Akagera National Park – Da wo die Giraffen wohnen

Jeder Ruanda Besucher hat eine klare Vorstellung von dem was ihn hier erwartet: Das was er sich von Afrika erwartet. Sandig und steppig, viele dunkelhäutige Menschen, Armut und: Tiere! Nun ist Afrika so unterschiedlich wie die Vorstellungen der Parteien in der deutschen Gesundheitspolitik und vor allem Ruanda nicht Afrika, aber eine der für Afrika typischen gehaltenen Unternehmungen kann man auch hier bekommen: Safari.
Nun ist der Akagera Nationalpark gerade einmal halb so groß wie die Serengeti und vor allem um einiges hügeliger und trockener, jedoch gibt es auch hier einige Großtiere zu sehen.
Ich war zum letzten Mal vor sechs Jahren im Akagera und weiß nur noch, dass ich damals ein wenig enttäuscht war, da sich kaum ein Tier blicken lassen wollte. Die Einheimischen sagten mir jedoch, dass es damals Trockenzeit war und dass jetzt in der Regenzeit die Chancen auf Tiere um einiges besser stehen.
Mit einer kleinen Gruppe geplant und mit einer großen gemacht ging es dann am Samstag los.

Ich hatte schon beim Besuch von Birgit und Klaus gesehen, dass es relativ einfach ist, einen Tripp in den Akagera vorzubereiten und das ein Tag dafür absolut ausreichend ist. Natürlich ist es noch einmal was anderes im Park zu Zelten, aber diese Frage stellte sich angesichts des nicht allzu großen Zeitfensters nicht.
Anfänglich fragte ich einen Fahrer der mir von Freunden empfohlen ist für vier Personen an. Dann kamen noch weitere hinzu, so dass wir im Endeffekt zehn Personen waren. Der abgesprochene Preis von 90000 FRw pro Auto war günstig und Freunde von mir hatten mit dem Fahrer gute Erfahrungen gemacht.

Auf Grund des Umuganda, der all monatlichen Gemeinschaftsarbeit in Ruanda, mussten wir schon um 6 Uhr in Kigali los, da am Vormittag in ganz Ruanda ein Fahrverbot herrscht, damit alle Menschen bei der Arbeit mithelfen. Vorhergesagt war, dass wir etwa 3 Stunden zum Park brauchen würden. Noch in Kigali zeigte sich der Tag von der schönen Seite: Die Sonne blinzelte über die Hügelränder, Nebel zog aus den Tälern. Die Straßen waren leergefegt von Autos, dafür aber bevölkert von Menschen die mit einer Hacke auf der Schulter zur Arbeit gingen.

Nach schlussendlich zweieinhalb Stunden fahrt kamen wir am Südeingang des Parks an. Ein bisschen verschlafen nach der gemütlichen Fahrt nach kurzer Nacht zuvor schrieben wir und für einen Besuch ein. 20 Dollar für foreign residents und 30 Dollar für Touristen ist für ruandische Nationalpark-Verhältnisse ein sehr günstiger Eintritt wenn man es mit dem Nyugwe oder dem Virunga vergleicht. Zusätzlich mussten wir allerdings noch für unsere Fahrer und die Autos bezahlen.

Der uns zugeteilte Guide erklärte uns ein wenig den Park, kam aber schnell zum Punkt: Die Tiere sind alle im Norden. Wir sollten nochmals raus fahren um in der Nähe von Nyagatare, zweieinhalb Stunden nördlich, in den Park zu fahren. Die Fahrt durch den Park dorthin würde 8 Stunden dauern. Nach kurzer, immer noch verschlafener, Diskussion war klar: Außenrum und rein. Vor der Abfahrt dahin als Appetitmacher eine Giraffe angeschaut und drei Zebras, die auch brav zurück schauten.

