37 Stunden Bus in 5 Tagen – Durch Tansania zurück in die Heimat

pc071203-1Die Fähre von Sansibar erreicht den Hafen von Dar es Salaam. In ihm liegen große Kontainerschiffe und kleine Fischerboote. Direkt am Kai werden wir aufgeregt von Menschen, die sich als Taxifahrer ausgeben, gefragt, ob wir auf der Suche nach einem Verkehrmittel seien.

Es ist 13 Uhr mittags und heiß. Willkommen in Dar es Salaam, willkommen im Stress. Wir flüchten uns in ein Gartenrestaurant, um etwas zu essen und unsere restliche Reise zurück nach Ruanda zu planen.

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pc080001Dar es Salaam ist zusammen mit Mombasa das Handeslzentrum Ostafrikas. Die Innenstadt gleicht dem, wie man sich eine europäische Großstadt in den 1970ern vorstellt, nur ein bisschen heruntergekommener: Graue Hochhäuser, verwaiste Ecken. Wir finden es nicht so spannend und nehmen die Fähre über die Hafeneinfahrt zu unserem Zeltplatz im Sand direkt am Meer, genießen ein Feierabendbier und schlafen früh.

Am nächsten Morgen ist früh aufstehen angesagt. Wir wollen nach Moshi, der Stadt am Fuße des Kilimanjaro. Leider wissen wir nicht, wo und wann ein Bus abfährt. Wir wissen nur, dass es über 700 Kilometer sind. Doch unser Reiseglück bleibt uns auch hier hold: Um 8 Uhr erreichen wir einen Fernbusbahnhof, um halb neun fährt der letzte Bus nach Moshi. Wir verbringen also die nächsten 13 Stunden halb wach, halb dämmernd in dem Überlandbus.

Abends gehen wir in Moshi was essen. Wir treffen Manuel. Manuel ist seit zwei Monaten in der Stadt und betreut verschiedene Projekte. Er hilft einer Witwe ihr Haus fertig zu bauen und arbeitet in einer Schule. Sein neuestes Projekt ist ein Haus für Straßenkinder. Dieses muss gemietet und betreut werden. Er schreibt gerade ein Konzept dafür und holt Genehmigungen ein. Das sehr Bewundernswerte an seiner Arbeit ist die Eigeninitiative. Er ist kein Freiwilliger, es gibt keine Organisation, die ihn schickt, betreut oder finanziert. Seine Arbeit wird komplett von Spenden getragen. Gerade jetzt vor Weihnachten hat ja der ein oder andere ein bisschen Geld, um es für einen guten Zweck zu spenden. Dafür sei euch Manuels  Seite www.afrikahelp.de ans Herz gelegt.

Am gleichen Abend nahmen uns dann deutsche Mädels, die zufällig an der Bar, in der wir saßen, vorbei kamen, mit, um noch das ein oder andere Bier zu trinken. Wir hatten interessante Gespräche über Arbeiten im Ausland, Männer und Frauen und Beziehungen zu Locals. Es war ein sehr schöner Abend.

pc090039Wir entschlossen uns noch einen Tag in Moshi zu bleiben. Leider zeigte sich der höchste Gipfel Afrikas, der Kilimanjaro, nur früh am Morgen. Wir beschlossen in der Nähe eine Wasserfall-Tour zu machen und uns denn Regenwald am Fuße des Berges anzuschauen. Nachmittags trafen wir dann Alina, eine der Mädels vom Vortag und luden uns quasi bei ihr zum Abendessen und schlafen ein. Es war das erste Mal seit fast drei Wochen, dass wir mal wieder kochen konnten.

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Arusha. Eine Stadt, die ich mir ganz anders vorgestellt hatte. Arusha ist Sitz des International Crime Tribunal for Rwanda (ICIR) und ein Ort an dem viele Internationale Organisationen ihren Sitz haben und viele Internationale Verträge ausgearbeitet wurden, das Genf Afrikas. Arusha ist aber anders. Es ist eine mittelgroße Stadt in Tansania. Staubig, provinziell, hektisch. Wir trafen abends unsere Bekanntschaften von Sansibar wieder. Mit ihnen erkundeten wir das lokale Essen und natürlich das lokale Bier: Kilimanjaro.

