Gefühl

Donnerstag, 25. Juli 2013 von rapha

Die komische Situation war schon am Morgen des zweiten Tages, als ich unter der Dusche in der Auberge La Caverne stand. Ich fühlte mich heimisch, alles war gewohnt. Ich hatte viele Nächte in diesem Hotel verbracht. Etwa drei Wochen 2004 und bei meiner langen Zeit hier auch fast immer, wenn ich in Kigali war oder Besuch empfang. Wenn ich es zusammenrechne komme ich sicher auf 50 Nächte.

Im nächsten Moment dachte ich mir: Wow, krass, du bist jetzt ja hier. Seit 30 Monaten hatte ich dort nicht mehr geduscht. Eine lange Zeit. Ich sollte mich eigentlich ganz speziell fühlen. Das tat ich aber nicht.

Diese Situation steht ein bisschen dafür, was ich hier gerade immer wieder erlebe. Ich kenne dieses Land sehr gut. Ich kenne viele Menschen und ich habe hier vieles erlebt. Viel positives, viel negatives, aber ganz sicher eindrückliches. Eigentlich glaube ich, dass ich mehr spüren müsste.

Wir haben seit der Ankunft hier wenig Zeit. Termine, Fahrten, Treffen. Zack, zack, zack. Zum ersten Mal hatten wir Zeit durchzuatmen als wir am Dienstagabend in Gisenyi am Strand saßen. Aber auch da hatte ich wenig Zeit zu realisieren, wo ich gerade bin, physisch wie mit dem Kopf. Erst heute habe ich mich ein bisschen abgesetzt, um die Zeit zu haben eben genau da zu mir zu kommen. Ich habe Plätze besucht, mit denen ich viel verbinde: Ich bin mit dem Moto nach Kaciyru gefahren, um in mein altes Haus hier zu schauen. Das hatte ich gemietet als ich nach Kigali zog.

Schon beim Weg über die Straße Richtung King Faysal sah ich, dass sich viel verändert hat. Früher war dort eine lebendige Straße mit kleinen Geschäften. Heute ist dort alles aufgeräumt und sauber. Auf der Staubstraße, auf welche ich abbiegen musste, hatte ich dann schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl. Ich hatte ja schon im Vorfeld der Reise darüber nachgedacht, wie es wohl ist hier zu sein, wenn sich Dinge verändern.

Ich klopfte am Tor. Niemand öffnete. Ich klopfte noch mal. Ich hörte Pierre mit seinen Latschen zum Tor laufen.

IMG_3977Es hat sich natürlich auch in „meinem“ Haus viel verändert. Das wichtigste aber war, dass Pierre noch da war. Er hat als Guard dort schon gewohnt, als ich eingezogen bin und tut es noch heute. Leider ist unser Hund Polly gestorben, mit dem wir immer Schabernack getrieben haben. Aber wie das so ist in Ruanda: Life must go on. Es gibt einen neuen Hund. Joy.

Ansonsten ist es sehr leer in dem Haus. Seit meine ehemaligen Mitbewohner vor vielleicht einem Jahr ausgezogen sind, wohnt niemand mehr dort. Die rustikalen Holzmöbel stehen wieder ordentlich aufgeräumt herum, niemand der ein kreatives Chaos hinterlässt. Der Garten ist akkurat geschnitten. Leben sieht anders aus. Vor allem jenes, das wir dort für fast ein Jahr hatten.

Ich konnte mit Pierre nie viel sprechen, wir haben keine gemeinsame Sprache, aber wir verstehen uns. Er hat nach meiner Familie gefragt und das Bild von mir und meinen Eltern gezeigt, welches ich ihm da gelassen hatte. Ich habe ihn nach seinen Kindern gefragt. Er hat eine Tochter, die jetzt 3 Jahre alt ist und einen Sohn der noch ganz klein ist. Ich habe ihm versucht zu erzählen, warum ich hier bin und dass ich bald wieder weg gehe. Er sagt, es gehe ihm gut. Ich sage, dass ich viel Arbeit habe in Deutschland. Er freut sich, wenn ich mal wieder vorbei komme. Ich gebe ihm ein wenig Geld für ein Bier. Wir verabschieden uns herzlich.

Diese Unterhaltung fand auf Kinyarwanda statt, war also eher ein zuwerfen von Vokabeln. Wo ich sie aber hier gerade aufschreibe, laufen mir die Tränen die Wangen herunter. Ich bin nicht traurig, ich bin aber irgendwie bewegt.

