Tag 50

img_0574Mittlerweile bin ich seit 50 Tagen aus Deutschland weg und arbeite hier in Ruanda. Ich bin in mein Haus eingezogen, habe die ersten paar Wochen unterrichtet, habe viele Leute kennen gelernt, bin viel Bus gefahren, habe meine erste Leerlaufphase hinter mir, habe Routine im Kochen und Wäsche waschen. Außerdem habe ich durch das erste Paket und die ersten Postkarten schriftlichen Kontakt zur Heimat. Das ist mal wieder ein guter Punkt zu schauen wie es mir so geht und wie sich die Dinge so entwickeln.

Seit 2 Wochen hab ich nun frei. Ende letzter Woche war noch die Zeugnisübergabe, zumindest geplant. Das Problem war, dass die Schüler nicht wollten, dass vor der ganzen Schule verkündet wird wer wie gut abgeschnitten hat in diesem Trimester. Ich habe mit den anderen Lehrern gewartet, aber die Schüler kamen nicht. Normalerweise finden die Zeugnisübergaben in den Klassen statt, die Priester haben das aber am Tag zuvor geändert. Also 2 Stunden warten, die Priester wollten nicht nachgeben, die Schüler nicht zur Zeremonie kommen. Mich hat das überrascht, da die Ruander normalerweise sehr genau auf die Autoritäten hören. Ich hab ihre Position jedoch auch verstanden. img_0553Das Ende vom Lied war, dass die Schüler keine Zeugnisse bekommen haben und diese erst überreicht werden, wenn die Eltern der Schüler (!) erklären, warum die Schüler nicht an dieser Zeremonie teilnehmen wollten. Die Priester haben mir auch gesagt, dass diese Verweigerung der Schüler dafür sorgen wird, dass manche der Schüler, wie sie meinten die Aufrührer, die Schule verlassen müssen. „Wir sind doch keine öffentliche Schule sondern eine Privatschule. Hier haben die Kinder zu gehorchen“, war die Aussage dazu. Ich bin gespannt wie das weiter geht. Ich nehme aber an, dass sich die Priester sich durchsetzen werden, ein paar Schüler von der Schule geworfen werden und sich die Anderen ganz unterwürfig entschuldigen werden.

Seit dem letzten Wochenende hab ich nun denn auch frei. Ich habe ja seit einer Weile schon versucht ein bisschen raus zu finden, was ich in den Ferien machen soll. Es war wirklich schwer jemand zu finden der da auch Zeit und Lust hat ein bisschen rum zu Reisen. Das einzige was funktioniert hat, war dass ich nach Gisenyi gefahren bin und dort sehr coole Leute kennen gelernt habe. Darüber habe ich ja letztes Mal schon geschrieben. Die anschließende Woche habe ich dann mit Sport und Aufräumen verbracht.

Seit Freitag bin ich jetzt wieder unterwegs. Zuerst wieder in Gisenyi. Schon der Anfang war grandios. Schon auf der Fahrt dahin hat es sich irgendwie entwickelt, dass wir eine kleine Party in einem öffentlichen Bus hatten. Dabei hab ich mich dann auch überzeugen lassen meine Gitarre auszupacken und ein bisschen zu spielen.
img_0596Abends haben wir dann einen Iren, den ich die Woche zuvor in Gisenyi kennen gelernt habe, eine Engländerin, zwei Australier und zusätzlich noch Marc aus Kigali und Valentin, der eigentlich in Südafrika lebt zur Zeit aber Ostafrika bereist, getroffen. Wir waren in einem coolen Pub, haben ein bisschen getrunken und getanzt. Am Samstag waren wir am Strand, haben gekocht und sind abends wieder tanzen gegangen. Die anderen haben es ganz schön wild getrieben, ich bin ganz gesittet um halb 4 Uhr nach Hause. Ich war da aber auch ein bisschen angepisst, da ich den Eindruck hatte, dass sie uns am Eingang des Clubs, in dem wir am Schluss waren, schön abgezockt haben. Ich habe diesen Unmut dann drinnen nicht abschütteln können und bin dann lieber nach Hause gegangen.
Den Sonntag haben wir mit ein paar Bier, ein bisschen Frisbee,viel Sonne und Schwimmen am See verbracht, bevor ich abends mit Valentin und Marc nach Kigali gefahren bin.

Eigentlich dachte ich der DED Kurs auf den ich gehe, fängt am Montag an. Falsch. Es geht erst heute, Dienstag, los. Also habe ich gestern einfach ein bisschen hier ausgespannt, war mit Shane in Kigali spazieren und habe Abends für meine Gastgeber gekocht.

Ab heute Abend werde ich also für eine Woche auf dem DED Freiwilligen Einsteigerseminar sein. Ich bin mal gespannt wie das so wird. Nicht nur inhaltlich falle ich mal wieder aus der Zielgruppe raus, da ich eben schon seit 50 Tagen hier bin und die anderen Freiwilligen erst heute Abend in Kigali ankommen. Auch vom Alter bin ich mal wieder einer der Ältesten, aber daran habe ich mich inzwischen schon fast gewöhnt. Außerdem kennen sich die anderen alle vom Vorbereitungsseminar. Nichtsdestotrotz freue ich mich sehr auf die Woche. Wir werden ein bisschen in Ruanda unterwegs sein und die neuen sind sicher nett. Schade ist nur, dass ich das Sitting-Volleyball-Turnier verpasse, bei welchem die Nationalteams aus sechs Ländern gegeneinander spielen und das Moritz organisiert hat. Das wäre sicher spannend geworden.
Naja aber ich bin halt auf dem Seminar.

Was ich die 14 Tage mache die ich danach noch frei habe weiß ich noch nicht. Ich hatte mir überlegt „spontan“ nach Sambia zu fahren um Michael und Steffi zu besuchen, die ich vom Vorbereitungsseminar kenne, aber ich glaube das wird ein bisschen knapp (12 Stunden Bus, 50 Stunden Boot, 10 Stunden Bus, und dann wieder zurück), außerdem kostet es ein bisschen Geld. Also mal schauen was sich so ergibt.

img_0558Ab dem 10. August läuft dann das letzte Trimester für dieses Jahr und schon 5 Tage später kommt mich meine Mom für zwei Wochen besuchen. Auf beides freue ich mich sehr.

Also kann ich zusammenfassen, dass es mir gerade wirklich gut geht, viel los eben. Aber das ist halt nur, weil ich mir auch die Sachen suche. Letzte Woche in Nkumba hab ich mir schon ab und an gedacht: Was mach ich denn jetzt? Ich muss mir wirklich selber nach Beschäftigung suchen, vor allem eben in den Ferien.
Was langsam so ein bisschen nervig wird, ist die Sache, dass es bei dem Pfadi-Teil meines Jobs nicht so richtig voran geht. Ich treffe inzwischen fast regelmäßig die Vizevorsitzende Aline um mit ihr in Kigali in den englischsprachigen Gottesdienst zu gehen, aber mit Jean-Paul, dem Nationalvorsitzenden, habe ich gar keinen Kontakt und bekomm ihn auch nicht. Für mich wäre es schon wichtig, bald mal ein bisschen was intellektuell Anspruchsvolles zu machen. Ich mein, ich hab schon zwei dicke Romane gelesen, so viel wie in meinem ganzen Leben vorher. Das muss besser werden. Aber ich bin ja auch zum lernen hier. Zum Lernen fürs Leben 😉

Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 21. Juli 2009 um 15:13 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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