DED Einsteigerseminar

img_0646Die letzte Woche habe ich mit neun Freiwilligen vom DED eine Einstiegswoche in Kigali verbracht. Eigentlich waren wir nicht nur dort, sondern waren auch viel unterwegs. Zwischendrin hab ich noch ein paar Extrawürste gebraten (naja hier muss man sagen Extrabrouchette) und war beim internationalen Sittigballturnier und bei der Abschiedsparty von Marc und Moritz in Kigali.

Wie ich am Dienstag schon geschrieben habe war ich mir nicht so ganz sicher was ich bei dem Seminar erwartet. Ich hatte einen Seminarplan und eine Adressliste der anderen Teilnehmer. Dazu noch einen Treffpunkt, dass war alles.

Die anderen kamen zusammen mit Natalie, der Freiwilligenkoordinatorin des DED am Dienstagabend relativ erschöpft an. Absackerbier am ersten Abend war also nicht. Der Mittwoch stand im Zeichen des Kennenlernens mit den Partnerorganisationen und der Tutoren. Die anderen Teilnehmer kannten sich ja bereits vom Vorbereitungsseminar. Interessant war am Donnerstag der Besuch beim deutschen Botschafter in Ruanda. Er ist erst seit sieben Wochen da und hat uns in der Residenz empfangen. Spannend war, dass er nach uns einen Termin mit der Protokollchefin des ruandischen Präsidenten hatte. Richtig, dass ist die Frau, die letzten Herbst in Frankfurt verhaftet wurde, da sie von Frankreich mit einem internationaler Haftbefehl gesucht wurde.  Nach kurzen diplomatischen Verstimmungen wurde sie aber wieder freigelassen. War sicher keine einfache Aufgabe für den Herrn Botschafter.
Abends waren wir dann bei der Dritten Botschaftssekretärin zum Essen eingeladen. Sehr gutes Pasta-Buffee.

img_0677Freitagvormittag bin ich dann aus dem Programm kurz ausgestiegen, weil ich einen Termin mit einem Pfadinationalleitungsmitglied hatte, welches, wie ich schon sagen muss, natürlich wieder ausfiel. Ich hoffe aber immer noch darauf, dass das irgendwann mal besser wird.
Stattdessen habe ich mir den Nachmittag beim Sittigvolleyball vertrieben. Am Anfang, als Moritz, der sein Freiwilligenjahr beim Nationalen Paralympischen Komitee von Ruanda absolviert und dort Teammanager der ruandischen Sittingvolleyball Mannschaft ist, davon erzählt hat, konnte ich mir das nicht so richtig vorstellen, aber das ist ein spannender, schneller Sport. Der einzige Unterschied zum stehenden Volleyball ist, dass beim Ballkontakt immer der Hintern den Boden berühren muss. Dementsprechend ist das Netz natürlich niedriger und das Feld kleiner. Das Turnier fand in der Halle neben dem Nationalstadion statt, dass mit vielleicht 2000 Zuschauern sehr gut gefüllt war.
Abends bin ich dann zu Marc und Moritz auf die Abschiedsparty gegangen. Das war sehr cool. Viele andere Freiwillige waren da und auch viele Ruander, die mit den beiden zusammengearbeitet hatten. Witzig war auch, dass ich eine Kommilitonin aus Heidelberg getroffen habe, die derzeit ein Praktikum in Ruanda macht.

Samstag bin ich den anderen vom Einführungskurs hinterher gefahren, welche inzwischen in Kibuye am Kivusee waren. Diese Reise war ganz schön abenteuerlich. Ich konnte erst um 13 Uhr losfahren, da am letzten Samstag im Monat hier in Ruanda Umuganda ist. Das ist der monatliche Gemeinschaftsarbeitseinsatz, bei welchem dann auch keine Busse fahren. Die über zweistündige Fahrt nach Kibuye war vor allem von Kurven geprägt. Ich hatte vorher gehört, dass die Ruander solche Kurven nicht so gut vertragen und sich gerne Mal auf solchen Fahrten übergeben. Und in der Tat, die Quote war sehr beachtlich. Von den 10 Ruandern im Minibus haben sich 3 übergeben. Ich hab mich derweil sehr gut mit einem holländischen Mitfahrer über ruandische Politik und Gesellschaft und universitäre Karrieren unterhalten.
In Kibuye angekommen wusste ich nur, dass ich mit einem Moto Taxi eine Stunde lang nach Süden fahren musste. Leider habe ich von den anderen niemand erreicht. Also habe ich versucht mit einem Moto Fahrer zu sprechen, ob er vielleicht wüsste wo das Kinderdorf ist, in welchem die Anderen waren. Nach dem er mir den Preis von 5000 Francs genannt hatte und auch den Namen des Kinderdorfs fuhren wir los. 30 Minuten über eine Schotterpiste. Dann hielten wir aus einem für mich unverständlichen Grund an. Wir hatten einen Platten, wie ich dann feststellte. Also Moto 20 Minuten den Hügel hochschieben um Handynetz zu haben und einen Mechaniker zu rufen. Nach weiteren 30 Minuten konnten wir mit einem neuen Schlauch versorgt weiterfahren um wieder 20 Minuten später Natalie zu treffen, die uns entgegengefahren war um mich einzusammeln. So kamen wir mit Einbruch der Dunkelheit in Mugonero an, gerade als ein Gewitterregen einsetze. Das war übrigens Regen Nummer drei für mich in Ruanda in den letzten beiden Monaten.