Ich kenne dieses Land sehr gut. Ich kenne viele Menschen und ich habe hier vieles erlebt. Viel positives, viel negatives, aber ganz sicher eindrückliches.

Vielleicht spüre ich das gerade.

Zu Hause in Nkumba

Dienstag, 23. Juli 2013 von rapha

img_1419kleinDies ist ein repost meines Artikels im Missio-Reiseblog.

Für mich war der heutige Tag speziell: Gleich am Morgen fuhren wir zu der Schule an der ich vor vier Jahren für ein Jahr meinen Freiwilligendienst geleistet habe. Ich hatte seit dem wenig Kontakt zur Schule, nur mit meinem ehemaligen Mentor hatte ich sporadischen Mailkontakt. Mit Father Fabian fuhren wir also morgens um halb 7 zur Schule die etwa 15 km außerhalb von Ruhengeri liegt. Wir besuchten den Morgengottesdienst den ich den anderen der Reisegruppe als schönes Erlebnis empfohlen hatte. 300 junge Männer, vierstimmiger Gesang, eine Messe auf Kinyarwanda. Auch für mich war es wieder beeindruckend das zu sehen.

Die Priester, die an der katholischen Sekundarschule unterrichten und leben, luden uns zum Frühstück ein. Vieles hatte sich nicht verändert und es fühlte sich an, als sei ich gar nicht weg gewesen. Herzlich wurden den anderen Geschichten von früher erzählt.

Father Fabian bestand darauf uns in Ruhengeri auch nich INES, die katholische technische Hochschule zu zeigen. Er ist dort Vice Rektor Academics und sehr stolz darauf. Eine Stunde lang begleitete er uns durch die wirklich modern aussehenden Labore und Lager für Messinstrumente. Er sprach immer wieder an, was ich nur verstohlen dachte: Ihr hättet nicht gedacht, dass es hier eine so moderne Universität gibt, oder?

img_1536kleinDer Nachmittag sollte uns nach dem Schweinsgalopp der letzten Tage die Möglichkeit geben durchzuatmen. Ich hatte empfohlen dies im Hotel Paradies am Kivu-See zu tun. Gestern hatten wir uns nochmals über die Sicherheitslage informiert und gemeinsam Beschlossen trotz der Nähe zur Demonkratischen Republik Kongo und vor allem Goma dort hin zu fahren.

Die Abgeschlossenheit eines Hotelstrandes bietet in Ruanda ganz neue Möglichkeiten: Ein Picknick mit Früchten vom Markt und kurze Hosen für Männer. Dies ist kulturell sonst nicht möglich, weil wir ja schon reich genug sein müssten um uns lange Hosen zu kaufen.

Das Paradies verdient seinen Namen. Im touristischen aber nicht kitschigen Ambiente zu schwimmen und sich zu sonnen tat uns sehr gut. Der Hase zum Abendessen auf der Terrasse mit Lagerfeuer brachte mir die nötige Kraft um morgen wieder erholt und neugierig in die nächsten Tage zu gehen.

Gepacke

Freitag, 19. Juli 2013 von rapha
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Archivbild

Interessant, dass ich meine Pack-Blogpost etwa zwei Stunden vor der Abfahrt schreibe. Als ich 2004 zum ersten Mal in Ruanda war, bin ich wochenlang durch die Gegend gefahren um noch irgendwelche Tropenhemden zu kaufen. Wenn ich da heut drüber nachdenke, dann muss ich doch recht schmunzeln. Aber so war das eben. Zum einen liegt meine Gelassenheit sicherlich daran, dass ich 9 Jahre älter geworden bin, zum anderen kenne ich auch Ruanda um einiges besser.

Auch vor vier Jahren war ich was das packen angeht doch recht entspannt. Aber ich habe immerhin früh angefangen zu planen. Immerhin ging es ja darum was ich ein Jahr lang so brauche. Daniel, der übrigens gerade selbst auf Reisen ist und darüber schreibt, hatte mir ein feature programmiert, in welchem die Blogbesucher abstimmen konnten was ich mitnehmen soll. Das habe ich natürlich auch gemacht und in der Galerie dokumentiert.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass diese Sachen ausgereicht haben und ich eigentlich nichts vermisst habe. Meine Top Gegenstände waren das Opinel Messer und meinen Sparschäler. Alte ruandische Frauen hätten mich beinahe geheiratet, weil ich so toll schnell Kartoffeln schälen konnte. ;-)

Dieses Mal war das packen wirklich unspektakulär. Alle Klamotten gewaschen und bei dem tollen Wetter getrocknet und dann passende herausgesucht. Passend heißt in diesem Fall: Lange Hosen, Shirts und Hemden. Chic muss schon sein und vor allem mit ordentlichen Hosen und Schuhen.

