deutsche Wort was er sprach war „Strafkarte“, der Malus für unaufmerksames Spielen. Eric organisierte unsere Zimmer, bewachte unser Gepäck und schlief nachts hinter dem Tresen als Nachtwache.

Bei meiner Rückkehr nach Ruanda 2009 ging ich zuerst in die Unterkunft um mich dort einzubuchen. Ich fand Eric mit amerikanischen Touristinnen plaudernd an der Bar. Er erkannte mich schnell wieder. Inzwischen konnten wir uns gut verständigen, sein Englisch war sehr gut, mein Französisch wartet ja immer noch auf Verbesserung. Jedes Mal wenn ich in den folgenden zwei Jahren während meiner Zeit in Ruanda Besuch hatte, sind wir zu Eric gegangen und haben dort übernachtet. Während der WM 2010 ging ich zum Fußball fachsimpeln dort hin und habe Eric auch sonst zufällig in der Stadt getroffen.

Nun gehe ich wieder nach Ruanda. Mein erster Gedanke war, dass ich mich mit Eric in Verbindung setzen muss um zu schauen wo wir die ersten Tage in Kigali unterkommen. Ich habe versucht ihn anzurufen, aber seine Telefonnummer war nicht mehr vergeben. Ich bat einen Freund nach seiner neuen Nummer zu suchen. Der Freund meldete mir zurück Eric sei Anfang 2012 gestorben. Genaueres wüsste er dazu nicht.

Eric war kein guter Freund von mir, bei Lichte betrachtet wusste ich nicht sehr viel über ihn. Aber die Tatsache seines Todes geht mir nahe.
Mach´s gut Eric, wo immer du jetzt bist.

Situationen dieser Art wird es im Juli immer wieder geben. Ich hoffe nicht mit dieser Absolutheit.  Aber Menschen werden nicht mehr da sein, Orte anders aussehen, und Situationen werden sich anders anfühlen.

Ich will versuchen euch daran teilhaben zu lassen. Immer wieder hier im Blog und auf meinem lange vernachlässigten Twitteraccount @raphainruanda.

Ach Herr Brück…

Donnerstag, 03. November 2011 von rapha

In der Rhein-Zeitung hat Dietmar Brück einen Artikel über seine Ruanda-Reise veröffentlicht. Dies ist eine Antwort.

Ruanda zu verstehen ist nicht einfach, über Ruanda zu schreiben schon gar nicht. Das einzusehen und deshalb in seinen Behauptungen wage zu bleiben, ist das Eine, Klischees zu bedienen und vermeintlich klare Fakten ungeprüft zu verbreiten, das Andere.

Ein Artikel wie Ihrer über einen Besuch im Gefängnis in Gitarama liest sich gut. Ein wenig wird angeprangert wie schlecht es den Gefangenen geht, ein bisschen beschreiben sie, sogar in der Überschrift, wie die Gefangenen trotzdem guten Mutes zu sein scheinen. Dazu eine Brise Völkermord und HIV und fertig ist das nichts sagende Bild, von dem jeder das behalten kann, was er oder sie sich schon vorher so gedacht hat. „Bilder bedienen“ kann man es auch nennen.

Sehr geehrter Herr Brück, das bringt niemandem etwas.

Natürlich schreiben sie mit der Rhein-Zeitung für eine Tageszeitung und nicht für ein politisches Enthüllungsmagazin, aber ein bisschen mehr Differenziertheit und vor allem Faktenrecherche würde auch ihren Lesern sicher gefallen und vor allem ein Verständnis für das Rheinland-Pfälzische Partnerland erzeugen das über Klischees und Regierungswahrheiten hinaus geht.

Das ist gar nicht so schwer, man muss nur ein wenig Kenntnis darüber haben, wie Dinge in Ruanda funktionieren und diese mit unterschiedlichen Quellen und ein bisschen journalistischer Vorsicht kombinieren. (more…)

DRadio Wissen: Das Wirtschaftwunder von Ruanda

Mittwoch, 24. August 2011 von rapha

Interessanter Radiobeitrag vom DRadio Wissen.

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Manager Magazin: Ruandas neuer Optimismus

Sonntag, 14. August 2011 von rapha

Interessanter Abenteurerartikel von Andrea Jeska über Roland Dieterle, der das Kigali Convention Center baut. Leider völlig ohne irgendwelche Kritik und den Versuch das Ganze in einen Kontext zu setzen, aber trotzdem lesenswert:

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Handelsblatt: Machtvolle Modernisierung

Samstag, 13. August 2011 von rapha

Ein Blick des Handelsblattes auf die ökonomischen Entwicklungen in Ruanda.

