Umudagi und Umusuwisi auf dem Mont Jali

Was fällt einem zuerst ein wenn man an eine schöne Wanderumgebung denkt? Sicher deutsche Mittelgebirge würde Gabbels jetzt sagen. Oder der Mount Everest, auch für Teenager, wenn man den neuesten Berichten in der Presse glaubt. Vielleicht auch die Alpen, die ich vom Bodensee immer so schön gesehen habe.

Was aber die meisten vergessen ist City-Hiking in Kigali. Schon in der Stadt steht ein Hügel am anderen, wenn man dann noch die Stadt verlässt, dann hat man es schon mit richtigen Bergen zu tun. Wie denn so der Wanderspot Ruanda zu bewerten ist, was man beachten muss und wer eigentlich dieser Umusuwisi ist wird hier beantwortet.

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Vergangen Samstag war Umuganda, der Gemeinschaftsarbeitsdienst, der in Ruanda immer am letzten Samstag des Monats für alle verpflichtend durchgeführt wird. Der Vorteil dabei ist, dass man beim Wandern an der Straße nicht von stinkenden Autos überholt wird, der Nachteil, dass man an Straßen entlang laufen muss, da ja keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren und auch das Fahren von Privaten verboten ist.

Also sind Claudio, das ist der Umusuwisi, und ich, der Umudagi, um 10 Uhr von unserem Umudugudu Kamatamu losgelaufen. Zuerst ein bisschen durch Kacyiru, dann runter nach Gisozi und Kinamba und im Folgenden zum Busbahnhof nach Nyabugogo. Das ist der Ort von welchem aus man schon schön den Hügel der Begierde sieht. Oben mit Funkantennen geschmückt und durch einen sehr steilen, etwa 400 Meter hohen Anstieg, gekennzeichnet.

Von unten haben wir noch einen kleinen Trampelpfad gesehen, der schön direkt nach oben ging, als wir jedoch im Anstieg waren war es schwer genau diesen Weg zu finden. Das ist aber generell in Ruanda kein Problem, da hier so viele Leute ständig die Hügel hoch und runter laufen, dass es eigentlich überall kleine Wege gibt. Der unserer Wahl ging vorbei ein Lehmhütten und kleinen ausgetrockneten Abwasserbächen. Am wichtigsten jedoch, vorbei an den Menschen die gerade dabei waren ihren Umuganda-Dienst zu erledigen, so an einer Baustelle halfen, Wäsche wuschen oder Straßen ausbesserten. Öfter wurden wir gefragt, warum wir denn nicht mitmachen würden. Wir logen, dass in Kamatamu schon alles erledigt wäre. Die Tatsache, dass wir die Frage auf Kinyarwanda überhaupt verstanden und dann auch noch drauf antworten konnten reichte aus um den Inhalt der Konversation zur Nebensächlichkeit zu machen.

Der Anstieg blieb anstrengend. Wir stiegen nun Querfeldein über kleine Gräben, kletterten, und an Büschen haltend, gerade den Berg hinauf. In unseren kleinen Pausen genossen wir den wunderschönen Ausblick auf fast alle Hügel von Kigali.

Der Versuch ein Panorama-Bild davon zu erstellen scheiterte an den Fähigkeiten meiner Kamera, denen meines Computers und nicht zuletzt auch an meinen eigenem begrenzten Wissen. Wenn sich jemand berufen fühlt aus meinen etwa 20 Bildern ein Panorama zu basteln, einfach ne Mail schreiben an rapha(bei)rapha-in-ruanda.de. Als Lohn gibt’s natürlich eine Packung ruandischen Kaffee.

Nach etwa drei Stunden Wanderung, die Hälfte davon Aufstieg, erreichten wir einen Höhenweg welcher auf dem Grad des Berges weiter nach oben ging. Durch den flacheren Weg wurde das Laufen angenehmer. Den gegenteiligen Effekt hatte allerdings das Wetter. Es war gerade kurz nach 12 Uhr, die Sonne stand am Höchsten und brannte erbarmungslos auf uns runter. Gut, dass wir gerade in diesem Augenblick eine kleine Bar erspähten in welcher wir eine, naja lauwarme, Fanta tranken.