Ansonsten habe ich ein bisschen technisches Gerät dabei: Meine Spiegelreflex und ein digitales Stereo-Aufnahmegerät. Was es damit auf sich hat werde ich euch hoffentlich noch zeigen können.
Zum anderen meinen Laptop für Blogartikel und Bildbearbeitung und mein IPhone zum Twittern. Ich werde nämlich nicht nur über @raphainruanda und manchmal @raphabreyer twittern, sondern auch für die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg unter @dpsg. Mal schauen ob das funktioniert.

Strom ist also ein großes Thema und deshalb habe ich mir auch eine Sache gekauft: Ein Solarmodul von changers.com mit welchem ich durch Sonnenlicht einen externen Akku aufladen kann um damit mein Telefon zu laden. Ich bin wirklich gespannt wie das funktioniert. Ich werde berichten.

Zusätzlich habe ich nun alle Gestgeschenke der Gruppe dabei, da ich viel Platz in meinem Koffer habe. Den brauche ich erst beim Rückflug: Pilli Pilli, Bananen und Kaffee braucht schließlich Platz.
Nun ist aber gut. Gleich geht’s los. Bis demnächst.

Der Plan

Samstag, 06. Juli 2013 von rapha

IMG_1792Ein Urlaub im engeren Sinne wird es wohl nicht werden. Das ist aber auch nicht die Idee hinter einer Delegationsreise. Aber von Anfang an:

In zwei Wochen werden wir nach Ruanda aufbrechen. Wir sind in diesem Fall vier Pfadfinder der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG), zwei Vertreter der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) und zwei Vertreter von Missio Aachen. Natürlich ist die maskuline Form hier falsch: Fünf der acht Teilnehmenden sind Frauen. Wir haben alle zusammen einen Reiseplan gemacht der viele verschiedene Punkte abdeckt und so für unsere Organisationen und auch uns persönlich bereichernd sein soll.

Im Grunde genommen sind vier inhaltliche Punkte wichtig: Partnerschaftspflege, Projektevaluation, Information und zukünftige Projekte.

Partnerschaftspflege
Sowohl die PSG, als auch die DPSG haben seit vielen Jahren einen Partnerverband in Ruanda. Wie es in vielen Partnerschaften passiert gibt es auch hier immer wieder Höhen und Tiefen. Wichtig ist jedoch in jedem Fall der Austausch und der funktioniert am besten immer wieder durch persönlichen Kontakt.

Projektevaluation
Seit einigen Jahren unterstützt die DPSG inhaltlich und finanziell das Projekt Amahoro Amani der Pfadfinderinnen aus den Provinzen Nordkivu und Südkivu in der Demokratischen Republik Kongo, den Pfadfindern in Ruanda und den Pfadfindern in Burundi. Die erst Projektphase ist nun abgeschlossen und muss ausgewertet werden. Natürlich wollen wir auch schauen wie eine zukünftige Zusammenarbeit aussehen kann. Dazu besuchen wir das Projektbüro in Bujumbura und Projekte in Burundi.

Informationen
Viel Zeit werden wir auch darauf verwenden uns Informationen zu verschiedenen Themen direkt vor Ort zu holen. In Ruanda werden wir dazu eine Kooperative besuchen die Fairtrade Kaffee anbaut und schauen, was dort mit den Fairtrade Prämien passiert und was sie bewirken.

Zukünftige Projekte
Es ist natürlich auch kein Zufall, dass wir diese Reise zusammen mit Mission durchführen. Seit vielen Jahren bringt Missio mit der Aktion Schutzengel  Themen in den Fokus der Öffentlichkeit. Mit dem missio-Truck „Menschen auf der Flucht“ wir das Thema Flucht und Vertreibung ins Bewusstsein der Besucher gerufen. Da eine Zusammenarbeit zu diesem Thema zwischen Missio und der DPSG in den nächsten Jahren geplant ist, wollen wir schauen, wie eine Partnerschaft dazu aussehen kann und was mögliche gemeinsame Projekte vor Ort sein können.

Für zwei Wochen ist das ein straffes Programm. Wir werden es aber sicher schaffen zwischendurch auch mal abzuschalten um Ruanda und Burundi zu genießen.

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