Mal wieder draußen

Kigali hat eine Eigenschaft die einem das Leben als Kigali-Sider schwer macht. Kigali lässt einen nicht gehen. Ständig ist irgendwas los in Kigali, immer denkt man etwas zu verpassen in der einzigen als solche zu bezeichnenden Stadt in Ruanda. Hinzu kommen andere Vorzüge: Einfach mal ein Wochenende lang auf der Terrasse oder im Garten rumliegen, Cappuccino trinken oder auch mal ein Bier. Seit ich aus Deutschland zurück bin habe ich deswegen Kigali nur kurz für eine Abschiedsparty in Butare verlassen.

Letztes Wochenende, wegen der Präsidentenvereidigung ein langes, hat es nun endlich mal wieder geklappt. Zwar nur zwei Tage und damit eine Nacht, aber immerhin.
Zusammen mit Henrik, Jakob und Manfred ging es nach Nkumba und Gisenyi.

Ein bisschen dreist war es ja schon, Jaqueline anzurufen und mehr oder uns mehr oder weniger bei ihre einzuladen, aber ich glaube im Endeffekt war es schon in Ordnung. Ich wollte unbedingt mal wieder nach Nkumba und dachte die Gelegenheit ist günstig.
Es war schön wieder in Nkumba anzukommen. Es ist sicher drei Monate her, seit ich das letzte Mal da war. Aber natürlich kannte man mich noch. Das begann schon auf der Abfahrt die Staubstraße runter. Manfred und Henrik fuhren mit dem Fahrradtaxi voraus, Jakob und ich mit dem Auto hinterher. Aus den „muzungu, muzungu“-Rufen wurden schnell wieder die „Raphaeli“-Rufe. Es fühlte sich nach Rückkehr des erfolgreichen, heldenhaften Kriegers an, oder mit anderen Worten: Schön und warm.

Wir hatten beschlossen am Abend was auf den Kohleöfen zu kochen und dabei ein schönes warmes Mützig aus Kavaguma, dem nächstgelegenen Dorf zu trinken. Kochen und dabei Bier trinken, hervorragend. Der einzige Wehmutstropfen dabei waren die sehr vertrocknet aussehenden Bananenbäume. Jaqueline war ein paar Wochen im Urlaub und keiner hatte sich um die Pflanzen gekümmert, ich sprach ein ernstes Wort mit ihre darüber.

Das Gulasch war grandios und das Bier floss reichlich. Später auch noch der Waragi. Leider flog die Zeit unglaublich schnell vorbei und so verpassten wir die Abendveranstaltung des Schulfestes.

Schon vor Beginn des Trips schwärmte Jakob von der Virunga Lodge mit ihrem tollen Ausblick sowohl auf den Lake Burera, als auch auf den Lake Ruhondo. Ich kannte die Lodge nur aus Erzählungen und davon, dass es am nächtlichen Himmel von Nkumba das einzige Licht war, was man hoch oben sehen konnte.

Dort angekommen war der Blick atemberaubend. Wir konnten das ganze Tal bis zu den Vulkanen überblicken. Dabei sah man schön das Petit Seminaire und das Peace and Leadership Center ein paar Kilometer davon entfernt.

Wir wollten jedoch noch weiter: Für Manfred, der nur ein paar Wochen hier ist, war es die letzte Chance den Lake Kivu zu sehen und deswegen mussten wir da auch hin. Ruanda ohne den Lake Kivu zu sehen? Das wäre wie Paris ohne Eifelturm.

Leider hatten wir es nicht früh genug aus dem Bett geschafft und so wurde es eher ein Kurzbesuch als ein entspanntes Flanieren am See. Das hatte der See wohl schon vorher gewusst und sich deshalb auch nicht sonderlich viel Mühe mit dem Wetter gegeben. Es regnete als wir Mittagaßen, es regnete, als wir den zweitbesten Cappuccino Ruandas genossen, es regnete immer mal wieder bei der Rückfahrt nach Kigali.

Warum nur der zweitbeste Cappuccino? Den besten gibt’s ja in Kigali auf meiner Terrasse und den werde ich dieses Wochenende genießen. In Kigali, der Stadt die einen nicht gehen lässt.

Mehr Bilder von diesem Wochenende gibts in der Galerie.

Dieser Beitrag wurde am Freitag, 10. September 2010 um 11:40 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Wie Rapha? Du fährst jetzt schon mit dem Auto nach Nkumba?
    Das wäre ja vor einem Jahr nicht passiert!

    Aber schöner Bericht!

    Beste Grüße
    Birgit

    Comment: Birgit – 13. September 2010 @ 15:05

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