Am nächsten Morgen rauschten wir wieder mit einem Überlandbus durch die Gegend. Auf dem Weg nach Mwanza, der drittgrößten Stadt Tansanias. Diesmal war die Fahrt nicht ganz so lang, aber um einiges anstrengender. Die ersten sechs Stunden führen wir über Schotterpisten durch die Savanne. Bei jedem Schlagloch wurde dem Körper ein Schlag aufs Rückrad versetzt. An schlafen oder dösen war nicht zu denken.

In Mwanza wurde es dann ein wenig unwirklich. Wir fuhren zu einer Freundin von Judith, der deutschen Medizinerin, die wir auf Pemba und Sansibar getroffen hatten. Dort sollte abends eine Party steigen. Wir bezogen ein Gästezimmer. Nach und nach trudelten die Gäste ein: Ein irischer Fischgroßhändler, eine Gruppe südafrikanischer Goldhändler, ein tansanischer Motoradexpoteur, dazu eine deutsche Freiwillige und ein paar lokale Damen, über deren Beschäftigung wir nur Mutmaßungen anstellen konnten. Jedenfalls war die Party feucht fröhlich und die darauf folgende Nacht sehr kurz.

pc110086Schon am nächsten Morgen stand nämlich das letzte Kapitel unserer Reise an, die Fahrt nach Kigali. Morgends mit einem Bus vom Hafen über eine Fähre, wieder sechs Stunden Sandpiste durch die Savanne, Endstation des Busses in einem ein wenig größeren Dorf, umsteigen in ein public car, ein kleiner Toyota, der im Linienverkehr fuhr, warten an einer Transitstraße. Dort bekamen wir einen Lift von einem ruandischen Geschäftsmann in seinem Jeep. Er sagte, er könne uns mit nach Kigali nehmen. Wir waren nach der inzwischen zehnstündigen Reise sehr froh den Rest der Fahrt so bequem weiter zu kommen. Leider machte dem der tansanische Zoll einen Strich durch die Rechnung. Der Mann mit dem Jeep durfte an diesem Abend nicht mehr aus Tansania ausreisen. Wir schon. Also liefen wir zu Fuß über die Grenze an den Rusumo Falls. Auf der anderen Seite fuhr abends um sechs Uhr natürlich kein Bus mehr. Also traten wir in Verhandlungen mit dem letzten verbleibenden Taxi. Die Preise für die 150 km Fahrt erschienen uns allerdings sehr hoch. Wir entschlossen uns daher mit einem kleinen LKW, für welchen wir jedoch auch einen hohen Preis bezahlten, nach Kigali zu fahren. Nachts um zehn Uhr erreichten wir wieder gewohntes Terrain, also die Freiwilligen-WG Apabena in Kigali.

Am Montag den 14. Dezember fuhren wir nach 24 Tagen wieder mit dem Virungabus mit Blick auf die Vulkane nach Ruhengeri ein.

pc110085pc130113Viel erlebt, viel zu verarbeiten, viel zu erzählen. Danke an alle, die uns auf unserer Reise so hautnah begleitet haben und mit denen wir unsere Eindrücke teilen konnten.

Bilder der letzten Etappe sehr ihr hier von Dar es Salaam und Moshi,  sowie hier von Arusha und Mwanza. Bilder von der gesamten Reise in der Galerie.

Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 24. Dezember 2009 um 09:53 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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3 Comments »

  1. hey die party hat ja nen abgefahren eindurck hinterlassen..dazu wurde uebrigens mein handy geklaut!

    frohe weihnachten euch!!!!

    Comment: Judith – 24. Dezember 2009 @ 14:09

  2. Eigentlich müssen doch eher wir dir danken, dass wir die Reise miterleben durften 😉

    Euch allen heute Abend ein schönes und gesegnetes Weihnachtsfest.

    Comment: Michi – 24. Dezember 2009 @ 15:19

  3. Oh, was für schöne Fotos, sehr eindrucksvoll!
    Von Ruanda hört man eigentlich nie viel, wenn es um Afrikareisen geht, meistens immer Kenia, Tansania, Südafrika und Namibia, aber Ruanda? Aber die Bilder zeigen, dass das Land eindeutig eine Reise wert ist. Das Regenwaldbild finde ich besonders schön, es macht so einen frischen Eindruck =)
    Es war aber sicher sehr heiß und stickig da!

    Comment: Jens – 24. Januar 2010 @ 15:53

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