Von Nkumba nach Kigali in kleinen Schritten

Die letzten Wochen war mein Leben ein bisschen zerrissen. Zum einen habe ich in Nkumba an der Schule gearbeitet, zum anderen schon bei der GTZ. Ich hatte immer noch mein Haus in Nkumba, aber auch schon mein Haus in Kigali. Das war manchmal gar nicht so einfach, denn egal wo ich war, irgendetwas was ich gebraucht habe war grad im anderen Haus.
Schwer war das ganze auch für mein Sozialleben. In Nkumba war ich immer nur zwei oder drei Tage. Da war es nicht einfach, auch mal länger mit meinen Nachbarn zu sprechen.
Dieser Umstand hat sich jetzt zum Glück aufgelöst. Vor drei Wochen habe ich das Auto eines Freundes geliehen und bin mit Flo zusammen aus Nkumba ausgezogen. Über Ostern war ich mit Anne, Flo und Claudio noch mal dort und letztes Wochenende habe ich das Haus dann endgültig an meine Nachfolgerin Jacqueline übergeben.

Das sind quasi die letzten Nkumba Geschichten. Zumindest die letzten Geschichten in welchen ich von „meinem“ Haus in Nkumba erzählen kann.
Als ich in kleiner Runde bei Donnerstag Mittagspicknick erzählte, dass ich wohl ein Taxi nehmen muss um meine Sachen aus Nkumba zu holen hab ich nicht gedacht, dass dieser Plan  ungefähr zehn Sekunden später nicht mehr aktuell sein würde. Ein Freund von mir meinte: „Nimm doch einfach mein Auto…“
Zwei Tage und ein paar technischen Problemen mit der Batterie später geschah es dann auch: Zum ersten Mal fuhr ich in Ruanda mit dem Auto durch die Gegend. Ich kenn hier sowohl Menschen die sagen: „Ich fahre gerne Auto, aber in Kigali ist mir das zu stressig…“, als auch welche die nur in Kigali fahren „wegen der vielen Schlaglöcher und Wellen im Straßenbelag“. Ich beschloss beides einfach mal auszuprobieren. Mit Flo als erfahrenem Rallybeifahrer, ohne Kenntnis von Straßenkarten, sollte das ein Klacks werden.
Und genau so war es. Völlig unspektakulär, aber stolz, bewegte ich den riesigen Nissan Patrol nach Ruhengeri. Nach einem kurzen Mittagessensstop im allseits beliebten Tourist-Inn gings weiter nach Nkumba. Es schienen nicht so viele Sachen zu sein, aber nach zwei Stunden war das Auto dann doch voll. Es gab noch ein paar kleine „Kruschtelecken“ mit Dingen die ich noch auseinandersortieren wolle „wenn ich mal Zeit hab…“
Also zurück ins Auto und zurück bevor es dunkel wird. Auch das ziemlich Problemlos. Autofahren in Ruanda ist gar nicht so viel anders als in Deutschland. Nagut, der Blick nach draußen sieht ganz anders aus wie der Boardphotograph Florian in seinen Bilder festgehalten hat.

Nachdem wir in der Woche nur ein paar Stunden in Nkumba waren und unsere Übernachtungsgelegenheit in Kibuye am Osterwochenende leider nicht verfügbar war sind wir am Karfreitag wieder nach Nkumba gefahren. Zusammen mit Claudio, einem Schweizer der hier für die Uni arbeitet, Anne, die wie schon beschrieben in Ruli ihre Famulatur gemacht hat und Flo, meinem besten Freund aus Uni-Tagen, der seinen Gastblog noch nicht geschrieben hat, sind wir Freitag abends spät angekommen. Bei der Gelegenheit ist auch das Fahrradtaxi-Video entstanden.
Abends kochten wir das klassische Nkumba-Essen für welches es von anderen Seiten schon viel lob gab. Selbstgemachte Pommes und frittierten Fisch aus dem Lac Ruhondo.
Eigentlich bestand das ganze Wochenende nur aus Entspannen und Kaffee trinken. Jedoch mit einer Ausnahme: Claudio hatte seine Slackline dabei. Für alle die das nicht kennen: Es ist im Prinzip balancieren auf einem Gurtband. Auch die Kinder die rund um die Schule unterwegs waren fanden das sehr spannend. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt haben sie es auch gleich mal ausprobiert.
Am Samstagabend sind wir dann weiter nach Gisenyi. Nachdem uns dort das Wetterglück verlassen hatte haben wir eben den ganzen Abend das schöne Spiel Le Havré gespielt. Nagut: Wir ist in dem Fall übertrieben. Anne ist nach fünf Stunden einfach in ihr Bett verschwunden.
Am Sonntag war dann gutes Wetter und wir sind ein bisschen am Kivu-See entlang spaziert. Dabei sind uns überall indisch oder pakistanisch aussehende Männer aufgefallen, sicherlich 50. Das waren UN Soldaten die ihren freien Sonntag in Gisenyi genossen.
Auch im Serena-Hotel, dem besten Platz in Ruanda um einem Cappuccino zu trinken, war alles voll von Soldaten. Wir ließen uns davon nicht stören, tranken natürlich Cappuccino und gingen eine Runde schwimmen. Abends kamen wir dann mit dem Bus in Kigali an.

Letzten Donnerstag kam dann meine Nachfolgerin Jacqueline an. Am Freitagnachmittag sind wir zusammen nach Nkumba gefahren. Wir haben uns darauf geeinigt, dass es für dieses Wochenende noch „unser“ Haus sein würde. Freitagabends aßen wir dann bei „unseren“ Priestern bevor wir im Innenhof noch das gute Mützig genossen. Am Samstag kam Klara vorbei und wir kochten ein bisschen was. Samstagabend wieder Bier im Innhof, später auch noch mit Father Wilson, dann aber drinnen. Nachdem wir den Regen, der den ganzen Tag immer mal wieder vorbei schaute, tapfer ignoriert hatten, wollte Wilson bei dieser Aktion nicht teilnehmen. Immer wieder weiß er darauf hin, dass es regnet und wir reingehen sollten. Sonntags haben wir dann den Rest der Hausübergabe gemacht, ich habe noch die letzten Klausuren korrigiert und dann noch die oben schon angesprochenen „Kruschtelecken“ aufgelöst. Zum Mittagessen haben wir in Ruhengeri Father Fabien getroffen. Bisher mein, seit Sonntag Jacquelins Mentor. Ich bin dann mit Klara im Bus nach Kigali gefahren. Jacqueline nach Nkumba.

Wie ihr vielleicht merkt war es ein Abschied auf raten aus Nkumba. Erst ein bisschen weniger dort, dann immer mehr Sachen dort eingepackt, dann umgezogen und zum Schluss eher als Besuch dort gewesen. Das war ein bisschen ein komisches Gefühl. Auch die Verabschiedung von den Nachbarn und den Priestern war eher ein bisschen zurückhaltend, da ja klar ist, dass ich weiter ab und zu dort vorbei kommen werde. Ein richtiger Abschied war das nicht.

Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 20. April 2010 um 13:40 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Sag mal, das ist doch der Flo, der weiland quasi inkognito mit uns einen lustigen Abend im Seehaus der Akademie Auswärtiger Dienst in Tegel verbracht hat, oder? Beste Grüße an euch aus dem sonnigen und nahezu kerosinfreien Deutschland!
    Flo

    Comment: Flo – 20. April 2010 @ 19:25

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