Sansibar – Hochzeit der Kulturen

pc031069Nachdem wir die eineinhalb Tage auf Pemba damit verbracht hatten, unsere Überfahrt nach Sansibar zu organisieren, konnten wir Donnerstagabend mit der Nachtfähre übersetzen. Zuvor haben wir den wohl kitschigsten Sonnenuntergang unserer bisherigen Reise gesehen: Von der Lodgeterrasse aus sahen wir aufs Meer, in dem sich die Sonne spiegelte. Ein malerisches Wolkenspiel von zartrosa, über azurblau, bis hin zu einem kräftigen orange war am Horizont zu sehen. Im Vordergrund umrandeten Palmen das Spektakel, wie bei einem Scherenschnitt. Nach dieser eindrucksvollen Farbexplosion verabschiedete sich die Sonne, verschwand hinterm Meer und überließ dem Vollmond den Himmel. Anmutig stieg er den tiefblauen Himmel empor, umsäumt von einem goldenen Sternenmeer.


pc031098Zeitgleich machten wir uns auf den Weg zum Hafen und richteten unser Nachtlager vorne am Bug der Fähre zwischen Bananen, Mangos, Einbaumkanus, Bussen und einer Ziege ein. Rapha hat mitgeholfen, diverse Bananenstauden und Mangosäcke vom Kai aufs Schiff zu verladen und einem anderen Passagier erklärt, wie man photografiert. Als wir abgelegt hatten, haben wir Chapatis und Hefeschnecken zu Abend gegessen und uns dann auf unsere Isomatten gelegt, wo wir überraschend gut geschlafen haben.
In der Früh um vier sahen wir die ersten Lichter von Sansibar auftauchen und waren kurze Zeit später schon im Hafen eingelaufen. Noch etwas schlaftrunken machten wir uns auf den Weg zum Serenahotel, wo wir den obligatorischen Cappuccino trinken wollten. Nicht weit vom Hafen entfernt trafen wir Taki, einen Sansibaren bei seinem Morgenspaziergang, der uns durch die kleinen Gassen führte und den Weg zum Hotel zeigte. Doch leider gab’s im Serena erst ab sieben Cappuccino, also sind wir weiter gelaufen und haben schließlich in der Manchlodge ein Zimmer bekommen. Nach einem leckeren Frühstück mit Pfannkuchen und Ananas sind wir losgezogen, um Stonetown zu erkunden. pc041128Die Altstadt besteht aus vielen kleinen verwinkelten Gässchen, in denen es zwar schattig, aber dennoch sehr heiß ist. Auch nach drei Tagen ist es mir noch schwer gefallen sich zu orientieren, denn aufgrund der engen Gassen und relativ hohen Häusern sieht man nicht wirklich, wo man sich befindet. In der ganzen Stadt ist der Esprit unterschiedlicher Kulturen zu spüren: Moscheen neben Kirchen, indische Kleiderhändler neben arabischen Gewürzläden und afrikanischen Masaischmuckständen. Durch die Gassen fahren viele Fahrräder und Roller, an vielen Ecken gibt es Sambosas und Chapatis zu kaufen und kleine Kinder spielen Murmeln.
Doch trotz der ganzen Idylle, wirkt vor allem die Hauptgasse sehr touristisch ausgeschlachtet und wenig authentisch. Der Markt hingegen ist wieder sehr afrikanisch.
Auf unserem Weg durch die Stadt kamen wir am Haus des ehemaligen Sklavenhändlers vorbei und wurden eingeladen, es uns auch von innen anzuschauen. Das war sehr interessant und witzig, da der Kerl, der uns das Haus gezeigt hat, selbst dort gewohnt hat.

Am späten Nachmittag haben wir uns mit Judith und ihren Leuten getroffen, um gemeinsam schwimmen zu gehen. Sie hatten wir auf Pemba am Hafen kennengelernt: eine junge Medizinstudentin aus Mwanza, die von fünf Leuten Besuch hatte.
Am Abend sind wir zusammen Essen gegangen: in einem lokalen Restaurant haben wir Gewürzreis mit Gemüse, Fisch und Muscheln gegessen. Sehr lecker, vor allem ein starker Kontrast zur ruandischen Küche, die außer Pilipili gewürztechnisch kaum etwas zu bieten hat.
Den weiteren Abend verbrachten wir in verschiedenen Bars: zuerst eine Bar mit Livemusik am Strand, dann ein ziemlich abgefuckter Reggaeschuppen in irgendeinem Hinterhof und schließlich sind wir in einem klimatisierten (!) Club bis morgens um vier tanzen gegangen.

