So köpft ein Känguru

„Nene, heute ist Podolski-Tag“, meint der Besitzer des deutschen Supermarktes in Kigali. „Heute wird nicht bezahlt.“ Er sprach dabei nicht nur vom Bier, sondern auch von den anderen Leckereien die fleißige Helfer während des ganzen Spiels an die Tische brachten. Ruandische Currywurst mit Baguette und belegte Mohnbrötchen. Ein gelungener Abend, sowohl in fußballerischer, als auch in kulinarischer Hinsicht also.

Zwischen Philou und Joné sitzend spürte ich das besondere an einer Weltmeisterschaft. Mit Freunden vor dem Fernseher zu sitzen und zu fachsimpeln; das Spiel analysieren. „Özil will heute ein Tor, er ist einfach so verspielt“, „Schön wie die mit einem Steilpass das ganze Mittelfeld überbrücken.“ Fußball ist Mannschaftssport, sowohl aktiv, also auch passiv.

Diesen Platz hatte ich mir bewusst ausgesucht. Ich wollte das erste Spiel in der deutschen Community sehen. Ein Teil dieser, vielleicht 40 Leute, traf sich im La Galette, dem deutschen Supermarkt in Kigali. Ich ging dort mit Philou hin, der eigentlich Philipp heißt, um mit ihm das Spiel zu sehen. Er ist Fußball-Fachmann, nicht nur weil er in seinem Freiwilligendienst im Maison des Jeunes in Kimisagara für einen Verein arbeitet, der mit Projekten wie „Football Amahoro“, Fußball für den Frieden, Fußball als Vehikel für Friedensarbeit benutzt. Philou spielt auch selbst, manchmal ein bisschen eigensinnig (Halbfranzose eben), aber immer voller Leidenschaft und Emotion. Außerdem weiß er als Franke natürlich immer welcher Spieler seine Jugend beim „Club“ oder in Fürth verbracht hat um dann die ganz große Karriere zu starten, natürlich bei einem anderen Verein.

Als wir nach einem kleinen Abstecher ins BelAir Restaurant, meinem Lieblingsrestaurant für ruandisches Buffet, ins La Galette kamen lief noch Formel 1 auf der großen Leinwand. Lange nicht gesehen, wie immer unspannend. Nach und nach füllte sich der Platz mit mehr oder weniger aufgeregt wirkenden Menschen. Die meisten zumindest vom sehen bekannt, weil deutsch. Es gibt ja schließlich nur 230 permanent hier lebende Deutsche.

Als die Fußballübertragung begann stieg bei mir die Spannung, den anderen ging es genau so. Aufstellung analysieren, Jogis T-Shirt/Anzug-Kombination belächeln, los geht’s.

Zeitweilig fühlte ich mich wie in einer Kölschkneipe in Köln: „Jaja, so köpft ein Känguru…“, kommentierte es von weiter hinten aus der Ecke der 40+. Lang nicht gehört solche platten Schenkelklopfer, eigentlich auch nicht vermisst, dachte ich bei mir.
Was aber die Stimmung bestimmt hat, war das schön erfrischende Spiel der deutschen Mannschaft. Angriff um Angriff. „Like a good oiled Machine…“, wie der Kommentator stereotyp zu vergleichen wusste.

Nachdem wir uns für Müller und Cacau und deren Tore zum 3:0 und 4:0 gefreut hatten wurde es auch ein bisschen ruhiger. Wie das Spiel der deutschen Mannschaft nahmen wir einen Gang raus und genossen den Rest des Spiels. Schade, dass nicht noch das eine oder andere Tor gefallen ist.

Für das deutsche Team und für mich war es auf jeden Fall ein guter Start.

Dieser Beitrag wurde am Montag, 14. Juni 2010 um 12:24 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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4 Comments »

  1. schickes Trikot, Rapha!

    Comment: Birgit – 14. Juni 2010 @ 13:06

  2. Hi Rapha,
    für welche (vorrangig afrikanische?) Mannschaft begeistern sich eigentlich die meisten Ruander?
    Sonnigen Gruß aus Mannheim und noch eine schöne WM,
    Chris

    Comment: Chris – 14. Juni 2010 @ 16:16

  3. @Birgit: Danke.
    @Chris In Ruanda haben so Nationalmannschaften nicht so einen hohen Stellenwert hab ich den Eindruck. Die Ruander mit denen ich über Fußball gesprochen habe unterstützen ganz unterschiedliche Mannschaften, nicht nur Afrikanische. WO die Unterstützung hingeht hängt hauptsächlich davon ab bei welchem Club der Star oder die Stars spielen. Bin ich ManU Fan und in dem Team spielen drei Leute von ManU, dann find ich das Team auch gut. Clubfußball, vor allem Premier League und Primera Division, steht hier über allem.

    Comment: rapha – 17. Juni 2010 @ 09:05

  4. […] den Spielen der deutschen Mannschaft verläuft sich alles ein bisschen. Nachdem ich ja das erste Spiel im deutschen Supermarkt geschaut habe, haben wir uns zum Serbien-Spiel in einem Restaurant in der […]

    Pingback: rapha in ruanda » Wir sind eine Turniermannschaft | rapha in ruanda – 27. Juni 2010 @ 07:46

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