Warum ich plötzlich nachts um 11 Uhr auf einer Mauer in Gisenyi stand

img_0549Am Dienstag war ein blöder Tag. Ich bin früh aufgestanden und wusste nicht genau was ich mit mir anfangen sollte. Irgendwie war ich antriebslos und fühlte mich einfach zu schwerfällig irgendwas zu tun. Also hing ich rum, hab ein bisschen dies und ein bisschen das gemacht. Immerhin konnte ich mich dazu durchringen eMails zu schreiben und so meinem Ärger ein bisschen Luft zu machen. Aber alles in allem ging nichts zusammen und ich hab mich alleine gefühlt. Ich wusste, mein nächster Termin ist Freitag die Zeugnisübergabe. Was soll ich bis dahin tun? Als es dann Mittag war beschloss ich einfach auf gut Glück nach Gisenyi zu fahren. Dies liegt am Kivu See direkt an der Grenze zum Kongo. Ich hab ein paar Sachen zusammen gepackt und bin hoch zur Straße gelaufen.

img_0524In Ruhengeri hab ich mich dann in einem Minibus gesetzt der nach Gisenyi fuhr. Da der Schnellbus erst 40 Minuten später fuhr, hab ich den kleinen Bus genommen der überall hält. Im Bus hab ich Marleen angerufen und gefragt, ob sie denn Lust hat mir nach Gisenyi zu kommen. Sie wusste es nicht genau, hat sich aber dann entschieden zu kommen. Also hab ich dort auf sie gewartet. Wir sind zum Haus von Aileen und Amelie, zwei DED Freiwilligen die zurzeit auf Ostafrikatour sind. Danach sind wir was essen gegangen und haben Bier gekauft mit welchem wir dann zu Bene und Benny gegangen sind. Sie sind zwei Freiwillige die in einem Straßenkinderzentrum in Gisenyi arbeiten. Dort war auch noch deren Besuch, Felix und Caro, die in Tansania wohnen und gerade Ruanda erkundigen. Also Ende des Abends mit Mützig und Kartenspielen. Der Tag war gerettet.

Am Mittwoch sollte es aber noch besser kommen. Morgens, also eigentlich bis Mittags Omlettefrühstück mit frischen Eiern und fast schon philosophische Gespräche über den derzeitigen persönlichen Stand auf der Glücksskala von 0 bis 10. Kann man auch 9,5 Punkte vergeben? Sollte man die 10 jemals vergeben? Kann man eigentlich auch eine 11 vergeben?

img_0545Nach dem etwa 5 Stunden dauernden Frühstück erstmal in ein Restaurant um ein, ok zwei, Bier zu trinken. Dann an den Strand. Der Strand in Gisenyi ist zwar schmal, aber um dort rum zu sitzen und Volleyball zu spielen reichts. Da ich eigentlich nicht vor hatte so lange zu bleiben, musste ich mir eine Badehose leihen um dann auch schwimmen zu gehen. Super schönes Wasser, leichter Wellengang, perfekt! Marleen hat sich dann verabschiedet, da sie abends in Ruhengeri noch was vorhatte. Ich bin mit den andern noch ein paar Brouchette essen gegangen und ok, wir haben noch ein Bier getrunken. Später am Abend bin ich dann zu meiner Unterkunft gelaufen. Das war ein komisches Gefühl, da ich die Stadt nicht kannte, wir vorher über Überfälle und so was gesprochen haben und ich 20 Minuten alleine durch die Dunkelheit musste. Leider war dort die Außentür zu, so dass ich auch noch über eine Mauer klettern musste. Das ist der Grund warum ich plötzlich nachts um 11 Uhr auf einer Mauer in Gisenyi stand. Zu diesem Zeitpunkt hab ich mich einfach nur gefreut, dass ich mich aufgerafft habe. Dieser Moment hat eine 10 verdient. Ein einfach schöner Tag mit netten Leuten, Sonne und Bier ging zu Ende.

Am Donnerstag hab ich dann, nachdem die anderen arbeiten mussten und Felix alleine nach Goma gelaufen ist (ich wäre gerne mit, hatte aber leider meinen Reisepass nicht dabei), mit Caro gefrühstückt. Es hat sich über Stunden hingezogen, da wir wirklich schöne Gespräche über alles Mögliche hatten. Auch der Chef von Bene und Benni, ein Ruander der seit 20 Jahren in Deutschland lebt kam dazu. Es war schön mit einem Ruander zu sprechen, der ein bisschen Abstand von Politik und dem Leben hier hat, die Probleme aber auch sieht und offen darüber sprechen kann. Nachdem an dem Vormittag Gacaca war, also die Dorfgerichte tagten, war alles geschlossen und ich nahm den ersten Bus der um 12 Uhr nach Ruhengeri fuhr. Um zwei Uhr war ich dann zuhause in Nkumba und mir war klar, dass es sich wirklich gelohnt hat einfach mal los zu fahren.

Diese Zeit hat mir sehr gut getan. Es war gesellig und unterhaltsam, bezaubernd schön und informativ. Damit ihr die Schönheit von Gisenyi und den beiden Tagen dort sehen könnt hab ich ein paar Bilder in die Galerie gepackt.

Dieser Beitrag wurde am Freitag, 10. Juli 2009 um 09:50 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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