Nairobi – Is this Africa?

pb240721Die Nacht im Bus war wechselhaft. Zu Beginn war es unangenehm warm. Die Fahrt aus Kampala raus hat sich ewig hingezogen. Zuerst kam der Bus aus Kigali zu spät, dann eine Polizeikontrolle, dann noch Tanken. Klara und ich saßen im Bus und schwitzten. Mitten in der Nacht plötzlich ein Kälteeinbruch. Fenster zu, aber trotzdem gefroren. Zwischendurch hatten wir den Eindruck, dass wir mitten im Busch sind. Die Straße war einem Schotterweg gewichen.

Nachts um 23 Uhr dann der Stopp an der Grenze nach Kenia. Wie immer Ausreisekontrolle, Formblatt ausfüllen, Visum beantragen, Einreisekontrolle. Alles Problemlos.
Morgens um 8 Uhr kamen wir in Nairobi an. Allein die Fahrt in die Innenstadt war beeindruckend: Viele Autos und echte Hochhäuser. Wichtig: Kopfmäßige Umstellung auf eine neue Währung. 1 Euro entspricht etwa 110 kenianischen Schillingen.

Wir sind zuerst mit dem Taxi in ein vermeintliches Hostel gefahren, welches leider ein Hotel war. Wenn schon Hotel und teuer, dann wenigstens ins Serena. Dort gab es einen guten Capuccino und ein leckeres Frühstück für schlappe 20 Euro.
pb240662Durch einen Tipp von James, einem der Engländer, die wir in Kampala getroffen haben, kamen wir in das Hostel Upperhill Camp Site. Es liegt ein wenig außerhalb, ist aber gut mit dem Bus erreichbar. (Das fanden wir übrigens erst heraus, als wir mit unseren schweren Rucksäcken schon eine gefühlte Ewigkeit durch die Mittagshitze gelaufen waren.)
Es ist ein nettes kleines Hostel mit angeschlossener Campingwiese.
Wir wollten aber zuerst die Stadt erkunden, von welcher wir schon vieles gehört hatten. 1997 der Bombenanschlag, 2008 die Ausschreitungen nach den Parlamentswahlen und vor allem auch die schlechte Sicherheitslage.

