Visum

img_2361Die Geschichte meines Visums ist ja schon eine ganz schön lange. Sie beginnt an einem sonnigen 2. Juni um 12 Uhr am Flughafen in Kigali, meinem ersten Tag hier. Bei der Einreise bekomme ich einen Stempel in den Pass. Mir wird gesagt, dass ich nun ein 90 Tage Touristenvisum habe und in dieser Zeit mein Arbeitsvisum beantragen soll. Also keine Eile. Auf dem Einführungsseminar der DED Freiwilligen Ende Juli heißt es nun aber, dass man nur drei Tage Zeit hat das Visum zu beantragen. Bei der Rücksprache mit meinem Mentor Fabien einigen wir uns darauf, dass er sich mal umhört, da meine drei Tage zu diesem Zeitpunkt schon um deren 50 überzogen sind.

Fahrt 1: Die Woche drauf fahren Fabien und ich also zum Immigration Office nach Kigali. Hier bekomme ich eine Liste der Dinge die ich vorlegen soll um das Visum zu bekommen: Ein Anschreiben, ein ausgefülltes Formular, ein Zahlschein über 50.000 Francs, meinen Lebenslauf auf Deutsch und Englisch, mein Uni Zeugnis auf Deutsch und Englisch, ein polizeiliches Führungszeugnis, ratet mal, auf Deutsch und Englisch, mein Arbeitsvertrag, ein Schreiben der Schule und ein Passphoto. Natürlich müssen die Übersetzungen von der deutschen Botschaft hier beglaubigt sein. Nachdem all diese Dinge nicht so einfach zu besorgen sind soll ich zuerst einmal ein Visum für 2 Monate beantragen.

Fahrt 2: Wieder fahr ich nach Kigali. Während ich meine Sachen abgebe, höre ich wie nebenan eine Amerikanerin diskutiert und mit einem Internet Ausdruck wedelt auf dem steht, dass sie als Freiwillige die weniger als 5.000.000 Francs im Jahr verdient nur 10.000 Francs für ein Visum bezahlen muss. Ich steige in die Diskussion ein und will auch nur 10.000 Francs bezahlen. Nach einer halben Stunde wird dies auch akzeptiert. Ich gebe alle Sachen ab und soll drei Tage später eine SMS bekommen.

Fahrt 3: Ich bekomme eine SMS: Your visa application has been denied. Reason: Pay 60.000 Francs. Also wieder nach Kigali. Mir wird vorgehalten, dass ich nicht innerhalb von 30 Tagen nach Einreise mein Arbeitsvisum beantragt habe. Ich soll Strafe bezahlen. Nach längerem Verhandeln akzeptieren die Immigration Leute, dass ich 90 Tage Zeit habe. Nun meinen sie aber in meinem Vertrag steht, dass ich am 2. Juni angefangen habe zu arbeiten. Das ginge mit einem Touristenvisum nicht. Ich bin sehr darum bemüht ruhig zu bleiben, was mir nicht so richtig gelingen mag. Also werde ich zum Beruhigen zurück gestellt. 20 Minuten später entschuldige ich mich in aller Form und akzeptiere die Strafe.

Fahrt 4: Ich bekomme eine SMS: your visa application has been approved. Come and pick it up. Das tue ich auch.

img_0229Fahrt 5: Inzwischen habe ich mir eine gescannte Version meines Uni Zeugnisses schicken lassen und auch das polizeiliche Führungszeugnis ist da. Also morgens zur Botschaft um es abzuholen. Alles selber übersetzen und ausdrucken. Wieder zur Botschaft, Stempel für die richtige Übersetzung holen. Dann ab zum Immigration Office und wieder einen Stapel Sachen abgeben: Ein Anschreiben, ein ausgefülltes Formular, mein Uni-Zeugnis auf Deutsch und Englisch, mein Führungszeugnis auf Deutsch und Englisch, ein Zahlschein über 10.000 Francs und noch ein Photo. Die Info „Sie bekommen dann eine SMS“ höre ich noch im rausgehen.

