Kigali Peace Marathon

Es war mir ganz klar, dass dies passieren würde. Ich stand mitten unter den Läufern und sprach mit Freunden von mir die mitliefen. Ich war gerade mit dem Fahrrad dort hin gefahren um sie zu unterstützen. Ich trug Laufschuhe, war leicht angeschwitzt. Ich liebe das Gefühl kurz vor einem Lauf. Alle sind angespannt und warten darauf bis es los geht. Alle geben sich locker und unbeeindruckt. Innen sind alle angespannt.

Genau so ging es auch mir. Der einzige Unterschied war: Ich würde gleich von der Bahn gehen und nicht mitlaufen. Ich hatte mich dagegen entschieden weil ich zu feige war.
Die Geschichte beginnt schon früher. Schon vor Monaten war klar, dass dieser Marathon stattfinden würde. Für mich als gerne, aber nicht sonderlich gut, Sportler war das schon eine Option. Ich hab es aber in den letzten Monaten nicht geschafft mich am riemen zu reißen und mich darauf vorzubereiten. Immer wieder kamen mit die leichten schnellen Genüsse in die Quere. Das leckere Essen, das Bier und auch immer wieder die Zigaretten. Immerhin letzteres habe ich inzwischen, mal wieder, im Griff.
Selbst zwei Wochen vor dem Marathon, als wir in Kibuye mit dem Gedanken gespielt haben eine Staffel zu stellen wäre es noch nicht zu spät gewesen anzufangen ernsthaft für den Halbmarathon zu trainieren. Aber auch hier: Fehlanzeige.

Also beschloss ich am Mittwoch vor dem Lauf definitiv nicht mitzumachen. Ich würde mich auf die Rolle des Motivators und Servicefahrradfahrers konzentrieren. Genau in diesem, mir selbst gegebenen Auftrag, stand ich auch im Startefeld kurz bevor es los ging.

Kurz vor dem Start war es schon sehr warm. Ich schwitzte bereits von der nicht mal zehn-minütigen Radanfahrt zum Stadion. Es war klar, dass es ganz stark darum ging gut mit dieser Hitze umgehen zu können. Im Starterfeld waren viele ehemalige Freiwilligenkollegen die ich kannte.
Die Rennerwartung der Läufer war recht unterschiedlich. Während Michi und Claudio durchaus auf eine einigermaßen gute Zeit hofften wollte zum Beispiel Philou einfach nur ankommen. (Mehr war mit den Chucks glaube ich auch nicht drin.)
Das Rennen verlief vom Stadion den Berg runter zum RDB Gebäude und dann weiter runter zum MTN Center und wieder zurück. Am Stadion zurück ging es noch eine Runde durch Remera, bevor die 10,5 km Schleife nochmal in Angriff genommen werden musste. Die Streckenführung kann man hier auch sehen.

Auf der ersten Runde ging Michi, mit Verlaub, ab wie ein Schnitzel. Er war zwar nicht in der Spitzengruppe, aber zumindest bester nicht Afrikaner im Feld. Jedoch sollte er dafür bitter bezahlen. Schon am Ende der ersten Runde wartete ich vergeblich auf ihn bis er dann relativ erledigt mit Bauchschmerzen ans Stadion kam und abwinkte. Auch Claudio sah zumindest optisch nach einer Runde nicht mehr wie ein Siegläufer aus. Die Hitze machte auch ihm zu schaffen. Phillip, Philou, Wieland und Daniel dagegen quälten sich. Jedoch ein wenig weiter hinten. Die Bilder in der Gallerie zeigen das auch.

Die zweite Runde wurde endgültig zur Frage des Willens. Heiß, kaum mehr Wasser an den Verpflegungsstationen und immer weniger von den sowieso schon rahren Zuschauern. Ich fuhr mit dem Rad immer wieder den Berg runter und hoch um so möglichst viele von den Läufern zu begleiten. Immer wieder sah man dabei die Marathon Spitzengruppe vorbeihuschen. Ganz schön schnell die Jungs. Als ich in deren zweiten Runde gerade mit dem Rad den Berg hoch fuhr kam ich fast nicht mit. 18 km/h zeigte mein Tachometer.

Ins Ziel kamen dann alle irgendwann. Alle sahen fertig aus. Claudio sprang beim Laufen mehr hoch als nach vorne. Die anderen waren fertig aber glücklich. Lediglich bei Daniel hatte ich den Eindruck, dass er ein bisschen mehr hätte rausholen können. Aber das war wohl eher ein optischer Eindruck.
Das Ergebnis des Halbmarathons gib es hier.
Während die meisten andern schon fertig waren hatte einer noch nicht mal angefangen. Manuel stand mit seiner Startnummer, die signalisierte, das er der vierte von vier Staffelläufer des Teams Weltwärts war, immernoch im Stadion und wartete. Nach einer gefühlen Ewigkeit kam Jonas von der dritten Staffelrunde zurück und Manuel konnte starten. Viel war nichtmehr los auf der Strecke, die Sonne brannte ohne Erbarmen, aber Manuel rannte los. Ich beschloss ihm mit dem Rad auf der Runde zu folgen. Auch ich hatte schon über 30 km hinter mir. Zum Glück aber nur auf dem Rad und nicht zu Fuß.

Nach vier Kilometern begann der erste Anstieg. Manuel klagte über Seitenstechen. Wir atmeten zusammen. Tapfer kämpfte er sich durch. Ich versuchte meine amateurhaften Trainer- und Motivatorfähigkeiten anzubringen, war wohl aber am besten zum Wasserreichen geeignet.
Unter Ablaus der vielen Freiwilligen unter den Zuschauern lief auch das Team weltwärts ins Ziel. Nachträglich übrigens von der Zeitmessung noch mit einem vierten Platz im Staffelwettbewerb geadelt. Zu sehen auf der Seite des Marathons.
Als ich dann Nachmittags nach Hause kam war ich wie erschlagen. Auf dem Weg zurück nach Hause hatte ich die Marathondistanz von 42,195 Metern überschritten und hatte mich auch über 5 Stunden meist in der Sonne aufgehalten. Ich hatte zwei Kilo Bananen und 30 Flaschen Wasser verteilt.
Ich war sehr zufrieden mit dem Tag auch wenn ich abends ab und an dachte:  Warum bist du nicht mitgelaufen du Feigling.

Dieser Beitrag wurde am Samstag, 29. Mai 2010 um 10:22 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Bei der nächsten Mitgliederversammlung des EDV Breyer Racing Teams werde ich den Antrag stellen, das Mitglied R.B. öffentlich zu rügen und ab zu mahnen, weil es eine einmalige Chance versäumte und den Zielen des Teams nicht ehrgeizig genug nach kam. Als Strafmaß, sofern die Versammlung dem Antrag Folge leistet, schlage ich eine Runde Melonenschnaps in der Unteren vor.
    Der Angeklagte sollte sich bereits jetzt überlegen, was er zu seiner Verteidigung vor zu bringen hat. Alternativ kann es seinen Fehler eingestehen und so der öffentliche Rüge entkommen. Von der Strafe würde in diesem Fall trotzdem nicht abgesehen.
    gez. D.N.

    Comment: Dominik – 29. Mai 2010 @ 16:26

  2. Jep, Feigling!

    Comment: Evi – 30. Mai 2010 @ 20:39

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