Der Einzelne in der Gesellschaft

Freitag, 24. Dezember 2010 von rapha

Von einem Tag auf den anderen waren sie plötzlich weg. Etwa 30 Häuser an der Straße zwischen dem King Faisal Krankenhaus und dem Novotel in Kigalis Stadtteil Kacyiru. Die Straßenfront war am Tag zuvor noch von kleinen Geschäften und Boutiquen gesäumt. Schätzungsweise 200 Menschen lebten in diesem Gebiet. Nun sah man nur noch die Überreste der ungebrannten getrockneten Lehmziegel. Die Menschen waren fort, ebenso das umtriebige Leben an der Straße.

Lediglich zwei Häuser waren von den Abrisskommandos verschon geblieben. In einem davon lebt Maurice*, ein ehemaliger Schüler von mir. Als ich ihn ein paar Wochen später auf eine Fanta bei ihm zu Hause traf unterbrach ich ihn und seine 16 jährige Schwester beim Fernsehen. Sein Großvater saß draußen vor dem Haus, ganz verwundert, was nun der weiße Mann bei ihnen will. Später kam Maurice´ Mutter nach Hause.

Ihr Haus sei noch nicht abgerissen worden, weil der Platz noch nicht gebraucht werde, meinte Maurice. Die Nachbarn seinen nun über die ganze Stadt verstreut. Die Nachbarschaftsgemeinschaft die sie über die letzten 15 Jahre aufgebaut hätten sei nun eben aufgelöst. Seine Familie war die einzige, die das erste Entschädigungsangebot der Stadtverwaltung abgelehnt hatte. (weiterlesen …)

Murabeho Rwanda

Montag, 20. Dezember 2010 von rapha

Wer ein bisschen aufmerksam meine Twitternachrichten in den letzten Tagen verfolgt hat, hat gemerkt, dass ich inzwischen wieder in Deutschland bin. Oder besser gesagt in dem kalten, schneegefüllten und mit weihnachtlichen Lichtern verzierten Ding von dem alle sagen es sei Deutschland. In den ersten beiden Tagen habe ich das Wohnzimmer mit dem Kachelofen nur verlassen wenn es nötig war dies zu tun, so sehr hab ich gefroren.

Kein Vergleich zu Kigali letzte Woche: Am Samstag hatte ich noch 30 Grad und habe bei meinem Abschlussfrühstück auf unserer Terrasse geschwitzt. Es war sehr mühsam meine Sachen zu packen. Über die Monate, ich kann ja fast sagen Jahre, hat sich das ein der andere angesammelt. Ich bin absolut nicht so der Typ, der alles mitnehmen muss, aber es gab verschieden Dinge die ich mit verschiedenen Situationen und Personen verbinde und die deshalb einen Wert für mich haben. Zum Glück waren manche der Klamotten nach zwei Jahren Handwäsche so am Ende, dass ich kein schlechtes Gewissen hatte diese in Ruanda zu lassen. Aber da waren auch ein paar Dinge die ich mitnehmen wollte: Fahrrad, Gitarre, Trommel, Computer und so weiter. Allein das ist schon genug für drei Fluggäste.

Das war auch meine Idee: Ich hab alles was ich hatte schön auf Freunde von mir verteilt die über Weihnachten nach Deutschland, oder besser Europa fliegen. Susanne bekommt die Bücher, Roman meinen Rucksack mit Kleidung die ich die nächsten Wochen in Deutschland nicht brauche und Jakob wurde mit den Restklamotten bedacht, die nirgends sonst mehr reinpassen.

Ich hatte also einen Koffer, meine kleinen Rucksack und mein Fahrrad in der Radtasche dabei. Das hat irgendwie auch gereicht und war stressig genug, aber hat gut geklappt.

Der Abschied von Ruanda war nicht so spektakulär wie ich ihn vielleicht erwartet hätte. Ich hab die Dinge mit der Arbeit abgeschlossen, alles was mit dem Haus und dem Auto zu machen war, war auch kein Problem. Ich hab mich von den zugegebenermaßen nicht unglaublich vielen Menschen die für mich in Ruanda wichtig waren und vor allem noch in Ruanda waren verabschiedet und bin gegangen.

Einen richtig großen Blick zurück habe ich noch nicht gemacht. Ich war mit dem Abwickeln beschäftigt. Ich glaube auch, dass ich dafür ein bisschen Zeit und Abstand brauche um das richtig einzuordnen und zu bewerten.

Dazu werde ich in den nächsten Wochen noch den ein oder anderen Artikel im danach-Bereich des Blogs schreiben. Es loht sich also weiterhin das ein oder andere Mal hier vorbei zu schauen.

Bis dahin wünsche ich euch viel Wärme und schöne Feiertage.

Wie die Jungfrau zum Kinde

Montag, 06. Dezember 2010 von rapha

Ich hatte ja beschlossen, dass ich kein Auto brauche und eigentlich auch keins haben will. Daran hat sich im Prinzip auch nichts geändert. Brauchen tu ich immer noch keins, aber ich hab jetzt eins. Es wurde mir quasi aufgedrängt. Ok, ich hab mich nur ganz kurz dagegen gewehrt.

Letzte Woche kam ich nach Hause, als mich am Tor eine ruandische Dame abfing. Sie erzählte mir, sie habe ein Auto, benutz es aber zurzeit nicht. Ob ich nicht Interesse habe ein Auto zu mieten. Ich fragte ein wenig nach, da es ja nicht ganz üblich ist, so etwas auf der Straße angeboten zu bekommen. Sie meinte es sei ein Mizubishi Samurai und sie wolle dafür 10.000 Francs am Tag. Ein MIZUBISHI SAMURAI!?! Schon immer mein Traumauto hier. 10.000 Francs, etwa 12 Euro. (weiterlesen …)

MotoPolo

Sonntag, 05. Dezember 2010 von Roman

Es ist eine dieser Geschichten, die Freitagabend beginnen. Wir waren auf einer Party von irgend jemandem, viele Leute, darunter auch Sam, den ich schon kannte, oder besser gesagt ein paar Mal getroffen hatte. Bei einem Bier meinte er, ich solle doch morgen zum Fussballfeld hinter dem Flughafen kommen, sie spielten da MotoPolo und ich dürfe gern zuschauen.

Ein paar Bier, wenig Schlaf und eine Dusche später näherte ich mich dem Feld. Sogleich kam Sam heftig winkend auf mich zu: “Roman, we’re short on players, you have to play!” Ich hatte keine Ahnung, was folgen würde, entsprechend skeptisch war ich. Aber es folgte einer der besten Nachmittage ever. (weiterlesen …)

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