Fahrt 6: Letzte Woche nun bekomme ich eine SMS: Your visa application has been approved.
Deswegen war ich heute wieder dort und hab mir das Ding abgeholt.

Fazit: 6 Tage in Kigali verbracht, 80.000 Francs bezahlt und viel Stress gehabt. Jetzt darf ich ganz legal bis Ende Mai in Ruanda bleiben und das gute daran ist, dass ich wenn ich mal raus gehen sollte in der Zeit auch einfach so wieder rein darf. Ganz ohne neuen Visa Stress. Haben sie mir zumindest gesagt.

Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 27. Oktober 2009 um 16:23 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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7 Comments »

  1. Mmh, ich möchte nächstes Jahr auch mit dem DED ein Auslandsjahr machen (und würde auch furchtbar gerne nach Ruanda – cool übrigens, dass ich deinen tollen Blog gefunden habe).
    In meinen Bewerbungsunterlagen steht, dass die sich um nötige Visa kümmern werden… jetzt bin ich verwirrt. 😀
    Viel Spaß noch und Danke für die vielen Texte und Eindrücke 🙂

    Comment: Henrik – 27. Oktober 2009 @ 18:22

  2. Hallo Henrik,

    beim DED ist das alles kein Problem. Die haben einen bilateralen Vertrag mit Ruanda und kümmern sich in Visa angelegenheiten exzellent um ihre Freiwilligen. Ich bin allerdings nicht mit dem DED hier und komme demnach nicht in diesen Genuß.
    Danke auch fürs Lesen der Einträge.

    rapha

    Comment: rapha – 27. Oktober 2009 @ 20:38

  3. Tja, da gibt es in Ruanda wohl doch so einiges an Bürokratie. Sonst heißt es ja immer, Ruanda sei führend wenn es zum Beispiel darum geht, in wenigen Tagen ein Unternehmen zu Gründen: http://www.epo.de/index.php?option=com_content&view=article&id=5373:weltbank-ruanda-fuehrend-bei-wirtschaftsreformen&catid=46&Itemid=115 Das mit dem Visa scheint aber komplizierter zu sein als ein Bankkonto in England zu bekommen (als Deutscher)…

    Comment: Frank – 27. Oktober 2009 @ 21:09

  4. Oh man, was für eine lange Geschichte. Gratulation zum Visum!
    Da erkennt man erst wieder welche Vorteile man von Europa und dem Schengener Abkommen hat!

    Comment: Michi – 28. Oktober 2009 @ 10:24

  5. Die Story erinnert mich an das Eröffnen eines Bankkontos in Paris, oder das Beantragen des Semestertickets oder… oder…. in welcher Welt leben wir eigentlich?!

    Comment: Dominik – 28. Oktober 2009 @ 21:25

  6. oder auch schon mal versucht ohne social security number in den USA ein haus zu mieten, oder strom anzumelden, oder auch extreeeeeeemst lustig: internet-vertrag abzuschliessen! aaaah!

    Comment: Hannah – 02. November 2009 @ 10:39

  7. Hallo mein DED Freund .
    Im Oktober 2009 war ich mit meiner Freundin in Rwanda(Ruhengeri)
    Wir haben kleine Ausflüge mit dem Taxi nach Gorma(Kivusee) gemacht.
    Außerdem waren wir mit dem Bus in Kigali und Umgebung (Deutsches Museum Kant).
    Am 23.06.2011 wollen wir wieder nach Rwanda fliegen (mit Äthiopien-Airline)
    Wir wohnen beim Schwiegersohn meiner Freundin und wollen zusammen in den Urwald zu den Menschenaffen.
    Vieleicht können wir uns mal in Kigali treffen
    Grüße
    Dede & Helmut

    Comment: Helmut Günter Theiler – 12. Dezember 2010 @ 16:13

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