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Der Kulturschock, der nicht kommen mag

Dienstag, 15. Februar 2011 von rapha

Mittlerweile bin ich schon zwei Monate wieder in Deutschland. Kurz vor Weihnachten habe ich meine Zelte in Ruanda abgebrochen. Dann kam zuerst mal dieses Weihnachten und dann auch gleich der Jahreswechsel. Was aber nicht kam war der Kulturschock, genauer der Reverse-Kulturschock, bei der Rückkehr aus einer anderen Kultur in die gewohnte Eigene.

Ich hatte nie ein komisches Gefühl, von wegen „wo bin ich denn hier gelandet“. Ich hatte bis auf wenige Ausnahmen auch nie das Gefühl, sofort wieder nach Ruanda zu müssen, damit es mir gut geht. Natürlich hatte ich den einen oder anderen Hänger, natürlich ging es mir nicht immer gut, aber an der unterschiedlichen Kultur lag es nicht. Ich habe mich über die Verpackung von Gemüse im Supermarkt gewundert und fand es komisch, dass Tomaten hier nach nichts, aber auch gar nichts, schmecken. Ich muss mich immer mal wieder beherrschen hier nicht auf den Boden zu spucken und wundere über welche Lappalien und Unwichtigkeiten die Menschen hier teilweise sprechen. Aber das sind keine Dinge, die mir vorher nicht auch schon aufgefallen wären, nichts Neues, nur etwas was mir in den letzten beiden Jahren eben nicht auffallen konnte, da ich ja nicht hier war.

Ich habe dieses Nicht-Kulturschock-Gefühl in den letzten Wochen mit mehreren Menschen besprochen. Ich glaube nun zu wissen wo der Reverse-Kulturschock abgeblieben ist. (more…)

Ruandas unkritischer Pressereferent

Mittwoch, 02. Februar 2011 von rapha

Den Unrechtsregimen der 1980er auf dem afrikanischen Kontinent war es egal was die Welt von ihnen hielt. Niemand von außen konnte sie stoppen. Sie benötigten keine positive westliche öffentliche Meinung, sie hatten ja Bodenschätze und die Freiheit ihr ideologisches Weltklima auszusuchen, welches sie fortan unterstützte um einen vermeintlichen Vorteil im Kalten Krieg zu haben. Am besten war, man gab sich immer instabil und veranlasste die Supermächte so dazu immer genügend Zuwendung zu schenken.

Heute ist das anders. Fördermittel von westlichen Staaten und Zuwendungen durch andere Organisationen, wie etwa denen der UN-Familie oder international agierende NGOs sind zurzeit von zwei Punkten abhängig: Wie viel wird über das Leid der Bevölkerung in westlichen Medien berichtet und wie ist das Image der Regierung.

Damit fuhr Ruanda in den letzten Jahren sehr gut. In der westlichen Öffentlichkeit weiß man vom Völkermord und davon, dass Kagame progressiv das Schicksal des Landes annimmt und das Land nach vorne bewegen will. Beide Kriterien erfüllt. Das Geld und die Zuwendungen können fließen.

In den letzten Jahren wurden dieser Rechnung jedoch mehrere Unbekannte hinzugefügt: Welche Rolle spielte die Regierungspartei beim Abschuss der Präsidentenmaschine 1994?  Warum darf es keine politische Opposition geben? Wie ist das mit der Presse und Meinungsfreiheit? Was kommt wirklich bei der armen Landbevölkerung an? Wie ist das mit der verdeckten Diskriminierung der vormaligen Konfliktgruppen? Welche Rolle spielt das Militär? Ging es bei der Wiederwahl von Kagame 2010 mit rechten Dingen zu? Und zu guter Letzt: Wie halten Sie es mit den Menschenrechten, Herr Kagame? (more…)

IZ3W: Massaker, aber kein Genozid

Dienstag, 04. Januar 2011 von rapha

Eine ganz gute Einordnung der Veröffentlichung des UN mapping reports in die politische Gemengelage. Wichtig vor allem die Rolle der Franzosen und den Wechsel der Strategie. Auch interessant: Warum es politisch schwierig ist von einem Völkermord im Osten Kongos zu sprechen. Lesenswert.

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GlobalPost: Rwanda moves to English, drops French

Dienstag, 04. Januar 2011 von rapha

Jon Rosen bringt es auf den Punkt. Etwas überhastet, aber entschlossen ändert Ruanda die Landessprache.

Eine schöne Übersichtsbeschreibung. Korrekte Fakten, gute Analyse. Das einzige was mir ein wenig fehlt ist die politische Dimension der Sprachumstellung.

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Mehr dazu auch hier: Bildung in Ruanda auf www.rapha-in-ruanda.de

 

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