Angekommen an der Schule

Freitag, 05. Juni 2009 von rapha

img_0107Nach der Nacht in Kigali hat mich (nach 2 Stunden warten) Father Wilson abgeholt. Wir haben einen Abstecher zum Generalvikar von Kigali gemacht und sind dann die etwa 60 km nach Ruhengeri gefahren. Dabei wurde mir bewusst wie wenig ich eigentlich letztes mal auf dem Land war. Ich habe die meiste Zeit in Kigali verbracht. Das Bild entlang der Straße müsst ihr euch so vorstellen, dass über all Menschen sind die rum sitzen oder auch rumlaufen.

img_0116Wir sind in Ruhengerie zuerst zur INES gefahren. Dies ist eine private Uni hier. Dort habe ich Abbé Fabien getroffen. Meinen Mentor in Ruhengeri. Er ist Vice Chair von INES. Mit ihm und Father Wilson war ich dann auf dem Gelände der Diözese Essen. Es gab gegrilltes Hähnchen und natürlich Mützig, neben Primus das andere ruandische Bier. Die Preise sind dort relativ hoch. Das ganze Hähnchen was ich mit Wilson geteilt habe kostet 3000 Francs, also etwa 4 Euro. bezahlt habe ich jedoch nicht. Fabien hat uns eingeladen. Danach sind wir mit unserem Fahrer zur Schule gefahren. Sie liegt etwa 10 km außerhalb von Ruhengeri auf der Straße und dann noch mal 4 km den Berg runter auf einer Sandpiste, vorbei ein kleinen Hütten, Bananenhainen und noch mehr Leuten die rumsitzen oder rumlaufen.

img_0128Die Schule ist ein ziemlich großes Gelände. Es gibt ein Gebäude mit Innenhof in dem die Priester untergebracht sind. Es wohnen und arbeiten dort 6 Priester und etwa 15 Lehrer. Sie betreuen etwa 200 Schüler zwischen 11 und 19. Denen wurde ich gleich vorgestellt als der neue Lehrer für Englisch und praktische Musik. Damit ist mein Job für die nächste Zeit definiert. Ich soll in den Klassen Senior 5 und Senior 6 Englisch unterrichten. Dazu irgendwas mit Musik machen. Hört sich gut an. Das bedeutet, dass ich etwa 10 Stunden die Woche unterricht halten soll. Daneben gibt es an der Schule 3 Häuser in denen die Lehrer wohnen, ein Veranstaltungshaus, eine Bibliothek, eine riesen Essenshaus in dem die Schüler essen und natürlich eine Kirche. Neben der Schule ist ein Schwesternkonvent. Dieses und natürlich auch die darin lebenden 14 Schwestern besuchte ich am zweiten Tag. Sie waren sehr froh mich zu sehen, sangen mir ein Lied und brachten mir nützliche Sätze auf Kinyarwanda bei. Erwähnenswert ist, dass die Schwestern komplett von der Außenwelt getrennt leben. Wir trafen uns in einem Raum, welcher von einem Metallgitter getrennt war. Wilson und ich auf der einen Seite, die Schwestern auf der anderen.

Zu Beginn wohne ich jetzt in einem Zimmer, oder besser zwei, welches für den Bischof reserviert ist. Damit wohne ich bei den Priestern und esse auch mit ihnen. Gekocht wird vom Koch und alles andere machen die Hausangestellten. Sehr komfortabel. Ich bin dort sehr Willkommen und Father Wison kümmert sich gut und vor allem immer um mich. Ich muss ihm klar machen wenn ich was alleine machen will, sonst würde er mir sicher auch helfen zur Toilette zu gehen. Das gute daran ist, dass ich so viele Wörter auf Kinyarwanda lerne. Die Sachen die es zu essen gibt und allerlei Begrüßungen kenn ich schon. Am Wochenende soll sich meine Wohnsituation jedoch ändern: „The best house for the best Teacher“ ist die Losung. Ich werde in eine Art Doppelhaushälfte mit 4 Zimmern ziehen. Die soll aber noch für mich hergerichtet werden und morgen werden wir sie zusammen einrichten. Dann kann ich auch für mich selber kochen. Im besten Fall wird es klappen, dass ich alleine wohnen kann und so ein bisschen Privatsphäre bekomme, aber trotzdem in engem Kontakt zu den Priestern stehe und dort auch ab und an sein kann. Das wäre wirklich perfekt.

Ansonsten habe ich jetzt schon alle Freiheiten. Ich kann zur morgentlichen Messe um halb 7 kommen oder auch nicht. Ich kann immer mitessen, oder auch nicht.

Am zweiten Tag habe ich versucht klar zu machen, dass ich schauen will, wie Unterricht hier funktioniert. Jedoch kam die Englischlehrerin nicht zu der Stunde und so hab ich das machen dürfen. Also auch hier ist es gut Sachen aus dem Ärmel schütteln zu können.

img_0130Außerdem habe ich gestern mal den Weg hoch zur Straße abgelaufen. Ich hab dafür fast eine Stunde gebraucht, weil ich gefühlte 1000 schwarze Hände geschüttelt habe. Das ist zu Fuß machbar, muss ja auch, da dies der einzige Weg in de Stadt ist. Runter geht schneller, man kann für 200 Francs, also so knapp 30 Cent ein Fahrradtaxi nehmen.

