Eindrücke in und von Ruanda

img_0987Meine Vorstellungen von Afrika-Ruanda waren wohl die für einen Europäer der zum ersten Mal Afrika besucht typischen:

weites Land
heiße Sonne
wenig Menschen.

Aber Ruanda erlebe ich ganz anders:
Die Gegend hier ist mit fruchtbarer brauner Vulkanerde bedeckt, es wachsen jede Menge grüner Pflanzen: Mais, Bohnen, Bananenstauden, Kartoffeln…Die Felder ziehen sich weit, weit die Hügel hinauf.

Allerdings gibt es auch unglaublich viele Menschen. Hier auf dem Land ist kaum ein Stück der staubigen steinigen „Straße“ entlang, wo nicht einfache aus getrockneten Lehmwürfeln oder behauenen Vulkansteinen und mit Wellblech gedeckten Hütten stehen. Viele Menschen sind auf den sehr kleinen Feldern zugange, nur Frauen, oft mit Babys auf dem Rücken, und alte Männer. Ältere Kinder sind auf der Straße und 4-6jährige schleppen schon fleißig Wasser. Sie sind immer unterwegs zum Brunnen, der nicht ständig Wasser spendet.
img_0985Ganz selten sieht man hier Autos und davon kaum Privatfahrzeuge. Fahrradtaxis befördern Menschen, Ziegenmilch, Mais, Wasser, Kartoffeln…
Es ist sehr lebendig auf diesen Wegen zu gehen, wir als Weiße werden immer von einer Kinderschar begleitet, die starrt, grinst, bettelt und versucht ihre neu gelernten englischen Wörter aus zu probieren.

Das Haus, das Raphael bewohnt ist aus gebrannten Ziegeln gebaut, der Boden besteht aus Beton und das Dach aus dem obligatorischen Wellblech, über das oft laute, große Elster trampeln. Das Haus ist dunkel und von einigen Vor- und Mitbewohnern ( Mäusen, Fledermäusen, Spinnen und seltsamen Kriech- und Flugtieren) gezeichnet. Überall hat der Rauch vom Kochen auf dem offenen Feuer seine Spuren hinterlassen, Dusche und Toilette sind undicht … Aber die Umstellung geht relativ schnell…Hände waschen, Hände waschen…
Schön und erholsam ist das Leben im abgeschlossenen Innenhof, wo Raphael inzwischen einige Pflanzen gezogen hat und wo ich ein Gefühl von Campingurlaub habe.

Wir waren aber auch in der Stadt. Dort erscheint das Leben noch ärmlicher. Es ist laut, staubig und riecht extrem nach Abgasen. Die unbefestigten Straßen sind mit Steinen übersäht, so dass ich sehr konzentriert gehen muss. Viele körperbehinderte Bettler sitzen an den Märkten und an der Bushaltestelle. Straßenkinder verkaufen Tempotaschentücher, Kaugummis und Zigaretten aus ihren „Bauchläden“. Ihre Zukunft erscheint mir hoffnungsloser als die der Kinder auf dem Land, die viel im Freien sind, seit einiger Zeit auch in der Nähe liegende Primarschulen besuchen können und später die Felder ihrer Eltern weiter bewirtschaften können. Allerdings reicht das Land auch nicht aus, dass die vielen Kinder, die eine Familie hat, davon leben könnten. Und so gesellen sie sich zu den „Stadtkindern“, die wenig Zukunftschancen haben. img_1003Auch wenn Projekte, wie in Gisenyi am Kivu-See sich um diese Kinder kümmern. Die Jungen haben einen Platz um sich zu waschen und umzuziehen und sie können dort, bevor sie sich einen Schlafplatz suchen ihre Waren unterstellen. Hier wird auch mit ihnen geredet und sie können bei gemeinsamen Spielen und beim Sport noch ein Stück Kindheit erleben.
Das Problem der vielen, vielen Kinder ist ein ruandisches, vielleicht afrikanisches. Die Kinder werden früh als Arbeitskräfte eingesetzt, arbeiten als Wasserholer auf dem Feld oder als Hausangestellte bei bessergestellten Afrikanern oder Europäern.

Ich fühle mich hier in einem „Urlaub“ der mich zu vielen weiterführenden Gedanken anregt. Hoffentlich ermöglicht mir Raphaels Aufenthalt hier mehr über Hintergründe und Zusammenhänge zu erfahren. Manches wird mich nach Hause begleiten und die Dinge bei uns in anderem Licht erscheinen lassen. Es ist schön, dass ich da sein darf.

Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 25. August 2009 um 09:53 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. DEIN BEITRAG HAT EINE REIFE UND ICH FREÜ MICH SEHR DARAUF DICH ZUHAUS GESUND FEST UMARMEN KANN.der rapha wird sicher einiges dazugelert habenvor allem jenes „tempo“das leben und leben lassen eine neue geschwindigkeit hat.toni

    Comment: toni – 25. August 2009 @ 22:16

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