So war es also schon nach elf Uhr, als wir wirklich den Park betraten, bzw. befuhren. Jedoch hatten wir schon außerhalb in den sanften, weiten Hügeln vor dem Park ein paar Impalas (für die nicht-zoologen Gazellen) beim grasen gesehen. (Meinen Scherz, ob es für die Impalas überhaupt erlaubt wäre den Park zu verlassen, kommentierte der Guide nur damit, das diese ja nicht wüssten wo der Park zu Ende sei. Ironielampe war wohl nicht eingeschaltet)
Kaum drin im Park noch mehr Impalas und dann: Giraffen. Erst eine, dann fünf und am Schluss sicher 15 auf einem Haufen. Zuerst standen sie vielleicht 30 Meter von uns entfernt, dann setzte sich die Herde in Bewegung. Sie schienen keine Angst vor den Autos zu haben, schauten ein bisschen verwundert (zumindest hatte ich den Eindruck, keine Ahnung ob Giraffen verwundert schauen können…., auch keine Ahnung ob sie sich denn wundern können…, naja einfach mal weiter schreiben).

Was sofort auffiel und was ich im Blick hatte: Giraffen haben viel längere Vorder- als Hinterbeine. Der Rücken geht also zu Allerwertesten nach hinten runter. Dies hat zur Folge, dass sie ganz anders laufen als alle Tiere die ich bisher gesehen habe. Durch die langen Beine wirkt auch alles wie in Zeitlupe. Der Galopp sieht unglaublich grazil und anmutig aus. Sehr beeindruckend.

Vom Platz der Giraffen sah man nur 100 Meter weiter einige Zebras stehen. Es sah ein bisschen so aus, als würden sie dort auf uns warten. Also fuhren wir hin um ihnen ihren vermeintlichen Wunsch zu erfüllen. Etwa 20 Zebras standen nahe bei uns, fraßen und schauten. Als wir noch ein Stück weiter fuhren noch mehr davon. Eine große Herde die teilweise stand und teilweise hinter einem Vorderzerba hertrottete. Wenn man mit dem Blick den Weg der Zebras folgte bot sich ein grandioses Schauspiel. Das waren nicht 20 Zebras, da waren sicherlich 100. Über die weite Graslandschaft zogen sie gen Hügel. Sie waren dabei nicht allein. Auch eine Gazellenart namens Topi war in Scharen unterwegs. Seht selbst im Video.

Wir folgten ihnen ein Stück und erspähten am Horizont eine Herde von Büffeln. Große Tiere, 800 Kilogramm meinte der Guide, weit über 100 Tiere zählte ich. Auf fast jedem von Ihnen saß ein Vogel der Parasiten vom Rücken pickte. Wir standen ein paar Minuten neben ihnen und beobachteten sie.

Die ganze Szenerie mutete ein bisschen an wie aus einem kitschigen Disney-Film: Ein weites Tal im Sonnenschein, entfernt sanfte Hügel mit abgestuften braun und grün Tönen. Im Vordergrund die Büffel mit den Vögeln drumrum. Dahinter die Topis die in langen Reihen durch die Landschaft stapften und natürlich die Zebras die mal gemütlich, mal im Galopp umher rannten. Ich bin ja kein Fan von zuviel Kitsch, aber das war einfach schön.

Auf dem Rückweg haben wir dann an einem kleinen See gehalten in welchem Nilpferde waren. Nagut, zumindest Nilpferdaugen und deren wackelnde Ohren, dachte ich am Anfang. Doch nach ein paar Minuten begannen die Nilpferde unglaublich rumzubrüllen und sich im Wasser zu balgen, seht im Video. Ganz schön große Tiere, etwa 1000 Brouchetten scherzte ich zu unserem Guide. Er hatte meinen mach mal auch seltsamen wirkenden Humor inzwischen verstanden und meinte nur trocken: mindestens.

Der Rückweg aus dem Park war angenehm. Sobald wir auf der Straße waren schliefen, zumindest in dem Auto in dem ich saß, alle. Abends um sechs Uhr, nach 3 Stunden durch den Regen fahren waren wir dann auch zu hause und gönnten uns einen guten Kaffee.