Nach dieser kurzen Pause folgten wir weiter dem Weg hoch Richtung Gipfel. Jedoch wussten wir nicht, ob es überhaupt möglich ist, dort hin zu gelangen, da es dort zum Teil militärisches Sperrgebiet ist. Also bogen wir kurz vor dem vermuteten Gipfel nach rechts ab und folgten einer Staubstraße den Berg hinunter.

Nach nur zehn Minuten kam dann die Erleichterung des Abstiegs in Form eines mit Holz beladenen LKWs. Also Hand raus und aufsteigen. Oben auf dem Holz war uns jedoch ein wenig mulmig, da die Straße in einem unglaublich schlechten Zustand war. Immer wieder schien es, als würde der LKW zur Seite umkippen. Nach 20 Minuten kamen wir jedoch unten an. Wir waren in einem Viertel von Kigali, dass ich bis dahin nicht kannte (und auch jetzt gerade den Namen vergessen habe). Nach ein wenig zögern entschieden wir uns für Autostop um zurück ins Zentrum zu kommen.

Ein orangefarbener Mercedes-LKW hielt an und winkte uns rein. Irgendwie kam er mir bekannt vor. Das nicht „Stadtwerke Heidelberg“ drauf stand war alles. Als ich das Claudio sagte, meinte der Beifahrer: „Cool, dann können wir ja auch Deutsch sprechen“

Alex hat 16 Jahre in Deutschland gelebt und studiert, ist mit einer Deutschen verheiratet und baut gerade in Nyatarama, einem relativ noblen Viertel von Kigali, ein Haus. Den LKW hat er tatsächlich in Deutschland gekauft.

Wir erzählten ihm die Geschichte unserer Wanderung, die er sehr amüsant fand. Das letzte Stück durch ein Tal hoch zu unserem Hügel sind wir dann wieder gelaufen.

Als Fazit würde ich sagen, dass Kigali ein guter Spot für Wanderer ist. Schade, dass es hier keine verzeichneten Wanderwege gibt, cool jedoch, dass man auch ohne die ganz gut ans Ziel kommt. Jedoch ist Wandern in Kigali relativ anstrengend, da meistens die Sonne brennt und die Hügel recht steil sind. Wichtig dabei ist auch die Höhe nicht zu vergessen. Kigali Was man nicht vergessen sollte ist, sich mit Sonnencreme einzuschmieren, sonst hat man ganz schnell einen verbrannten Nacken, wie ich an diesem Abend.

Dieser Beitrag wurde am Montag, 26. April 2010 um 18:48 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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5 Comments »

  1. http://hugin.sourceforge.net/

    Wie wäre es damit? Du musst zwar selber arbeiten, aber das Programm erscheint mir recht vielversprechend 😉

    Comment: Henubis – 26. April 2010 @ 21:36

  2. I was already wondering what you meant with ‚hiking‘ in your text Saturday, now I know. Good practice for my German too!

    Comment: Minouk – 27. April 2010 @ 09:16

  3. Nachdem sich jetzt schon mehrere Leute bereit erklärt haben ein Panorama zu machen schreibe ich hier offizielle einen Kigali-Panorama-Contest aus.

    Die Originalbilder liegen unkomprimiert in der Galerie rum: http://www.rapha-in-ruanda.de/fotos?g2_itemId=3318 (Vorsicht ziemlich groß)

    Wer das schönste Panorama macht bekommt eine Packung ruandischen Kaffee frei Haus.

    Für die schönste künstlerische Interpretation lobe ich noch ein paar Flaschen Pilli Pilli aus.

    Also ran ans Werk.

    Comment: rapha – 27. April 2010 @ 12:42

  4. Du weisst ja, für Kaffee mache ich so einiges 🙂
    Und ich habe micht auch angestrengt aus dem … na ja … „nicht ganz optimalen“ Material was zu machen. Mein Pili-Vorrat reicht noch ein paar Jahre 😉

    Hier das Ergebnis:
    http://download.daniel.lienert.cc/Pano-Kigali.jpg

    Das Original ist 25000 Pixel breit und bringt es auf 96 Megapixel 😉

    Comment: Daniel – 27. April 2010 @ 17:05

  5. Äy, Du kennst mich 😉 Wobei: Deutsches Mittelgebirge für zwischendurch; für tolle lange Touren Alpen. 😉

    Comment: Gabi – 27. April 2010 @ 21:15

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