Nyungwe National Park – Viel Wald und ein Wasserfall

Das letzte Mal im August im Nyungwe war es alles ein bisschen übers Knie gebrochen. Trotzdem war es eine schöne Erfahrung mit allerlei interessanten Begebenheiten und glücklichen Zufällen. Nachdem ich nun seit einem Monat quasi als Reiseleiter durch Ruanda reise, war der Nyungwe mal wieder dran. Diese Mal jedoch ein bisschen geplanter, ausgiebiger und vor allem auch billiger, da ich ja seit geraumer Zeit ein lokal resident bin.

Wir starteten früh am Morgen von Butare. Allein schon die Planung dieser Reise hatte es in sich. Das Problem hier in Ruanda ist, dass jeder eine andere Auskunft gibt. Im Zweifelsfall heißt es immer: Yes. Noch am Vortag der Buchung hieß es bei Sotra Tours, einem privaten Busunternehmen, wir müssten die ganze Fahrt von Kigali bis Cyangugu buchen und auch bezahlen um die Teilstrecke von Butare bis zur ORTPN-Station am Nyungwe Nationalpark mitzufahren. Der Bus würde an einer Tankstelle in Butare um 8.30 Uhr vorbeifahren.
Die Auskunft am nächsten Tag: Alles kein Problem. Bus fährt um 7.30 Uhr, kostet 3000 Francs und nicht wie gedacht 4500. Alles klar. Rein in den Bus und los.

Zuerst fährt man eine Stunde bis man die Grenze des Parks erreicht. Ab dann wird waldig. Mal rechts eine Felswand und links dicht bewaldete Täler, mal umgekehrt. Der Bus windet sich die schlechten Straßen hinauf und dann wieder hinunter. Scharfe Rechtskurve, Gegenverkehr, starkes Bremsmanöver. Jedoch immer mit schönem Blick auf die seit Jahrhunderten unberührte Natur. Zwischendurch passieren wir die ostafrikanische Wasserscheide zwischen dem Congo und dem Nil. So manchem Fahrgast wird bei dieser abenteuerlichen Fahrt schlecht. Immer wieder hören wir das typische Geräusch des schwungvollen Lebensmittelauswurfs. Ruander sind komischerweise nicht zum Busfahren gemacht. Warum sie es allerdings trotzdem ständig tun ist eine von mir nicht zu beantwortende Frage. Nach etwa 150 Fahrminuten passieren wir die erste Station des ORTPN im Park, das Uwinka Reception Centre. Hier gehen einige Wandertouren los. Wir wollen jedoch zu den Wasserfällen an der hinteren Parkstation, die Gisakura Reception Centre heißt. Nach guten drei Stunden sind wir dort.

Wie schon beim letzten Besuch im August ist der Andrang eher mäßig. Wir treffen einen ein bisschen konfusen und erregten Kanadier, der eine Chimpasen-Tour gebucht hat und erst hinterher erfuhr, dass er dafür für 150 Dollar zusätzlich einen Jeep mieten muss, der ihn dort hin bringt. Wir studieren erst ml das Angebot des Parks. Er bietet Touren zwischen zwei und zehn Kilometern, sowie den 30 Kilometer langen Congo-Nile-Trail. Wir entscheiden uns für den zehn Kilometer Wasserfall-Trail.

Seit meinem letzten Besuch hat sich die Preisstuktur des Parks geändert. Man bezahlt jetzt nicht mehr einen Preis für jede Tour, sondern verschieden Preise für kurze und lange Touren und eben Tagespreise. Mehr dazu gibt es unten in der Infobox.

Unsere Wanderung beginnt anstrengend: Zuerst geht es an Teefeldern entlang nach oben und unten. Dann hören wir zum ersten Mal den Wasserfall. Er liegt weit unten im Tal. Sicher 150 Höhenmeter. Der Guide, der Clever heißt, zeigt uns, dass wir sehr steil den Berg runter müssen und uns in Schlangenlinien dem Wasserfall nähern. Nach einer Stunde wandern entscheidet sich Birgit, die sich den ganzen Tag schon nicht richtig wohl gefühlt hat, dazu um zu kehren. Der Guide begleitet sie. Klaus und ich warten und spielen Kniffel in einer Teesammelstation. Zu dieser haben wir uns geflüchtet, nachdem Regen eingesetzt hat. Zum Kniffel-Spiel bleibt zu berichten, dass Klaus jede Runde besser wurde, aber nur eines der drei Spiele gewonnen hat. Ich hatte dafür einen Einser-Hand-Kniffel.

