Short Guide to the Expat Life in Rwanda

Einen Gastblog auf Kanyarwandas Blog zu popeln ist ja schon etwas Spezielles. Egal wie viel man den Artikel editiert, an Formulierungen feilt und im Leser versucht Assoziationen zu wecken; an Kanyarwandas im Subtext mitschwingendes und darum liebenswertes Posertum, die prägnant formulierten „Insight Views“ und die einfach gefassten, nachvollziebaren Gedankengänge bleiben unerreicht. Darum erhebe ich diesen Anspruch hier nicht, sondern tilge mit diesem Post eine längst überfällige Schuld bei einem inshuti, der mich Ruanda intensiver erleben lies und mit dem ich hoffentlich noch den Einen oder Anderen bierseligen Abend verbringen darf. Notiz an mich: Hier Gesülze über wie geil die Zeit in Ruanda mit Rapha, wie billig die Nutten und das Bier, wie gross die Brüste von Shy.. und wie schön die Landschaft und die WM waren einfügen, eingestreute Kinyarwandaausdrücke täuschen Authentizität und Integriertheit vor….

Intro

Auf politische Korrektheit wird in diesem Post, wie der geneigte Leser hoffentlich bereits bemerkt hat, komplett verzichtet, dafür sollen umsomehr prolliger Humor und Kraftausdrücke verwendet werden. Dieses Blogpost soll natürlich nicht nur extrem viele Hits und Flattr-Punkte erzeugen, nein es soll auch dazu dienen, Personen die nicht wie Kanyarwanda und ich die Gelegenheit hatten, ein grosses Opfer auf dem „Altar der Weltverbesserung in Ruanda“ zu erbringen, einen „Short Guide to the Expat Life in Rwanda“ geben. Es soll also Neuankömmlingen in Ruanda helfen, sich in der Szene von Kigali stilsicher und effizient zu bewegen. Der hohe Informationsgehalt wird durch eine einfache Klassifikation und Deskription der wichtigsten in Ruanda vorkommenden Abazungu-Klassen erreicht. Weiter können Ruandaveteranen sich gerne selber einordnen, beziehungsweise die Position der eigenen Gattung finden. Das vorliegende Dokument ist zudem die erste Kigali Edition. Es wurde von Claude Mamauwe, einem meiner vielen Ghostwriter, aus dem Schweizerdeutsch, in einer dem Schriftdeutsch ähnlichen Sprache, übersetzt.

Endlich Inhalt

Glaubt man einschlägigen Newsgruppen, dann sind die Expats (ein Expat, ausgesprochen eexpät, kurzform für Expatriate, Küddi der als internationale Fachkraft, von einem international tätigen Unternehmen, bei dem sie beschäftigt ist, vorübergehend – meist 1 -3 Jahre, an eine ausländische Zweigstelle entsandt wird. Meist sind es Leute, die sich im Gastland nicht assimilieren und nach Erfüllen ihrer Aufgabe, wieder in ihr Heimatland zurückziehen und auch ein Leben dort anstreben) SUV kaufende, verkaufende und fahrende Menschen, die Yogakurse besuche und versuchen nach dem Verlassen des „Landes der tausend Parteifunktionären“ den lieben Wächter oder den teuren Kühlschrank an die weisse Nachfolgerschaft abzutreten. In Ruanda sind dies Personen aus Nordamerika und Europa, seltener China oder Indien.

Doch ist diese Gesellschaft denn wirklich so einfältig bzw. lässt sie sich so einfach charakterisieren? Ich denke nein und um das wirklich komplexe System der Kigali-Expat-Szene auf eine Art und Weise fassbar zu machen, habe ich versucht sie zu klassifizieren. Die Reihenfolge meiner Klassen hat nichts mit ihrer Auftretenswahrscheinlichkeit zu tun. Starten wollen wir mit der Klassifikation des schöneren Geschlechtes, den weissen Männern:

Männer:

Der klassische Adventuretyp. Er trägt ein kakifarbenes Gilet das extrem viele Taschen hat und hat ein Büchlein in dem die essbaren Pflanzen von Ostafrika zu finden sind. Einen Scan seines Passes/Visas hat er auf seinen eMail Account hochgeladen. Sein löchriger Dreitagebart versprüht Expedition Robinson Charme. Es kann sein dass er im Land arbeitet, wahrscheinlich ist er aber auf Durchreise. Falls er nicht vom Reisen erzählt ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass er ein Missionar ist (siehe weiter unten).  Exemplare die völlig in ihrer Rolle aufgehen, setzten sich einen Hut mit Krempe auf und zieren die Hüfte mit einer langen, aufgerollten Peitsche. Die gemeine Form des klassischen Adventuretyp hat allenfalls einmal den Trailer von Hotel Rwanda gesehen und macht deswegen hier „Ferien“. Das Durchschnittsalter ist zwischen 30 – 42.

