Warum Mütter so wichtig sind

img_0934Lange und intensive 10 Tage atmen nun einmal durch. Es ist wieder viel passiert. Schule, Kigali, Mom abholen, Kigali zeigen, nach Ruhengeri fahren, mein Zuhause zeigen, den Markt in Ruhengeri besuchen, meine Mom den Priestern vorstellen, bei den Priestern essen, die Gegend erkunden und natürlich Minibus und Fahrradtaxi fahren.
Im Minibus wurde ich darauf angesprochen ob die weiße Frau mit der ich unterwegs bin meine Mutter sei. Als ich dies bejahte meinte der Frager: In der ruandischen Kultur sagt man: Man kann viele Dinge von verschiedenen Seiten bekommen, aber es gibt viele Sachen, die kann einem nur die Mutter geben. Ich merke, dass es mir sehr gut tut meine Mutter um mich zu haben. Sie ist eine Person mit der ich viel rede, die viel fragt und hinterfragt und der Mann im Bus hatte recht: Es gibt Dinge die kann mir nur meine Mutter geben.

Letzte Woche hat die Schule wieder angefangen. Es war nicht einfach wieder in den Rhythmus des Unterrichtens rein zu kommen, vor allem bei meinen kurzen Wochen hier an der Schule. Erschwert wurde das ganze davon, dass ich für dieses Trimester noch keinen Lehrplan habe und mir so die Inhalte selber überlegen muss. Dies ist nicht so schlimm, da ich erfahren habe, dass es zwar eine Abschlussprüfung in Englisch gibt, jedoch keine National Examination in welcher über die Vergabe der Uni-Studienplätze entschieden wird. Ich hoffe jedoch weiterhin, dass ich ein bisschen Informationen darüber bekomme, was die Schüler denn lernen sollen. Ich habe also in der letzten Woche angefangen über Werbung zu sprechen. Es ging um die spezielle Werbesprache, um Signalwörter und Phrasen. Dazu sollte jeder Schüler eine Werbeanzeige für ein Produkt schreiben, damit wir dann diese Woche debattieren konnten welches das bessere Produkt ist.

Am Freitag bin ich dann nach Kigali gefahren um meine Mutter am Samstag um 12 Uhr vom Flughafen abzuholen. Am Flughafen angekommen rief sie an, dass sie noch in Addis Abeba sei und dass sie wahrscheinlich heute nicht mehr nach Kigali kommen würde. Gegen Nachmittag bekam ich aber erneut einen Anruf, dass nun doch ein Flugzeug starte und sie abends in Kigali landen könnte. Nachdem ich sie vom Flughafen abgeholt habe tranken wir noch ein Mützig und aßen die fast schon obligatorischen Brouchetten mit Pommes. Den ganzen Sonntag verbrachten wir nach der Kirche damit uns Kigali anzuschauen. Was wir aber eigentlich die ganze Zeit machten war sprechen, diskutieren und unterhalten. Nur wechselten wir dabei immer wieder den Ort. Vom BelAir Restaurant mit dem ebenso obligatorischen Buffet zum Simba Café zurück zu La Cavern, unserem Hotel.

Am Montagmorgen bin ich dann mit meinem Mentor zum Emigration Office, da mein Touristenvisum in zwei Wochen ausläuft. Ein Visum habe ich nicht bekommen, allerdings eine Liste mit 10 Dingen, die ich dort hinbringen muss. Polizeiliches Führungszeugnis, Lebenslauf, Unizeugnis…. und alles auf Englisch. Bin mal gespannt ob das klappt. Allerdings gibt es ja auch keine andere Möglichkeit.
img_0925Später bin ich dann mit meiner Mutter nach Ruhengeri gefahren um mit ihr auf den Markt zu gehen und dann zu Hause zu kochen. Ihr Eindruck vom Haus war gut, nur dass ihr überall Staub und Dreck aufgefallen ist den ich gar nie gesehen hatte. Außerdem fand sie meine Küche schlecht ausgerüstet. Nichtmal ein Korkenzieher war da.
Generell fühlt sie sich glaube ich hier aber schon sehr wohl. Zwischen und nach meinen Unterrichtsstunden sitzen wir viel im Innenhof, trinken Kaffee und rauchen, oder gehen hier in der Landschaft spazieren. Dabei ist sie vor allem von den Bananenbäumen und der fruchtbaren braunroten Erde sehr begeistert. Auch die Kochbananen schmecken ihr. Mehr davon wird sie euch aber sicher die nächsten Tage erzählen wenn sie ihren Gastblog schreibt.

Jedenfalls ist es sehr schön sie hier zu haben. Ich finde es immer wieder interessant, wie meine Mutter meint: Das habe ich mir aus deinen Erzählungen und von deinem Blog ganz anders vorgestellt.
Ich merke schon, dass ich viel auch ein bisschen intellektuellen Gesprächsstoff brauche und mein Netz von Leuten mit denen ich solche Gespräche führen kann hier doch auf wenige Personen beschränkt ist. Ich bin gespannt ob und wann ich auch mal wieder ein bisschen Abstand brauche oder ob es weiter so gut läuft. Ich werde euch darüber informieren.

Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 20. August 2009 um 12:38 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. schöner Eintrag 🙂

    Comment: Sarah – 22. August 2009 @ 02:32

  2. hallo raphael,

    habe schon mit deiner mutter telefoniert.
    einige eindrücke habe ich schon mitbekommen. zwischen den jahren wollen wir uns treffen. dann erfahre ich mehr.
    dir ne gute zeit weiterhin.
    liebe grüße franzi aus weitersburg

    Comment: franzi hellwig – 09. September 2009 @ 19:50

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