Nachdem der Guide wieder da war sind wir den Weg runter ins Tal gelaufen. Ab dem Eingang des Parks waren wir dann in einem unglaublichen Urwald mit großen Bäumen, die oft mit Flechten bewachsen waren. Von den Bäumen tropfte das Wasser des Regens, im Tal rauschte der Fluss. Wir wanderten auf einem schmalen Trail durch die unberührte Natur. Das plätschern kam näher. Dann sahen wir den Wasserfall. Etwa fünf Meter breit und 40 Meter hoch stürzte das Wasser tosend in das unten liegende Flussbett. Oberhalb konnte man noch mehrere kleine Wasserfälle sehen, unten viele Stromschnellen. Auf einem kleinen und ziemlich klitschigen Weg kamen wir noch näher heran bis wir schließlich keine fünf Meter davon entfernt auf einem großen Felsen stehen konnten. Ohne Regenjacke wären wir innerhalb von Sekunden nass gewesen. Der Blick nach oben zeigte, dass wir uns in einem nicht enden wollenden Trichter befanden in welchen der Wasserfall stürzte.

Nachdem wir unser Vesperbrot und die Bananen gegessen hatten mussten wir auch wieder zügig zurück, da wir ja noch nicht wussten wie wir vom Park weiter nach Cyangugu kommen sollten und uns nicht auf den letzten Bus verlassen wollten. Also Rucksack wieder auf und zurück zur Station. Dort wartete Birgit schon mit einem Kaffee auf uns. Danach raus an die Straße.

Dort geschah es. Klaus hatte seine Zigarette noch nicht fertig geraucht und schon hielt ein Bus mit noch genau drei Sitzplätzen. Nichts wie eingestiegen und los ging die wilde Fahrt. Wieder über unzählig viele Schlaglöcher, zum Teil gefüllt mit schlammigem Wasser. Nach einer guten Stunde Fahrt kamen wir in Kamembe an, welches zusammen mit Cyangugu eine Doppelstadt bildet. Schon der Reiseführer wies uns darauf hin, dass das Beste an Cyangugu der Übergang in den Kongo sei. Da ist was dran.

Wir fanden das günstige Home St. Francois um zu schlafen und aßen im besten Hotel am Platz, dem Hotel du Lac. Sauber, günstig, aber nicht mit sehr improvisationsfähigen Personal gesegnet das eine, lecker, kundenfreundlich, aber nicht mit sehr schönem Ambiente ausgestattet, das andere.

Am nächsten Morgen also wieder rüber ins Hotel du Lac zum Frühstücken mit Blick auf den Grenzfluss Rusizi und den zehn Meter entfernten Kongo. Lecker und besonders hervor zu heben ist dabei der Fruchtteller den wir zu jedem Frühstück bekamen, welcher aus leckerer Mango, Maracuja und Bananen bestand.

Leider mussten wir für die Rückfahrt vier Stunden auf freie Plätze in einem Bus nach Butare warten. Dabei konnten wir jedoch Kaffee, die Vorzüge des Handy-Internets und auch das erste Mützig-Radler des Tages genießen.

Apropos genießen: Hier gibts die Bildergalerie.

Ich will den Nyungwe Nationalpark besuchen. Was muss ich wissen?

Anreise/ Abreise:
Aus Kigali fahren diverse private Busunternehmen (Sotra Tours, Atrco/International, Impala, Omega Tours) für 4500 Francs, etwa 5 Euro, nach Cyangugu, von Butare fährt Sotra Tours für 3000 Francs. Es empfiehlt sich mehrmaliges Nachfragen. Die Fahrt dauert knapp fünf Stunden von Kigali und drei Stunden von Butare.
Um an einer der beiden ORTPN Stationen auszusteigen reicht es laut gegen die Scheibe des Busses zu klopfen.
Die Rückreise ist ein wenig komplizierter. Einfach, aber unsicher ist es sich an die Straße zu stellen und mit einem Lifti, also per Autostopp, zurück nach Butare oder nach Cyangugu (etwa eine Stunde) zu fahren. Sicherer ist im Office bescheit zu sagen, die Guides können in Cyangugu anrufen und einen Platz reservieren. Aber Vorsicht, der letzte Bus nach Butare fährt spätestens um 16 Uhr vorbei.

Touren:
Es gibt eine Vielzahl von Nature Walk Touren zwischen zwei und zehn Kilometern von beiden Stationen.
Wanderung vom Uwinka Reception Centre (etwa in der Mitte des Parks):
Red Trail        9 km        6 Stunden    schwierig
Green Trail        1,7 km        90 Minuten    leicht
Blue Trail        3,5 km        3 Stunden    mittel
Grey Trail        2 km         90 Minuten    einfach
Mount Bigugu        7 km        6 Stunden    schwierig
Kamiranzovu Swamp    3,9 km        3 Stunden    mittel
Yellow Trail        3,2 km        3 Stunden    mittel
Pink Trail        3,8 km        3-4 Stunden    mittel
Rukuzi            7,8 km        5 Stunden    schwierig
Uwinka        10,5km    8 Stunden    schwierig

Wanderungen vom Gisakura Reception Centre (am Westende des Parks)
Kamiranzovu Water Fall    10 km    4 Stunden    mittel
Karamba            2km    3 Stunden    einfach

Die Preise sind seit dem Sommer einfacher geworden:
Strecken bis 5 km kosten 40 Dollar für Touristen und 30 Dollar für foreign residens, Strecken darüber 50 respektive 40 Dollar.
Lohnenswert ist es, sich ein bis 3 Tages Ticket zu kaufen: dann können für 70, respektive 55 Dollar in der Zeit so viele Strecken gelaufen werden wie es einem beliebt.

Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit Affen zu besuchen.

Chimpanzen, buchbar von beiden Stationen, kosten pro Tag 90 Dollar für Touristen, 60 für foreign residents. Zusätzlich muss hier jedoch eine Transportgebühr von 150 Dollar für einen Jeep bezahlt werden.

Die anderen Affen, Colobus Monkeys, Mangabeys und Bleu Monkeys kosten pro Tag 70 Dollar für Touristen und 45 Dollar für foreign residents.

Übernachten:
Es gibt auch die Möglichkeit an der westlichen Station des Parks zu zelten. Preise sind 30 Dollar für Touristen und 20 Dollar für foreign residents.
Zusätzlich stehen Gästehäuser zur Verfügung die sicherheitshalber jedoch vorher gebucht werden sollten.

Dieser Beitrag wurde am Sonntag, 17. Januar 2010 um 08:56 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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10 Comments »

  1. Lieber rapha, in Jeans hiken geht ja eigentlich gar nicht!

    Comment: Dominik – 17. Januar 2010 @ 19:02

  2. Und die Quizfrage des Abends lautet: Was kostet der ganze Spaß für lokal residents? 😉

    Comment: Michi – 17. Januar 2010 @ 23:53

  3. Hallo Klaus!

    Comment: Denis – 18. Januar 2010 @ 18:27

  4. @michi wenn du mal lokal resident bist, dann sag ich dir auch was du bezahlen musst. bis dahin müssen die infos hier reichen.

    Comment: rapha – 18. Januar 2010 @ 21:46

  5. Hallo Rapha,

    so wie das aussieht hast du den Nyungwe jetzt richtig mit vorausgehender Planung erkundet. Ich denke trotz dessen bleiben beide Trips in den Wald unvergessliche Erlebnisse 😉 Das eine chaotisch spannend, das andere landschaftlich berauschend!! Denke oft an Ruanda und daran, eine zweite Reise nach Afrika zu unternehmen. Leider gibt es noch keine genauen Pläne, aber das wird sich bald ändern. Lass auf jeden Fall mal via Skype kommunizieren und uns austauschen!! Ich bleibe einfach mal online, da ich nicht weiß zu welchen Tageszeiten du am Rechner sein kannst!
    Viele Liebe Grüße aus Mainz/Allemagne

    Daniel

    P.S. Tut mir leid dass ich deinen Blog zutexte…aber erreich dich sonst nicht 😉

    Comment: Daniel – 08. Februar 2010 @ 12:48

  6. moin rapha,
    sag, hast du infos zu dem congo nile trail? wo geht der los; ein oder zwei tage; wie teuer?
    meine wanderschuhe sind noch unterwegs :-), sobald die eingetroffen sind hab ich aber grosse lust auf ganz viel rumrennen im nyungwe.
    schick mir mal deine emailadresse fuer weiteren austausch…

    simon

    Comment: simon – 08. Februar 2010 @ 15:39

  7. moin rapha!
    sag, hast du infos zum congo nile trail? wo geht der los; wie teuer fuer non-residents; ein oder zwei tage?
    meine wanderschuhe sind noch unterwegs, sobald die eingetroffen sind hab ich jedoch grosse lust auf viel rumrennen im nyungwe.
    schick mir ruhig mal deine emailadresse fuer weiteren austausch…
    simon

    Comment: simon – 08. Februar 2010 @ 15:41

  8. Hallo Simon,

    das einzige was ich vom Congo-Nile-Trail weiß, ist, dass er 30km lang ist. Ich nehme an, dass er an zwei Tagen absolviert wird, da die selbst für die 10km Wasserfall Tour 5 Stunden ansetzen.
    Preislich hab ich keine Ahung, da ich meinen Flyer in Nkumba habe und zur Zeit in Kigali bin. Ich werde aber nachher beim ORTPN vorbei schauen und da nochmal nach Infos fragen. Bis dahin.
    rapha

    Comment: rapha – 09. Februar 2010 @ 07:37

  9. […] ist für ruandische Nationalpark-Verhältnisse ein sehr günstiger Eintritt wenn man es mit dem Nyugwe oder dem Virunga vergleicht. Zusätzlich mussten wir allerdings noch für unsere Fahrer und die […]

    Pingback: rapha in ruanda » Akagera National Park – Da wo die Giraffen wohnen | rapha in ruanda – 30. März 2010 @ 15:42

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