Der Consultant. Oft nur < 1 Woche im Land, er bewegt sich tendenziell eher ruckartig und schmeisst beim Aufstehen schon mal seinen weissen Plastikstühle um, auf dem er gerade gesessen hat, um sich danach einfühlsam auf Englisch bei den Tischnachbaren zu entschuldigen. Er hat einen Tender eines Ministeriums gewonnen und setzt jetzt das Projekt um. Lokalen Staff hat er auch, weil ihn ein sympathischer Flughafentaxifahrer für viel zu viel Geld in Kigali City rumkutschiert. Seine Frau geht in Yogakurse, jedoch in Europa oder den USA. Manchmal lebt er den daraus resultierende Fakt des Strohwittwertums mit jeder Faser seines Körpers. Bei der Frage, wie lang man denn schon im Land sei, erntet man schiefe Blicke, wenn man eine Zahl sagt, die 30 Tage überschreitet. Tendenziell koordiniert er ein Projekt auch nur, im besten Fall „supervised“ er es.

Der weisse Grossverdiener. Schwierig zu beschreiben, oft auf erst auf den zweiten Blick sympathisch, oft zudem verdammt schlau. Er arbeitet für auswärtige Ämter oder für die Weltbank. Er ist liiert mit Frauen die definitiv Yogastunden besuchen (und wahrscheinlich auch viel Zeit haben entsprechende newsgroup Beiträge zu verfassen). Falls sie Kinder haben werden diese von der Ehefrau oder vom Fahrern in die Ecole Bélge gefahren. Darum ist es gut den Studenplan dieser Schule zu kennen. Nach dem Schlussgong sind nämlich die Strassen um die Schule mit SUVs verstopft. Ihre Nester werden von Wächter in Uniform bewacht, die exakt 375 mal weniger verdienen. Der Großverdiener führt gelernten smalltalk und verbringt verdammt viel Zeit damit auswärts zu essen. Diese Art Expat prägt Ruanda schon seit Jahrzehnten. Noch ein wenig länger im Land ist die nächste Gruppe.

Der Missionar: Frische Seelen gibt’s im dichtbevölkertsten Land Afrikas viele, somit auch viel Arbeit. Das Ziel ist klar, die Methode unterschiedlich und der Erfolg erstaunlich. Mehr gibt’s nicht zu sagen ausser, dass diese Gruppe gross und einflussreich ist und überdurchschnittlich oft sexuell aktiver ist, als es jeder von ihnen dem Chef versprochen hat (wend waisch wasi main (schweizerdeutsch für: wenn du weisst, was ich meine)).

Musenhalter sind meinst Männer mittleren Alters, die sich zwei manchmal auch drei überaus attraktive ruandische Mädels halten. Extremformen dieser Erscheinung wohnen gleich mit drei Musen in einem grosszügigen Appartement zusammen, wo die Musen in allen erdenklichen Disziplinen performen und überzeugen können. Je nach Musenrolle und Dauer der selbigen kann es sein, dass eine Muse Yogastunden nimmt oder man es ihr nahe legt, sich zu überlegen eventuell nicht doch Yogastunden zu nehmen. Ein berühmter Schweizer Autor beschreibt diese Gattung Expat Männer  in seinem must read Ruanda Buch sehr treffend (Link 100 Tage). Oft sind es diese Art Männer, die aber auch wirklich Ruanda leben, Kinyarwanda sprechen können, wissen wie man Hühner tötet und wissen wie viele Male Bohnen pro Jahr gerntet werden können. Dieses Wissen kommt aber nicht aus irgendeinem caritativen Gedanken. Nein, sie machen dass einzig und allein auf Grund ihres Interesses an den Ärschen ihrer Musen.