Aufgrund des exzentrischen Abends am Vortag, verlief der Samstag sehr ruhig. Erst am Nachmittag haben wir das Hotel verlassen. Während ich den Einkaufsmöglichkeiten gefrönt habe, hat Rapha sich bei einem Kaffee in die Philosophie vertieft.
Abends haben wir die kulinarischen Köstlichkeiten des Foodmarkets ausprobiert und anschließend sind wir wieder in den Reggaeclub gegangen.

Sonntagmorgen haben wir den Gottesdienst der katholischen Kirche besucht. Die Kirche war architektonisch wesentlich spannender als ruandische Kirchen, jedoch erinnert die Gestaltung der Messe eher an europäische Messen. Es wird weder geklatscht, noch getrommelt oder getanzt wie in Ruanda. Aber auch wenn wir nichts verstanden haben, der Gottesdienst war natürlich auf Kiswaheli, war es sehr interessant.
pc061150Anschließend haben wir uns eine Vespa geliehen und sind über die Insel gecruist: den Fahrtwind im Haar, die Schlaglöcher im Blick und das Motorengeräusch im Ohr. Auf dem Weg in den Norden der Insel hat sich die Landschaft ziemlich verändert. Nachdem wir Stonetown verlassen hatten, fuhren wir durch Bananen- und Mangowälder, kleine Dörfer mit Marktständen am Straßenrand und kamen schließlich zum Leuchtturm an der Nordspitze der Insel, Sand- und Grautöne das intensive Grün und Rot ablösen. Nach einem kleinen Imbiss am Strand sind wir zurück durch den östlichen Teil der Insel gefahren und haben in einem kleinen Café am Flughafen Cappuccino getrunken.
Nachdem wir am Hafen Tickets für die Fähre nach Dar es Salaam gekauft hatten, sind wir an den Strand gefahren und haben nach dem Schwimmen das letzte Mal die Sonne hinter dem Meer zu Bett gebracht.
Als es nicht mehr ganz so heiß war, sind wir wieder zu Lukmann Essen gegangen und haben den Abend mit einem Bier in einer sehr versteckten Kneipe abgeschlossen, bevor wir uns heute Morgen auf den Weg richtung tansanisches Festland gemacht haben.

Bilder findet ihr wie immer in der Galerie.

Dieser Beitrag wurde am Montag, 07. Dezember 2009 um 20:08 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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4 Comments »

  1. und ich dacht schon der rapha schreibt plötzlich so blumig… dabei warst du es gar nicht 🙂 steckst wohl noch im philosophieren 😉 ich hoffe es kommt was bei rum!
    merci bien pour la carte postale!

    Comment: Dominik – 08. Dezember 2009 @ 00:15

  2. also hier der geforderte Kommentar von mir (-:
    An den ersten Zeilen dieses Textes hab ich schon erkannt, dass du das geschreiben hast, Klara. Dein Schreibstil ist einfach zu schön!
    Es hört sich alles sehr gut und spannend und blumig(-: an,
    Vielen dank, Rapha, für deine Karte!

    Comment: Franzisca – 11. Dezember 2009 @ 21:12

  3. Hallo Rapha, hallo Klara,

    ha, gefunden. Grüße wieder aus dem eisigem (-18°C) Deutschland. Leider is unser Urlaub vorbei. War chic Euch getroffen zu haben. Hatten sehr viel Spass, trotz Kopfschmerzen 😉 Hoffe es geht Euch gut und Ihr geniest die Zeit in Ruanda.

    der Denis

    Comment: Denis – 23. Dezember 2009 @ 18:10

  4. hey ihr dort drueben..schoen endlich mal was von euch zu hoeren..naja mein handy wurde doch wirklich auf der party, auf der wir zusammen das letzte mal gesichtet wurden, geklaut…und so wart ihr weg am naechsten morgen und ich wohl zu betrunken am abend, um mal eine adresse klar zu machen! there i am!
    und wuensche euch frohe weihnachten!!! regnets bei euch auch? naja meine stimmung koennte besser sein, aber der 24. ist irgendwie immer speziell wenn man nicht bei seiner familie ist…da warte ich doch lieber auf morgen!
    ganz liebe gruesse aus mwanza…ich hoffe ich schaffs euch auch zu besuchen!
    viel spass! eure judith

    Comment: Judith – 24. Dezember 2009 @ 14:01

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