Die Wahrheit

Bild: The New York Times

Heute hatte ich wieder einen tollen Fall von „Was soll ich glauben?“

Immer wieder bin ich hier im Spannungsfeld zwischen verschiedenen Informtionen. Menschen erzählen das Eine, in der lokalen Zeitung steht was Anderes. Über Twitter lese ich die eine Information, in einer Studie was Anderes.

Gestern laß ich einen Artikel über eine Insel im Lake Kivu auf welcher Jugendliche und junge Erwachsene gebracht werden um dort weitergebildet zu werden.

Aber ist das die Wahrheit?

Relativ neutral beschreibt das die regierungsnahe Zeitung New Times:

New Times Link: Vocational School Launched At Iwawa

Heute habe ich dann einen Artikel der New York Times gefunden, welcher diese Insel als eine Art Erziehungsanstalt beschreibt in welcher die Jugendlichen verschleppt werden, damit sie nicht in Kigali auf der Straße rumhängen und das Stadtbild verschandeln.

New York Times Link: Rwanda Pursues Dissenters and the Homeless

Die New York Times veröffentlichte dazu auch einen Standpunkt des rundischen Jugendministers, der das Geschriebene bestreitet oder reltiviert.

New York Times Link Standpunkt: Youth Center in Rwanda

Ergänzung (12.05.2010): Video von New York Times

Aber was ist die Wahrheit?

Wenn ihr die drei Links lest, dann seht ihr ein bisschen das Problem, dass ich immer wieder hier habe. Informationen von verschiedenen Seiten, die nicht als wahr oder unwahr zu identifizieren sind.

Natürlich dramatisiert die New York Times vielleicht ein bisschen. Über ein Ausbildungszentrum für Straßenkinder die nicht höchstens 12 sind, ihre fünf kleinen Geschwister versorgen, von denen mindestens drei HIV positiv sind, wird ja nicht berichtet.

Natürlich stellt die New Times die Einrichtung als das Beste vor, was es jemals in Ruanda gegeben hat. Keinerlei Kritik an irgendwas. Selbst wenn es was geben sollte, wird darüber sicher nicht berichtet.

Das hier nur als Beispiel was es hier ein bisschen kompliziert macht. Ich dachte immer, dass es einfacher ist, wenn man in dem Land ist, aber ich finde es nach wie vor schwierig.

Klar ist, dass ich immer versuche so viele Informationen wie möglich von verschiedenen Quellen zu sehen bevor ich Dinge für mich bewerte. Aber hier überfordert es mich immer wieder mal, da einfach nichts als gegeben gesehen werden kann.


Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 11. Mai 2010 um 12:47 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort, Neues aus Ruanda abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Hey Rapha! Ich verfolge deine Seite schon ein bisschen und will erstmal ein großes Lob aussprechen! Sie ist super, lebendig und es macht eine Menge Spaß, deine Artikel zu lesen! Vor allem, weil ich ab Juli auch in Kigali weile und umso gespannter bin, je mehr ich von deinen Erlebnissen lese 🙂
    Eine Sache zur Pressefreiheit in Ruanda:
    Nach der NGO Freedom House (USA) ist Ruanda in Hinblick auf die Pressefreiheit auf Platz 181 (!) von 195 beobachteten Ländern. Nach meinen Recherchen für eine Facharbeit über den Genozoid und seine Folgen finden heutzutage Drohungen, Einschüchterungsversuche und gewaltsame Angriffe auf Journalisten statt – immer wieder in Berufung auf die Vergangenheit. Es liegt nahe, dass dieses Trauma gezielt genutzt wird, um regierungskritische Stimmen zu unterdrücken. Da gibts ne Menge harter Beispiele: Jean Bosco Gasasira von der Zeitung Umuvizigi ist nur eines davon. Er hatte die RPF (Regierungspartei) kritisiert und wurde daraufhin von unbekannten Männern mit Eisenstangen attackiert.
    Ich glaube, es ist generell schwer, die Wahrheit zu finden – aber gerade einem Land mit eingeschränkter Pressefreiheit (ob das nun für Solidarität und Versöhnung förderlich ist, ist eine andere Frage – Prunier hat in seinem Buch „Africa’s World War“ über Kagames Standpunkt dazu geschrieben) sollte man besonders Acht geben, glaube ich.

    Ich bin gespannt, wie es bei dir weitergeht und freue mich, von dir zu hören!
    Alles Liebe, Christina

    Comment: Christina – 17. Mai 2010 @ 16:43

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