Als Resümee würde ich sagen, dass sich der Tripp auf jeden Fall gelohnt hat. Wir haben alle möglichen Tiere gesehen, ich fand die Natur sehr anders als die in Ruhengeri oder Kigali und fand auch, dass wir während der insgesamt 8 Stunden im Auto außerhalb des Parks Spaß hatten. Dazu kommt, dass mir ja sowieso gefällt Dinge zu organisieren die sich ständig ändern um dann hier und da nachzubessern. Auch preislich war es absolut akzeptabel. Wir haben all inclusive, also mit Auto, Sprit, Eintritt, Essen und Trinken 35000 FRw für foreign residents bzw. 42000FRw für Touristen bezahlt. In Euro also 45 Euro bzw. 54 Euro. Für einen Tag Safari in Afrika absolut akzeptabel.

Die Bilder, auch von der Kamera von Anne und Eva findet ihr hier.

Während des Tages habe ich eine #Twitsafari veranstaltet und einen Blog geschrieben den ihr hier findet.

Unten noch wie immer der „Was muss ich Wissen wenn…“-Infoblock

Was muss ich wissen wenn ich den Akagera Nationalpark besuchen will?

Hin, Weg und Durchkommen
Generell gibt es drei Möglichkeiten die Tour zu organisieren.

Die erste ist bei einem Safari Anbieter in Kigali eine Safari mit allem drum und dran zu buchen. Die kosten dann ab etwa 200 Dollar pro Person. Vorteil: Keine weitere eigene Vorbereitung, Nachteil: Teuer und evtl. komische Leute mit im Auto.

Die zweite Möglichkeit ist, selber mit einem gemieteten Auto dorthin fahren. Das passende, also mit ein bisschen Platz und geländegängig gibt es ab etwa 100 Dollar. Nicht vergessen: Da kommt noch Sprit und alles dazu.

Drittens kann man ein Auto mit Fahrer und inkl. Sprit mieten. In unserem Fall haben wir dafür 90000 Francs (115 Euro, 160 Dollar) bezahlt. Nummern von Fahrern bekommt man von bekannten oder man findet die Fahrer selbst auf dem Parkplatz vor dem Mille Collines. In unserem Fall kamen, da wir im Norden des Parks waren nochmals 5000 FRw pro Auto an Extrasprit und 4500 FRw für den Eintritt des Fahrers dazu. Alles zusammen also 100000 FRw, 130 Euro oder 175 Dollar. Das Auto war bei uns mit 5 Gästen besetzt, ein sechster Hätte auch noch rein gepasst. Jedoch daran denken, dass der Guide am Eingang des Parks noch zusteigt.

Vorbereitung
Ansonsten gibt es nicht so viel Vorzubereiten. Ein bisschen Essen einkaufen, bei uns Käse, Brot, Wasser und klare Absprachen über Preis und Treffpunkt ausmachen.

Von der Kleidung sind Zip-Hosen echt zu empfehlen. Somit kann man mit kurzen Hosen im Auto sitzen und sich die Hosenbeine, sollte man mal aussteigen, einfach anzippen und läuft so nicht kulturell unangebracht mit kurzen Hosen rum.

Preise
Der Eintritt ist gestaffelt nach Aktivitäten im Park. Zelten ohne Safari kostet 10 Dollar für foreign residents und 20 für Touristen. Safari kostet 20 Dollar für foreign residents und 30 Dollar für Touristen. Es gibt auch die Möglichkeit für 50 Dollar pro Person für 30 Minuten mit dem Hubschrauber über den Park zu fliegen. Die anderen Preise liefere ich noch nach.
Es müssen keine Tickets vorbestellt werden.

Internetinfos
Es ist ganz schwierig gute Informationsquellen im Netz zu finden. Auf der Seite des ORTPN finden sich nicht einmal die Eintrittspreise, geschweige den irgendwelche Zusatzinformationen.

Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 30. März 2010 um 15:42 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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