Party auf dem Land – Deutschland trifft Ruanda

img_2419Letztes Wochenende war es dann soweit: Zum ersten Mal in meiner Zeit in Nkumba hatte ich viele Leute eingeladen. Grund dafür war die „7 Tage vor Geburtstag, 34 Tage nach Namenstag und 27 Tage vor Halbzeit-Party“. (Vielleicht wäre eine Geburtstagsparty am 14. November einfacher gewesen, aber der Termin hat nicht gepasst.)

Ich hatte alle Auswärtigen für das ganze Wochenende eingeladen. So war die Entscheidung zu kommen einfacher und außerdem musste ich nicht die ganze Party alleine vorbereiten. Zusammen mit dem Partykomitee Klara und Florian aus Ruhengeri haben wir in den Wochen vorher einen Plan gemacht, was wir brauchen und vor allem wie viel. Da kommt ganz schön was zusammen, da wir alles von außerhalb in ausreichende Menge kaufen mussten. Am Samstagabend noch schnell zur Tanke gehen und Bier nachkaufen geht ja nicht.

img_2398Die Vorbereitung ging also schon die Woche vorher los. Ich war fast jeden Tag mit einem großen Rucksack in Ruhengeri um diverse Dinge einzukaufen. Ohne Auto ist das eben schwierig. Manche Sachen, wie etwa den 50kg Sack Kartoffeln, im übrigen für insgesamt 7 Euro, konnte ich zum Glück in Gahunga, 4 km oberhalb von Nkumba, kaufen und mit meinem Fahrrad nach unten bringen. Die Tomaten hat Florian bei seinen Gemüsefrauen um die Ecke vorbestellt und die Ziegen, die geschlachtet werden sollten, hat der Koch der Priester für uns besorgt. Außerdem muss natürlich auch genug zu trinken da sein.

Am Freitagabend kamen dann schon 13 Leute an. Die meisten in der Dunkelheit, einige auch erschöpft, da sie aus Gisenyi 60 Kilometer nach Nkumba gewandert sind. Auf jeden Fall gab es Nudeln mit Tomatensoße für alle und natürlich auch Mützig und Primus, die beiden einheimischen Biersorten. Der Abend war entspannt und gemütlich.

img_2405Samstags gab es dann verschiedene Gruppen: Am Vormittag teilte sich alles in die Ziegenschlacht- und die Spaziergangsgruppe. Sollte sich jemand Sorgen machen, dass die Ziegen leiden mussten: Natürlich haben wir sie nicht selber geschlachtet, sondern diese Aufgabe in die professionellen Hände des Priesterkochs Daniel und des Kuhhirten Sensoga gelegt. Wir waren nur als Zaungäste dabei. Nachmittags haben sich dann wieder alle zum Kartoffelschälen getroffen. Insgesamt 40 kg Kartoffeln mussten geschält, auf 4 Kohlekochern gekocht und anschließend frittiert werden. Dazu haben wir Reis für den Reissalat gekocht und Tomaten für den Tomatensalat geschnitten. Um 6 Uhr Abends tauchte dann auch Daniel auf, der in der Küche die Brouchetten zubereitete. Andere waren damit beschäftigt mein Wohnzimmer für die zu erwartenden 40 Gäste zu präparien. Anfänglich achteten sie dabei noch auf ein bisschen Atmosphäre, am Schluss ging es nur noch drum alle darin unter zu bringen. Pünktlich um kurz nach 7 Uhr trafen dann auch die Gäste ein. Neben meinen Nachbarn und Lehrerkollegen waren dies die Priester der Schule und auch mein Mentor Fabien.

img_2433Die Party sollte eine Deutsch-Ruandische werden und deshalb eröffnete der Master of Ceremony Linus den Abend. Die erste Rede war von Fabien, der darin betonte wie gut ich mich in der ruandischen Gesellschaft eingefügt habe. Komischerweise belegte er das damit, dass ich mit meinem Schrottfahrrad verbotenerweise in die Innenstadt von Ruhengeri fahre und die ganze Zeit zu Fuß unterwegs bin. Danach kam Father Wilson an die Reihe. Er war zum Zeitpunkt der für ihn geplanten Eröffnungsrede leider gerade dabei sich lautstark nach neuem Bier zu erkundigen. Gefolgt wurde seine kurze und relativ konfuse Rede von einer pantomimischen aber trotzdem Viersprachigen Aktion von Klara, Sarah, Florian und Linus, die mich anhand von Schildern welche sie in die Höhe hoben charakterisierten und sich so einen rapha kochten. Später lobte nochmals meine Nachbar Jean-Pierre unsere gute Nachbarschaft und dankte für die Einladung zur Party. Mir blieb am Schluss nur noch mich bei allen zu bedanken und das große deutsch-ruandische Buffett zu eröffnen.

Pünktlich war alles fertig geworden. Es gab die Brouchetten, frittierte Kartoffeln, schwäbischen Kartoffelsalat, Reissalat, Tomatensalat und auf dem Grill geröstete Kochbananen. Die Menge war sehr ausreichend und alle 50 Personen die da waren wurden satt. Anschließend verteilte sich die Party auf das Lagerfeuer im Innenhof, das Wohnzimmer und meinen Balkon vor dem Haus. Verschiedene gemischte Gruppen von Ruandern und Deutschen unterhielten sich, tranken und feierten. Als ich um halb 2 dann ins Bett wollte fragten meine Nachbarn wo denn diese Leute alle schlafen sollten. Als ich darauf auch keine ausreichende Antwort parat hatte fingen sie kurzerhand an ihre Gästematratzen ins Wohnzimmer zu tragen. Dies erwies sich als sehr vorausschauend, da alle Schlafgelegenheiten von den 24 Übernachtungsgästen auch benötigt wurden. Alle Zimmer waren belegt.