Kommen wir nun zur Klassierung des stärkeren Geschlechts, den Damen:

Die mysteriöse Unbekannte. Diejenigen, von denen ich noch immer nicht herausgefunden habe, warum sie in Ruanda sind. Sympatie für diese Gattung zu entwickeln ist sicher nicht verkehrt, da sie nicht die negativen Eigenschaften der unten aufgeführten Gruppen verbindt und das Unbekannte manchmal reizt. Oft bleibt aber ungeklärt, was sie in Ruanda wirklich macht und was sie hier hält. Sie haben keine ruandischen Partner, keine hochbezahlten Jobs, nehmen oft nicht einmal Yogastunden. Ihr Verhältnis zu SVUs ist ambivalent und auch die Zugehörigkeit zu einer Kirche lässt sich nicht beim dritten Satz erkennen. Wenn es einem nichts ausmacht, niemals alles über sein Gegenüber in Erfahrung zu bringen, dann ist dass definitiv die richtige Gesprächspartnerin für einen Nachmittag an einem Pool in Kigali.

How to tune your CV lady – aka technically never there aka I have to change my facebook status – now.
Diese Mädels sind was für sich. Es kann vorkommen, dass sie Virunga für eine ruandische Folkloreband halten. Man erkennt sie daran, dass sie sich an den Hüften oder am Bauch der Taxi-Moto-Fahrer halten, konstant Englisch antworten, grosse Ohrringe tragen, ein Faible für Indianerkostüme besitzen. Der Gewinn, der aus ihrer Hilfe resultiert ist verhältnismässig marginal.

„When you go black you never go back – gritta” (= gritli = schweizerdeutsch für ein ein bisschen naives Weibsbild), nachfolgend WYGBYNGB – gritten genannt. Unterteilen kann man sie in zwei nicht miteinander verwandte Stufen: Stufe unheilbar und Stufe heimlifeist (heimlifeist = Schweizerdeutsch für hinterhältig). Die Permeabilität zwischen den Gruppen ist inexistent. Die unheilbare Stufe zu erkennen fällt dem geneigten Leser relativ einfach: Sie ist in ein buntes Etwas gehüllt, daher-flippfloppend, Tendenz zu minimalem Übergewicht (ob sie Yogastunden besuchen weiss ich nicht, ich vermute es jedoch). Oft trifft man dieses Exemplar Hand in Hand mit Partner an einem Umuganda-Samstag dahinflanierend, das Flugticket nach Europa ist gebucht und die Hochzeit geplant, die Liebe ist für immer und in eine steile Lateritstrasse gemeisselt. Diesen Status erreicht, geniesst diese Gattung die nächsten zwei Wochen vor ihrem Abflug in Ruanda.

Äusserlich nichts gemeinsam (bis auf die Männerpräferenz) hat sie mit der von Fachkreisen WYGBYNGB-griten, Stufe heimlifeist genannten weissen Frau. Ein solches Exemplar zu erkennen, benötigt schon einen extremen Kennerblick, den man sich nur über Jahre aneignen kann. Es gibt auch Leute die diese Klasse beim Vorübergehen erkennen, das ist jedoch eine sehr seltene Gabe, auf die der damit Gesegnete oft nicht besonders stolz ist. Besitzt ein Mann diese Gabe erhöht sie seine relative Fitness enorm bzw. versieht sie ihn in Ruanda mit einem entscheidenden Selektionsvorteil.

Kommt es zu einer Partnerwahl trifft die Gritte dieses Typs immer die gleiche Entscheidung, ganz egal wie schleimig der Typ, wie gross dessen Pirelli und wie plump die Anmache ist. (Und wenn ich schleimig meine und Pirelli sage, dann meine ich nicht eine Aussage wie „you häf biuitiful ais“ und ein sich leise abzeichnendes Bäuchlein, neeein dann meine ich eine Hackfresse, die metrosexuell intonierte, im inneren einer Mordswampe erzeugten Grunzlaute von sich gibt, die sich nach mehrmaligen Überlegen in ein Kompliment wie „gaili titta, witsch bumsa“. Schweizerdeutsch für: „Sie sind gesegnet mit wunderschönen sekundären Geschlechtsmerkmalen, die mich die Möglichkeit in Betracht ziehen lassen, den Wunsch zu äussern, mit ihnen schlafen zu wollen“.