Unser erster Eindruck war sehr positiv: Wir konnten unbehelligt durch die geschäftige Stadt schlendern, kaum jemand beachtete uns. Nairobi wirkte wie eine gut entwickelte westliche Metropole mit vielen Geschäftsmännern und -frauen die in der Mittagspause mit Kollegen Essen gingen. Wir sind einfach ziellos umhergestreift und haben alles in uns aufgesogen. Auffällig war im Kontrast zu Kigali auch, dass die Menschen viel älter zu sein schienen und wir am ersten Tag keine einzige Frau mit einem auf den Rücken gebundenen sahen. Das waren wir aus Ruanda gar nicht mehr gewohnt. pb230652Einem der Phänomene in Nairobi gingen wir relativ exzessiv nach. Wir nutzen die schönen, meist im ersten Stock gelegenen Terrassenrestaurants zum Essen oder um ein heißes Zitronenwasser zu trinken.
Abends fuhren wir relativ früh, also knapp nach Einbruch der Dunkelheit, zurück ins Hostel, da uns empfohlen wurde abends nicht durch die Stadt zu laufen. Wir fühlten uns jedoch in jedem Augenblick sehr sicher, die Menschen waren freundlich und hilfsbereit. Zur Beruhigung: Wir waren jedoch immer vorsichtig und sind kein Risiko eingegangen.
Ganz anders als zum Beispiel in Kigali war auch das kulturelle Angebot. Wir haben das Nairobi National Museum besichtigt, in welchem die reiche Tierwelt Kenias und auch die Entwicklung der Menschheit nachgezeichnet wurde. Ein Besuch am kenianischen Parlament und dem Mausoleum des Staatsgründers und Vaters aller Kenianer Kenyatta durfte nicht fehlen.
Heute sind wir dann ein bisschen in die östlichen Bezirke gegangen. Dort waren wir auf dem Markt, wo wir zum ersten Mal hier als Muzungu bezeichnet wurden. Jedoch in einer viel unaufdringlicheren Form. Der Markt wirkte um einiges unorganisierter und wesentlich dreckiger als zum Beispiel der Markt in Ruhengeri. Wir genossen es trotzdem sehr. Vor allem auch die Tatsache, dass es hier kein Problem ist in der Öffentlichkeit zu essen. Eine köstliche britische Wurst auf die Hand ist einfach eine gute Sache.
Essen ist sowieso ein gutes Stichwort: Auf die Frage, ob es in einem Restaurant denn auch was anderes außer Fleisch zu essen gäbe, bekamen wir zwei mal die Antwort: Natürlich! Wir haben auch Hühnchen. An der Auswahl der Restaurants merkt man sehr den britischen Einfluss. Es gibt viele Fish and Chips Schnellimbisse, Senf zum Spiegelei und Lager Bier.
Wir sind weiter unserer Mission nachgegangen alle einheimischen Biersorten zu probieren, jedoch ist bislang keins an unser geliebtes Mützig rangekommen. Entweder waren sie nicht spritzig genug oder schlichtweg zu ölig im Geschmack.
pb250753Nairobi ist nicht nur wegen des großen Flughafens das Zentrum Ostafrikas. Hier trifft sich alles. Tradition und Moderne, Kigali Road und Parlament Road. Das Stadtbild in der Innenstadt wird dominiert von großen modernen Häusern und breiten Straßen, die von unzähligen bunten Matatus überlastet sind.
Viele nicht so moderne Gebäude wirken wie aus längst vergangener Zeit. Das Postamt, an welchem wir sowohl die obligatorischen Nairobi Postkarten als auch handgemalte Masaii Postkarten in die ganze Welt verschickten, war eingerichtet wie man sich ein 50er Jahre Postamt vorstellt: Eine große Halle mit unzähligen Schaltern, viel Holz und einem kalten Fliesenboden. Ähnlich sieht auch der Bahnhof von Nairobi aus. Irgendjemand muss ihn in den 50ern vergessen haben. Die Fahrkarten werden in einem kleinen Büro verkauft, auf dessen Schild: „Tickets, Billets, Fahrkarten“ steht. Auf Gleis 1 steht der Zug, der die nächste Etappe der Reise einläutet: Der Nachtzug nach Mombasa.
pb240676Während der ganzen Zeit in Nairobi habe ich mich sehr wohl gefühlt. Die Mischung aus Großstadt und Afrika, aus Geschäft und Kultur, aus Chaos und Ordnung, aus Anonymität und Anderssein hat mich fasziniert. Bei unseren Gesprächen zwischendurch wurde mir klar, dass ich mir gut vorstellen kann hier einmal länger zu bleiben und zu arbeiten. Das ist für mich der gangbare Mittelweg zwischen den Dingen und vielleicht auch Welten, die ich mag.

Nachdem wir durch die sehr armen, an Slums erinnernden, Vorstadtviertel aus Nairobi raus gefahren sind, sitzen wir im oben schon angesprochenen Nachtzug, ich schreibe diesen Artikel und Klara ihr Tagebuch. Wir haben uns für die Fahrt eine gute Flasche Rotwein gekauft, die wir gerade trinken und hoffen morgen auf dem Weg durch den Nationalpark noch ein paar Tiere zu Gesicht zu bekommen. Somit würden wir auch die ländliche Seite Kenias entdecken.

Bilder von Nairobigibts in Galerie.

Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 25. November 2009 um 21:19 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

«  –  »

2 Comments »

  1. „Bei unseren Gesprächen zwischendurch wurde mir klar, dass ich mir gut vorstellen kann hier einmal länger zu bleiben und zu arbeiten.“
    Spinnst du?! Du kommst gefälligst wieder nach Deutschland zurück!

    (P.S. Ganz so gut war das Internet im Nachtzug wohl doch nicht. ;-))

    Comment: Dominik – 25. November 2009 @ 21:56

  2. Hallo ihr beiden!
    Ich habe gerade begonnen eure Reise mitzuverfolgen und es ist besonders interessant für mich, weil ich die Eindrücke aus Kampale kenne und teilen kann. Bei Nairobi bin ich bereits ausgestiegen und wäre gerade am Liebsten mit euch unterwegs, um noch mehr von Afrika kennen zu lernen!
    Ich wünsche euch weiter eine gute Reise und viel spannende und andere Begenungen und Erlebnisse!
    Alles Liebe und Gut Pfad aus Dresden!

    Eure Karin

    PS Gerade waren meine Rover da und ich habe ihnen über Beamer unsere Afrika-Bilder gezeigt!

    Comment: Karin – 25. November 2009 @ 22:13

Leave a comment

 

Powered by WordPress – Design / Umsetzung: Daniel Lienert