16:5

Nicht nur die Zahl der Tore der deutschen Fußball Nationalmannschaft ist beeindruckend, sie hat auch einen beeindruckenden Fußball gespielt bei der WM 2010 in Südafrika. Schnell, mit steilen Pässen, kurzen Ballkontakten und immer öfter auch mit Spielwitz und einem Augenzwinkern. Sie ist weit davon entfernt, dass ihr wie früher jemand unterstellt „Rumpelfußball“ oder nur ergebnissorientiert zu spielen. Dabei waren die Voraussetzungen alles andere als gut vor dieser Endrunde und dabei ist nicht nur an die Verletzung von Michael Ballack zu denken.

So haben es die Menschen der schreibenden Presse in Deutschland gesehen und auch hier würde ich dem so zustimmen.  Ich habe im letzten Monat mit vielen Menschen über deutschen Fußball und damit auch über Deutschland gesprochen. Die WM war wiedermal  eine Zeit in der die Nationalmannschaft das Aushängeschild Deutschlands war und so wieder das Bild eines offenen und freundlichen Land vermittelt hat.
Eigentlich hatte ich ja geplant alle Spiele an unterschiedlichen Orten mit unterschiedlichen Menschen zu schauen. Das hat so nicht geklappt, da ich zeitlich zu eingespannt war um das zu planen und zu dokumentieren. Dennoch war es schön mit so unterschiedlichen Menschen die Spiele zu schauen und darüber zu sprechen. Von Menschen aus anderen Ländern Anerkennung und auch Trost zu bekommen.

Rooney heimschicken

Das Spiel gegen England im Achtelfinale war ein gutes Beispiel dafür. Ich sah es zusammen mit etwa 20 Freunden im Carwash. Dort waren auch sicher nochmal so viele Engländer, geschmückt mit Flaggen und dem Georgskreuz auf der Wange.

Bei uns gab´s in der dritten Minuten schon den ersten Höhepunkt: Stromausfall. Nachdem es nach 5 Minuten ein wenig unruhig wurde habe ich meine Schwester in Schottland angerufen die dann live vom ersten Tor berichten konnte und damit 200 Leute auf dem Laufenden hielt. Die Engländer versuchten in der Folgezeit auf die gleiche Weise ein Tor für ihre Mannschaft zu erschleichen. Ein rot-weißer stand mit einem Telefon in der Hand jubelnd auf, der vermeintliche Ausgleich. Aber natürlich kann man sich auf die Schotten als neutrale Englandbeobachter verlassen: „Quatsch, kein Tor für England,…. Yeeeeeeeaaaaah! 2:0 Deutschland“

Wir hatten immer noch kein Bild und wechselten hinter das Carwash zu einer Leinwand mit einem Generator. Als wir dort angekommen waren stand es auf einmal 2:1. Kurz danach die Szene des Spiels: Ein Fernschuss von Lampard, Neuer springt, der Ball senkt sich und STROMAUSFALL. Ich kann mit Fug und Recht behaupten kein Tor gesehen zu haben. Halbzeitpause.

Die ersten Diskussionen mit Engländern beginnen. Alle wissen, dass sie gerade eines Tores beraubt wurden. Wie die englischen Spieler kurz vor der Halbzeit schöpfen auch die Fans hier wieder Mut. Ich lege mich fest und sage noch zwei Tore für Deutschland voraus. Zumindest eins müssen sie noch machen, da die Engländer sonst nochmal kommen werden.
Als sich dann das ganze Ausmaß des Debakels für die Engländer zeigt nehmen es die Engländer auch nicht mehr so sportlich. Keiner von Ihnen will mit mir nach jedem Tor abklatschen. Ich strecke ihnen trotzdem meine Hand hin. Nach dem 3:1 und nach dem 4:1.

Erst eine Zeit nach dem Spiel gibt’s respektvolle Schulterklopfer. Manche lamentieren noch ein wenig über das nicht gegebene Bloemfontein-Tor, aber im Großen und Ganzen haben sie eingesehen, dass sie gegen das bessere Team verloren haben.

Messi abmelden

Das grandiose 4:0 gegen Argentinien haben wir wieder im Carwash geschaut. Dieses Mal war es ein bisschen unwirklich wie das Team einen der großen Turnierfavoriten so unter Kontrolle haben konnte. Tor hier, Tor da, zack bum drin.
Die Stimmung war wesentlich entspannter als beim England Spiel, vor allem auch deswegen, weil keine Argentinier zu erkennen waren und der Strom auch die 90 Minuten durch hielt.

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Deutschland eingeschüchtert

Leider kam dann im Halbfinale das aus gegen Spanien. Wieder einmal nach 2008 haben die Spanier gezeigt, dass sie das beste Team der Welt sind. Ich glaube Deutschland hat nicht schlecht gespielt, hatte aber einfach zu viel Angst um ihr eigenes Spiel zu spielen.

Die afrikanische WM

Für die Leute hier war die WM eigentlich vorbei seit Ghana als letzter afrikanischer Vertreter rausgeflogen ist. Eine durchgehende gute Stimmung gab es deswegen nicht. Also zumindest keine vergleichbare zu der die ich in Deutschland 2006 und 2008 erlebt habe.

Dieser Beitrag wurde am Sonntag, 11. Juli 2010 um 13:59 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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3 Comments »

  1. Haha, die Kloszene. Sehr authentisch 😀

    Comment: Henrik – 11. Juli 2010 @ 20:08

  2. Das Video ist klasse!

    Comment: Daniel – 11. Juli 2010 @ 21:28

  3. geiles video,freu mich zu sehen das es auch dort möglich war es zu sehen,gehe mit aller wahrscheinlichkeit im august nach kigali…..deine seite hat mir die entscheidung noch leichter gemacht…;-)

    Comment: Marcel – 07. April 2011 @ 13:49

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