Information Access Improvement Project (4) – USB Sticks für das Seminaire

Entstanden ist die Idee vor sechs Wochen, gereift ist sie mit eurer Hilfe, seit gestern ist es Realität: Fast jeder Schüler am Petit Seminarie St. Jean Nkumba hat nun einen eigenen USB Stick auf welchem er seine persönlichen Daten speichern kann und damit nicht nur die Schulcomputer sinnvoller benutzen , sondern auch seine Ergebnisse mit nach Hause nehmen kann. Fast jeder Schüler heißt die der dritten, vierten, fünften und sechsten Klasse, sowie alle Lehrer und Priester haben ein Flashdrive bekommen.

Insgesamt habe ich gestern 186 USB Sticks verteilt. Diese wurden begeistert aufgenommen und ich glaube die Schüler haben auch verstanden, dass es kein alltägliches Vergnügen ist.

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Die Idee:

Generell finde ich ja Weiße die in Entwicklungsländer gehen und dort mehr oder weniger sinnvolle und schöne Dinge verschenken abstoßend. Die gut gemeinte Geste wird schnell zum Eigentor: Dadurch wird der Eindruck untermauert, dass wir Weißen ganz viel haben und das willenlos an alle armen kleinen Negerkinder verteilen. Selbst mit der Ironie beiseite ist das eine schwierige Sache: Wie sollen wir dauerhaft mit Menschen aus ökonomisch ärmeren Regionen auf Augenhöhe zusammenarbeiten, wenn wir ihnen von Anfang an vermitteln, dass wir die reicheren, schlaueren und sowieso besseren Menschen sind?

Gerade vor diesem Hintergrund habe ich mich lange geweigert irgendwelchen monetären Leistungen an der Schule zu erbringen. Dieses Mal habe ich aber eine Ausnahmen gemacht, da ich es für sinnvoll gehalten habe.

Der Computerraum war in einem sehr schlechten Zustand. Nur einer der sieben Computer hat funktioniert, war auf Grund seines langsamen Tempos jedoch nicht dazu geeignet an ihm zu arbeiten. Daniel hat an Weihnachten zusammen mit mir die Computer wieder flott gemacht. Zum Teil neuer Arbeitsspeicher und Festplatten, das Betriebssystem neu aufgesetzt und eine Offline Version von Wikipedia auf Englisch und Französisch drauf gespielt. Damit waren die Grundlagen dafür geschaffen richtig mit den Computern zu arbeiten.

Was allerdings nicht geklappt hat war die Vernetzung. Dazu wäre eine ganz andere Infrastruktur nötig gewesen die auch sehr wartungsintensiv gewesen wäre. Also viel die Wahl auf die Lösung mit einem persönlichen USB Stick für jeden Schüler.

Das Projekt:

Vor sechs Wochen sah ich dann eine USB Stick Versteigerung bei eBay. Da ich aber kein Geld hatte hab ich hier kurzerhand eine spontan-Web2.0-Spendenaktion gestartet, bei der insgesamt 252 Euro an Spendenzusagen von 21 Leuten zusammen gekommen sind. Nachdem das mit dem ersteigern der anvisierten Sticks nicht geklappt hat habe ich mich weiter umgeschaut. Wobei das eigentlich falsch ist: Andere haben sich umgeschaut und geholfen. Als Beispiel ist hier Tim zu nennen: Tim kenne ich nicht. Tim hat über Wolfram bei Twitter was über die Aktion gehört und dann seinem Freund Andreas bescheid gesagt, der zufällig einen Werbemittelvertrieb besitzt und mal spontan 100 USB Sticks gespendet hat. So funktioniert das Web2.0.

Die ganze Geschichte zu dem Tag mit dem höchsten Blutdruck in meinem Leben bekommt ihr in dem Artikel.

Als ich in Deutschland war, habe ich versucht das Geld in USB Sticks umzuwandeln. Nach Verhandlungen mit vielen verschieden Leuten und Firmen habe ich schließlich ein Angebot einer Firma für 86 USB Sticks mit 512 MB für 280 Euro angenommen. Witzigerweise von der Firma die bei eBay die ursprüngliche Auktion laufen hatten.

Damit waren die USB Sticks da, also in Deutschland. Das nächste Problem: Zoll. Also durften die nicht so aussehen, als wollte ich sie verkaufen und ich habe mit meinen Geschwistern Elena, Nathalie, Domenico und Johanna bei meiner Mom die Sticks ausgepackt und Platz sparend wieder eingepackt. (Danke noch mal dafür.)

Die Verteilung:

Nun waren die Sticks also sicher und gut in Ruanda angekommen. Damit sie jedoch von den Schülern wertgeschätzt und nicht verkauft werden war wichtig sie zu personalisieren, sprich auf jeden Stick einen Namen. Auch das ist viel arbeit, aber auch da hatte ich Hilfe. Zusammen mit Eva und Anne, die hier in Ruanda grad ihre Famulatur machen habe ich dann die Sticks bemalt. Anschließend bekamen zwölf Lehrer, sechs Priester und alle Schüler der dritten bis sechsten Klasse einen Stick. Ich habe versucht ihnen zu erklären, dass sie wertvoll sind und auch wenn sie nichts kosten, dass ganze ne teure Angelegenheit ist. Ich glaube auch, dass sie es verstanden haben, bin aber mal gespannt, wie lange es geht, bis der erste kommt und sagt, er habe seinen Stick verloren und einen neuen haben will. Es sind zwar noch ein paar in Reserve, aber das wird nicht laufen.

In der Galerie seht ihr Bilder sowohl vom Auspacken in Deutschland, vom Beschreiben in Ruanda und der Verteilung an der Schule.

Der Dank:

Damals war es echt eine spontane Idee. Ich glaube ja, dass viele Leute bereit sind zu helfen und ein bisschen mit zu machen. Dass es aber so eine große Aktion wird, an der so viele Leute beteiligt sind hätte ich nicht geglaubt.

Der Dank geht an die Menschen die Spenden zugesagt haben und diese hoffentlich auch leisten. Ich habe dazu allen eine Mail geschrieben mit meinen Kontodaten. Sollte jemand keine Mail bekommen haben, aber trotzdem was Spenden wollen, einfach ne kurze Mail an mich. Ihr werdet euer Geld schon los, keine Sorge.

Des Weiteren danke ich allen Leuten die sich nach Sticks umgeschaut und in der Orga tätig waren, besonders Böcksche, Nighti und Tim.

Ganz herzlichen Dank an Andreas für die coole Spende. (Ihr wisst, wenn ihr mal Werbemittel braucht: www.zweyloeven.de)

Dann herzlichen Dank an Elena, Nathalie, Domenico, Johanna, Dad, Toni, Mom und Uta fürs Aus-, Um-, Ein- und Verpacken der Sticks.

Danke an Alexander für den Zollbrief.

Danke an Anne und Eva fürs Namen drauf schreiben.

Danke an alle die die Infos weitergeleitet haben und damit das ganze erst möglich gemacht haben.

Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 17. März 2010 um 14:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Cool 😀
    Schön zu sehen das die angekommen sind und die sich darüber freuen 😀

    Hat ja am Ende alles geklappt.

    Comment: Michi – 17. März 2010 @ 18:05

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