Wie die Jungfrau zum Kinde

Ich hatte ja beschlossen, dass ich kein Auto brauche und eigentlich auch keins haben will. Daran hat sich im Prinzip auch nichts geändert. Brauchen tu ich immer noch keins, aber ich hab jetzt eins. Es wurde mir quasi aufgedrängt. Ok, ich hab mich nur ganz kurz dagegen gewehrt.

Letzte Woche kam ich nach Hause, als mich am Tor eine ruandische Dame abfing. Sie erzählte mir, sie habe ein Auto, benutz es aber zurzeit nicht. Ob ich nicht Interesse habe ein Auto zu mieten. Ich fragte ein wenig nach, da es ja nicht ganz üblich ist, so etwas auf der Straße angeboten zu bekommen. Sie meinte es sei ein Mizubishi Samurai und sie wolle dafür 10.000 Francs am Tag. Ein MIZUBISHI SAMURAI!?! Schon immer mein Traumauto hier. 10.000 Francs, etwa 12 Euro.

Es stellte sich heraus, dass sie mich nicht zufällig gefragt hatte, sondern mich schon vorher kannte: „Ich habe dich immer auf deinem Fahrrad schwitzen gesehen und dann dachte ich mir du kannst ein Auto brauchen“, erzählte sie. Vielen Dank.

Wir verabredeten uns für den nächsten Tag bei ihr. Da stand also das Ding: klein, weiß, schmutzig. So wie ich es mag. Rost am Unterboden, Chaos innen. Der Samurai sprang auch nicht an. Die Türen konnte man nicht verschließen, die Versicherung war abgelaufen und Benzin war auch keins drin.

Die Dame erzählte mir, dass das Auto vorher von ihrem Sohn gefahren wurde, dieser aber nun in Kenia studiert und der Samurai deshalb seit fünf Monaten rumsteht. Wenn man die Batterie wechseln würde und ein bisschen Benzin tankt, dann geht das schon wieder. Achja und die Hinterreifen seien abgefahren und die Fenster gingen nicht mehr richtig hoch und runter.

Ich entschied mich dafür das Auto zu nehmen. Ich finde es eine gute Sache für beide. Ich bin ein bisschen mobiler und habe für die letzten beiden Wochen ein Auto und Mama Johanna hat danach ein funktionierendes Auto, dass sie weiter vermieten kann.

Gleich zu Beginn musste der kleine Samurai großes leisten: Mit Jakob, seinem Bruder Jonas und Henrik ging es letzten Sonntag in den Akagera Nationalpark. Doch der Samurai schaffte es. Er benötigte lediglich ein bisschen mehr Benzin als geplant.

Auch dieses Wochenende wieder eine große Herausforderung: Mit Nina und mir nach Kibuye an den Kivu-See. An den Bergen langsam, doch im freien Fall die Hügel runter zeigte er, dass er auch Power hat. (Naja, oder eben, dass die Erdanziehungskraft auch für ihn zu gelten scheint)
Lediglich am Samstag hatten wir eine Panne: 15 Kilometer von Kibuye entfernt verabschiedete sich der Keilriemen. Drei Stunden später, mit neuem Keilriemen, ging es aber dann problemlos zurück. Auch am Sonntag in der Hitze des Tages kam der Samurai mit uns zurück nach Kigali durch die 332 Links- und 287 Rechtskurven.

Tolle Leistung kleiner.

Dieser Beitrag wurde am Montag, 06. Dezember 2010 um 10:46 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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5 Comments »

  1. Ohrenbetäubender Sound in deiner Kiste! 🙂
    Meld dich mal, wenn du wieder im Lande bist und eine schöne restliche Zeit noch!
    Gruß Bene

    Comment: Bene Beilharz – 06. Dezember 2010 @ 13:17

  2. Wie dekadent…
    Ich würd dich ja viel lieber schwitzen sehen.

    Comment: Dominik – 06. Dezember 2010 @ 16:11

  3. I miss Rwanda!

    Comment: Minouk – 06. Dezember 2010 @ 17:16

  4. Na, wenn das kein Besitz ist, dann weiß ich keinen besseren!

    Comment: Birgit – 06. Dezember 2010 @ 18:39

  5. Nicht die Kurven schneiden Rapha 😉

    Comment: Michi – 10. Dezember 2010 @ 17:18

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