Heute Morgen bin ich dann mit Father Diodonne nach Ruhengeri gefahren. Hier habe ich in der lauten und geschäftigen Stadt ein ruhiges Kaffee gesucht in dem ich nun sitze und schreibe. Dazu guten ruandischen Tee. Super.

Gleich treffe ich mich mit Marleen und Elisabeth (Betty), zwei Freiwilligen die hier in Ruhengeri arbeiten zum Mittagessen. Ich freu mich drauf.

Der erste Eindruck

Dienstag, 02. Juni 2009 von rapha

img_0067Der Flug und die sonstige Anreise verliefen eigentlich schon zu klatt. Ich habe in Frankfurt Daniel, den ruandischen Pfadi, getroffen. Dazu noch Beatrix, eine in Oberhausen lebende Uganderin, Nicole und Kacki (Katharina) zwei Deutsche die nach Malawi geflogen sind um dort einen Spielplatz zu bauen, sowie Jördis (isländischer Name, für Näheres müsst ihr sie selber fragen) die in Hamburg Medizin studiert und auf dem Weg nach Uganda ist um dort eine Freundin zu treffen. Ich bin mit Daniel alleine von Addis nach Kigali weiter geflogen und dort von seiner Familie abgeholt worden. Die haben mich dann in die Stadt gefahren.

img_0092Mir wurde vorher gesagt, dass sich Kigali stark verändert hat. Das kann ich bestätigen. Ich hatte es nicht so heiß und schwül in Erinnerung. Als ich am Flughafen ausgestiegen bin, ist mir erstmal die Luft stehen geblieben. Ich fing an zu schwitzen und war gleich ziemlich erledigt. Das kann allerdings auch an der Jahreszeit hier liegen. Mir wurde gesagt, dass es hier viel geregnet hat in den letzten Wochen. Das sieht man auch daran, dass alles sehr grün ist und nichts an die staubigen Erlebnisse von vor 5 Jahren erinnert. Jedoch geben sich die Ruander auch viel Mühe. Alles ist bepflanzt mit Palmen oder sonstigen Zierpflanzen. Sieht ziemlich cool aus.

Nachdem ich dann in La Cavern eingecheckt habe, bin ich in die Stadt. Ich musste Geld wechseln und eine Handykarte kaufen. Ich hatte den Eindruck, dass die Stadt ein bisschen sauberer geworden ist, aber auch ein bisschen lauter. Außerdem wird überall gebaut. Das ist mir gleich am Minibusbahnhof aufgefallen: img_0096Hier entsteht der Kigali City Tower, ein fast schon monumental anmutendes Gebäude. Auch sonst gibt es viele neue Gebäude. Das Bankgebäude im Zentrum stand letztes Mal noch sehr alleine. Inzwischen gibt es viele Gebäude mit 5 oder mehr Stockwerken. Ansonsten gibt es aber noch die kleinen Läden und Restaurants die ich schon von früher kenne. Richtig geschockt war ich, als ich die neue Einkaufsmall gesehen habe. Darin gibt es einen Supermarkt europäischen Ausmaßes, inklusive einer German Butchery. Vieles ist englischer geworden. Jeder versteht dich während wir uns vor 5 Jahren noch mit Händen und Füßen unterhalten mussten. Der Vorteil dabei ist, dass ich auch in kleinen Geschäften einkaufen konnte, in welchen dies vor 5 Jahren noch schwierig war. img_0099Natürlich konnte ich es nicht lassen mir gleich mal mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen und so ein Hackfleischbällchen zu kaufen. Ich hoffe mein Magen nimmt es mir nicht übel. Die haben mich aber so angelacht.
Was sich nicht verändert hat, ist, dass der Kaffee immer noch nicht schmeckt und es nur löslichen Kaffee gibt. Da muss ich mir noch eine Quelle auftun. Vielleicht selber ernten…

Nachdem ich gerade meine Abholung für Morgen organisiert habe werde ich jetzt Duschen (in La Cavern gibt es jetzt fließend warmes Wasser und auch Fernsehen auf den Zimmern) um mich dann mit Jakob zu treffen. Einem Freiwilligen der hier in Kigali lebt. Er wird mich in das Kigali Nightlife einführen. Bin mal gespannt.

Mehr Bilder gibts in der Galerie dazu auch noch ein Videoschmankerl.

Letztes Update

Montag, 01. Juni 2009 von rapha

giraphaSo dies sind nun also die letzten Zeilen aus heimischen Gefilden. In 12 Stunden geht mein Flieger und schon in 24 Stunden atme ich ruandische Luft. Ich bin wenig aufgeregt, aber sehr gespannt. Gespannt auf die vielen neuen Eindrücke, auf die Begegnungen mit anderen und mit mir selbst.

Ich danke euch allen, dass ich euch so ein bisschen mitnehmen kann und euch in meinem Buch oder auch in meinem Herzen bei mir tragen darf. Passt auf euch auf und gehabt euch wohl.

Eine gute Zeit, Gottes Segen und Gut Pfad!

rapha

 

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