img_0691Im Mugonero traf ich die anderen rechtzeitig zum Abendessen, welches für mich und auch für ein paar andere noch lange nachwirken sollte. Es gab sehr sehr scharfe Ziegenbrouchette, Kartoffeln und Bohnen. Dies führte dazu, dass sowohl ich, als auch 2-3 andere ordentliche Verdauungsschwierigkeiten bekamen und am nächsten Tag auf der Rückfahrt wenig Entspannung in den Gesichtern zu sehen war. Jedoch war der Abend noch nicht vorbei. Wir saßen bei Victor, dem Leiter des Kinderheims auf der Terrasse, später im Haus und machten Musik. Ich war redlich bemüht, das Niveau der Lieder nicht unter ein bestimmtes Level sinken zu lassen, aber als Gitarrenspieler hat man da ja einen sehr langen Hebel. Es war sehr schön mal wieder in einer Gruppe mit netten Leuten und guten Sängern zu singen.

img_0692Am nächsten Tag sah ich zum ersten Mal wie schön das Kinderheim L´Esperance liegt. Es sind vielleicht 500 Meter Luftlinie zum Kivusee, aber eben auch gute 200 Höhenmeter. Der Blick beim Frühstück auf der Terrasse war atemberaubend. Dem standen die frischen Ananas und der sehr leckere Käse allerdings in nichts nach.
Victor erzählte uns, dass er hier zur Finanzierung des Kinderheims eine Lodge für Touristen einrichten will. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das funktioniert. Auf sein Angebot, jederzeit wieder hier her kommen zu können, wenn man eine Flasche Rotwein und ein bisschen Käse mitbringt, werde ich sicher zurückkommen. Die Aussicht ist jedoch nicht der einzige Grund wieder dort vorbei zu schauen, da Victor selbst Gitarre spielt und Deborah, die das nächste Jahr dort als Freiwillige verbringen wird, und er eine sehr gute sing und spiel Gemeinschaft für mich waren.

Zurück in Kigali besuchten wir am Montag das Gisosi Genocide Memorial. Dies war wieder sehr beeindruckend und erschreckend. Wie auch vor fünf Jahren war jedoch die Aufbereitung der Ereignisse von 1994 und die politisch motivierte Verkürzung mancher Tatsachen sehr erschreckend. Dazu werde ich aber einen eigenen Artikel schreiben.

Das Seminar endete am Dienstag mit einem Stadtrundgang durch Kigali.

img_0695Als Essenz dieser Woche nehme ich mit, dass es eine gute Entscheidung war, dass Seminar zu besuchen. Auch wenn ich manche Sachen schon wusste oder kannte, war es nicht falsch, noch mal über kulturelle Unterschiede, HIV und andere Krankheiten, wie über die Sicherheit in Ruanda zu hören und zu sprechen. Des Weiteren war es eine gute Möglichkeit die neuen Freiwilligen intensiv kennen zu lernen und viele gute Kontakte zu knüpfen. Ich bin gespannt wie sich diese halten oder auch vertiefen.
Die erste Möglichkeit dazu hatte ich, als ich mit Klara, die ab sofort mit im Projekt von Marleen in Ruhengeri arbeitet, mit dem Bus nach Hause fahren konnte. Ich merke immer wieder, wie ich solche Kontakte für mein Wohlbefinden brauche.
Nochmehr Bilder von der ganzen Woche gibts in der Galerie.

Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 29. Juli 2009 um 16:12 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Nette Geschichte! Aber du hättest DED auch mal auschreiben können. Aber klar, googlen tuts auch 🙂

    Comment: Daniel – 29. Juli 2009 @ 21:10

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