Für die Gritte dieses Typs ist es der Weg, sich vollständig in die afrikanische Gesellschaft zu integrieren, zu der sie oft auch schon ohne eine oder mehrere Lover einen guten Zugang hat. Integration ist ihr äusserst wichtig – definitiv. Ein verstecktes Merkmal: WYGBYNGB-griten, Stufe heimlifeist, tauscht sich nicht über gemeine expat Kanäle aus (und hat darum auch keine Ahnung von Yoga), weiss aber trotzdem was abgeht, sie kennen in den Restaurants 99,954318% aller Anwesenden. Sie wissen alles über Afrika. Und wenn ich „alles“ schreibe ist’s nicht halbwahres, triviales, unwissenschaftliches „lonelyplanet-Wissen„ wie etwa, dass man in Äthiopien mit der linken Hand isst. Nein, diese Gattung kennt den Fahrer des dritten unehelichen Sohns von Laurent N. persönlich, sie trägt ihren Rucksack auf dem Kopf und sie kann dir im Schlaf die letzten 30 Präsidenten von Ghana rückwärtsbuchstabieren während sie ein Kurzreferat über die verschiedenen Maniokzubereitungsarten geben kann. Und das Beste: Ihr Sohn wird mal Dieudonne heissen.

Volontärinnen, könnten müssen aber auch nicht der Gruppe der Gritten zugeordnet werden, generell sind sie aber eine Untergruppe der Weltverbesserinnen (auf die hier nicht weiter eingegangen wird). Die Unterschiedlichkeit ihrer Ausprägung könnte nicht unterschiedlicher sein. Die meisten von ihnen haben mal ein Praktikum auf der „Sea Shepard“ (Link Whale Wars) gemacht und ernähren sich vegetarisch, können innerhalb von drei Stunden eine Jurte aufstellen und Stricken sich ihre Unterwäsche selbst. Oft haben sie einen ausgeprägten Sinn dafür, was richtig ist. Auf grau formulierte Statements in ihrer schwarz – weiss Welt wartet man mitunter so lange, wie wenn man auf der RRA Steuern zahlen geht. Es gibt welche, die ihre Zeit in der Fremde einfach absitzen und welche die je nach Qualität ihres Programms in dem sie arbeiten, ganz schön viel mitnehmen oder bewirken. Über den Nutzen für das Gastgeberland lässt sich streiten, nicht jedoch für den persönlichen Nutzen der Volontärin. Diese Nutzt nämlich die Zeit für sich intensiv, entwickelt eine bewundernswerte Idee, was in ihrem Leben noch zu erreichen ist, sie ist engagiert, kritisch denkend. Exemplare die keine Idee davon haben, was nach ihrem Freiwilligendienst zu tun ist, findet man nicht.

Die weibliche Form des Missionars, das sogenannte gemeine Sektengroupie. Eine der charaktertisch verschrobensten Expats, die man in Kigali zu Gesicht bekommt. Sie sind verliebt in Gott und haben die Chance die Liebe von Gott in Ruanda zu erfahren. Meist haben sie kein Geld, wenig Auslanderfahrung und keinen Plan was zu machen ist. In zwei bis drei Jahren ist die Gehirnwäsche vollständig abgeschlossen, Sätze mit einem Sinn sind nun definitiv Geschichte und sie können perfekt in Uncle Daves Cult eingesetzt werden (Link Postal ). Oft sitzen sie mit ihren Kolleginnen, den „how to tune your CV-ladies“ tagelang im Bourbon rum und surfen auf Facebook.

SIBYO?

Dieser Beitrag wurde am Sonntag, 17. Oktober 2010 um 09:16 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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3 Comments »

  1. Erstens: Sehr schönes Foti. Zweitens: Klasse Beitrag, endlich mal wieder etwas amüsantes. Erfreut haben mich auch die schwyyzerdütsche Usdrück. Drittens: Eigentlich ist der Artikel doch viel zu gut, ob ihn bereits zu Anfang als Satire zu kennzeichnen. Satire ist nur dann toll, wenn das Wort Satire nicht in der Überschrift (okay, unter der Überschrift) steht.

    Achja, rapha, bist du ein Musenhalter?

    Comment: Dominik – 17. Oktober 2010 @ 10:43

  2. Natürlich werden anwesende Personen nicht zu den Kategorien verlinkt und sind einzigartig, außer natürlich Claudio. Der ist Schweizer, Musenhalter, Missionar und Survival-Junkie…. und auch so ein bisschen Volontärin….

    Comment: rapha – 21. Oktober 2010 @ 09:56

  3. Hmm ich hätte gerne ein wenig mehr über die Männer gelesen. Die kommen mir ein wenig zu gut weg.
    Ansonsten sehr spannende Zusammenfassung.
    Wo würdest du dich denn einordnen Rapha? Das ist die spannende Frage die noch nicht geklärt ist. (Oder vielleicht auch nicht geklärt werden soll)

    Comment: Michi – 28. Oktober 2010 @ 13:09

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