img_2447Am nächsten Morgen als ich aufgestanden bin sah das Haus unglaublich schlimm aus. Überall lagen Leute oder Flaschen, der Innenhof glich einem Schlachtfeld. Überall leere oder fast leere Schüsseln, in der Küche noch eine halbe Ziege und der Boden übersäht mit Kronkorken. Aus den beiden Klos roch es sehr unangenehm, da es seit dem frühen Samstagabend das Wasser ausgefallen war. Das war jedoch kein Grund nicht erst einmal ausgiebig zu Frühstücken. Pünktlich zum Beginn der Aufräumarbeiten verabschiedeten sich die ersten Gäste. Das große Problem war, dass es auch zu diesem Zeitpunkt kein Wasser gab und so das spülen sehr mühsam und aufwändig war. Gegen Mittag war dennoch das größte Chaos beseitigt. Als dann ein Gewitterregen danieder prasselte beschlossen Philou, Florian und ich, sowohl den Innenhof, als auch die Küche zu fluten und uns bei der Gelegenheit auch mal wieder zu waschen.

Am späteren Nachmittag war der Großteil der vergangenen Nacht beseitigt und wir konnten den von Florian und Carina selbst aus Dickmilch hergestellten Käse genießen. Den Abend ließ ich mit Klara, die glücklicherweise bis Montag blieb, bei einem Glas Rotwein ausklingen lassen.

Montags war ich den ganzen Tag angepisst. Ich kann nicht mal sagen wieso. Das Problem war, dass es immer noch kein Wasser gab und es so nicht möglich war das ganze Haus zu putzen. Ständig stand irgendjemand von den Schulmitarbeitern vor der Tür und fragte nach etwas zu trinken. Lichtblick waren nur meine Kollegen, die immer wenn sie sahen, dass etwas zu tun war, kamen und halfen. Gerade beim Verladen der 20 Getränkekisten auf den Schulpickup war das eine große Hilfe. Ich bin dann mit einem unserer Pfarrer in ein anderes Dorf gefahren um diese dort abzugeben. Am späten Nachmittag habe ich dann noch Klara mit meinem Fahrrad hoch zur Straße gefahren.

img_2458Auch der Dienstag ging noch vollständig fürs Aufräumen drauf. Die große Frage war: Was mit dem ganzen Müll machen. Das Prinzip der Mülltrennung auf der Party hat leider nicht funktioniert, so dass in meinem Innenhof 3 Kartons und 4 Tüten unsortierten Mülls standen. Auf Nachfrage meinte mein Nachbar: Verbrennen und den Rest vergraben. Eine Müllabfuhr gibt es nämlich leider nicht. Also habe ich ein großes Kohlefeuer gemacht und bin zur Tat geschritten. Es ist ein sehr komisches Gefühl leere Plastikflaschen und Verpackungen zu verbrennen, aber es geht. Gegen Mittag kehrten auch das Wasser und der ab und an ausgefallene Strom zurück, so dass ich das ganze Haus mal richtig durchschrubben konnte. Wie so was geht könnt ihr in einer Archivaufnahme hier sehen.

Alles in allem würde ich sagen, die Party war echt eine gute Sache. So haben die meisten meiner Freiwilligenkollegen mal mein Haus gesehen und auch die Verbindung zu meinen Nachbarn wurde so noch tiefer und beidseitiger. Das Konzept der deutsch-ruandischen Party ging voll auf. Meine anfängliche Angst eine Muzungu-Party auszurichten bei der noch ein paar Ruander als Dekoration da sind hat sich als nicht richtig rausgestellt. Schön war auch die Mithilfe aller bei der Planung, der Vorbereitung, der Durchführung und der Beseitigung des Partychaoses. Ich freue mich nach wie vor hier zu sein und mit so netten Menschen in solch einem spannenden Land Zeit verbringen zu können.

Alle Bilder könnt ihr hier nochmal gesammelt sehen.

Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 12. November 2009 um 15:07 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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5 Comments »

  1. Man ist die Ziege süß, ob ich die hätte essen können wüßte ich nicht.
    Irgendwie habe ich seit meinem Italienurlaub einen Ziegentick

    Comment: Michi – 12. November 2009 @ 18:06

  2. Boah. Eigentlich wollte ich gleich in die Kantine, aber nachdem ich jetzt die Ziegenbilder gesehen hab, ist mir doch etwas flummig zu Mute 😉
    Scheint eine tolle Party gewesen zu sein, das Lesen dieses Artikels hat richtig Spaß gemacht!
    Grüßle,
    Gabi

    Comment: Gabi – 13. November 2009 @ 11:33

  3. […] die anderen deutschen Freiwilligen. Das hat mich jedoch nicht davon abgehalten, letztes Wochenende eine schöne Party zu schmeißen. Dieses Wochenende, das eigentliche Geburtstagswochenende, sollte deswegen ein bisschen ruhiger […]

    Pingback: rapha in ruanda » Geburtstag in der Ferne | rapha in ruanda – 16. November 2009 @ 17:05

  4. woher kommt die große ruandische Flagge? geschenkt oder kann man die jetzt doch irgendwo kaufen?
    lg

    Comment: Betty – 23. November 2009 @ 17:24

  5. die flagge ist geliehen von linus. scheinbar kann man die bei ebay für 5 euro kaufen. Ich hab aber noch keine eigene. Wer also noch ein weihnachtsgeschenk sucht…

    Comment: rapha – 24. November 2009 @ 08:35

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