Wir sind eine Turniermannschaft

Nachdem die Vorrunde nun vorbei ist und Frankreich, sowie Italien verdient nach Hause gefahren sind, ist nun die Zeit ein wenig zurück zu schauen. Nachdem ich sowas von kein Sportjournalist bin, eigentlich bin ich ja gar kein Journalist, wird es eher um das Gefühl bei dieser „Afrikanischen-WM“ gehen. Die Stimmung ist hier offen gesagt weniger „Sommermärchen-like“, als viel mehr „Business-as-usual“. Das liegt zum einen daran, dass ich sehr viel arbeite, aber andererseits auch daran, dass das Fußballfieber hier nicht allgegenwärtig ist.

Natürlich hat das Spiel der afrikanischen Mannschaften damit auch einiges zu tun. Außer Ghana hat es kein Team in die Runde der letzten 16 geschafft. Aber auch die anderen Mannschaften spielen keinen hochklassigen Fußball. In der Vorrunde haben sich einige nach guten Leistungen auf Ergebnisfußball konzentriert (Deutschland, Brasilien, Portugal) oder sich nach schwächeren Vorstellungen ins Achtelfinale gezittert (Spanien zum Beispiel). Lediglich Argentinien und Holland zeigen Ansätze von richtig gutem Fußball.

Meine hauptsächliche Informationsquelle was die WM angeht, bleibt also der Liveticker oder mein Guard Pierre, der jedes Spiel auf unserem Fernseher im Wohnzimmer anschaut und bei jeder guten Chance oder einem Elfmeter ruft, um es mir zu zeigen.

Ansonsten sind die Holländer die einzigen, die es auf die Reihe bekommen ihre Landsleute für die Spiele ihrer Mannschaft vor einem Übertragungsgerät zu scharen. Im Hotel Mille Collines gibt es zu jedem Spiel der Holländer Freibier und Fanta Orange für alle in Orange gekleideten Menschen. Das führt dazu, dass ich mit meiner holländischen Mitbewohnerin Eveline und ein paar holländischen Freundinnen öfter dort bin und inzwischen auch diesen Uwe Seeler blasen kann.

Bei den Spielen der deutschen Mannschaft verläuft sich alles ein bisschen. Nachdem ich ja das erste Spiel im deutschen Supermarkt geschaut habe, haben wir uns zum Serbien-Spiel in einem Restaurant in der Innenstadt getroffen. Die Stimmung war aber etwa so erfrischend wie das Ergebnis für das Team mit dem Adler auf der Brust.

Zum Ghana-Spiel haben wir es geschafft ein bisschen WM Stimmung zu erzeugen. In meinem Lieblings Buffetrestaurant „Bel Air“ haben wir versucht mit den Ghana unterstützenden Ruandern gemeinsam zu feiern. Das habe ich mit einem Freund von mir, der dort so etwas wie der Restaurantmanager ist, abgesprochen. Wir waren also etwa 15 Deutsche die gemeinsam mit den Holländischen Freunden und einer Handvoll ruandischen Mitjublern das deutsche Team unterstützt haben. Uns gegenüber, oder besser mit uns, saßen etwa 30 Ruander die eindeutig dem Ghanaischen Lager zuzuordnen waren. Komischer Weise hatte ich auf Grund der guten Stimmung ein besseres Bild vom Spiel. Als ich nachher die Kritiken laß, dachte ich, wir hätten ein anders Spiel verfolgt. Klar war es nicht der Tempofußball des Australien-Spiels und die tödlichen Steilpässe kamen oft nicht an, aber es war meiner Einschätzung nach ein ordentliches Spiel einer natürlich ein bisschen unter Druck stehenden deutschen Mannschaft.

Was ich da sehr genoss, war die Tatsache, dass die Stimmung positiv mit Emotionen besetzt war. Schon vor dem Anpfiff alberten wir gemeinsam der deutschen und der ruandischen Flagge rum und tippten das Ergebnis. Bei jeder strittigen Szene drehte sich irgendwer von den Ruandern um, damit wir entweder unsere Übereinstimmung in der Einschätzung der Situation oder eben unsere unterschiedliche Sicht austauschen konnten. Nun stehen wir also im Achtelfinale, müssen gegen England ran. Ich traue der Mannschaft schon einiges zu und glaube auch, dass sie einen Sieg verdient hätten. Einen so überragenden Fußball haben die Engländer trotz ihrer mit Superstars gespickten Mannschaft auch nicht gespielt, mal ganz abgesehen vom traditionellen englischen Torhüterproblem. Ich glaube an den Sieg der „German-Tanks“, wie es morgen sicherlich in der Sun heißen wird.

Wenn ich mir den weiteren Turnierverlauf so anschaue glaube ich, dass wir noch viele große Spiele sehen werden. Schon jetzt im Achtelfinale mit England-Deutschland sowie Spanien-Portugal. Der Weg der deutschen Mannschaft zum vierten Stern kann also wie folgt zusammengefasst werden: Nach dem 3:1 heute Abend gegen England folgt ein 2:0 gegen Argentinien im Viertelfinale, ein 5:3 nach Elfmeterschießen im Halbfinale gegen Spanien, die von ihrem harten Viertelfinale gegen Holland noch ein bisschen müde sind, sowie ein deutlicher 3:0 Sieg im „Rückspiel“-Finale gegen Ghana. Das würde ich mir dann wieder im „Bel Air“ anschauen. War ja top Stimmung da und es ist ein gutes Omen.

Ein paar Impressionen von der WM-Stimmung hab ich euch in der Galerie zusammengestellt.

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Dieser Beitrag wurde am Sonntag, 27. Juni 2010 um 07:46 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Haha, Fanta Orange! Wer trinkt denn sowas?

    Comment: Birgit – 29. Juni 2010 @ 20:10

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