Spurensuche in der Boomtown Kigali

image006Eigentlich hatte ich ja geplant am Samstag nach Kigali zu fahren. Am Freitag morgen jedoch schrieb mir Betty ich solle doch schon Freitag kommen, da sie am Samstag schon wieder weiter ziehen würden.
Also direkt nach der Englischklausur in den Bus nach Kigali. Ich traf dann nicht nur Betty und Marleen, sondern auch die anderen DED Weltwärtsfreiwilligen und wir sind zusammen zum Ruanda Film Festival gegangen. Danach waren wir noch was trinken und tanzen. Das war sehr schön. Vor allem, weil ich mich gleich schön aufgenommen gefühlt habe. Das war nicht selbstverständlich. Vor allem: Sie meinten ich sehe aus wie Stefan Raab. Entschuldigung mal?

Am Samstagmorgen saß ich dann eine gefühlte Ewigkeit mit Marleen und Betty im Garten bis ich mich endlich aufgerafft habe was zu tun. Das was ich dann getan habe war aber auch nur rumsitzen, diesmal allerdings in einem Kaffee. Ich Idiot habe vergessen meine WLan Karte mitzunehmen und habe deshalb mit meinem semiprofessionellen Informatikkenntnissen versucht mein Handyinternet einzurichten. Hat aber nicht geklappt.Nachmittags hab ich Thomas getroffen. Er ist Leiter der GTZ Abteilung Förderung der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung und Beschäftigung in Ruanda. Den Kontakt mit ihm hat vor Monaten schon Dietger Schulenberg hergestellt, da er Thomas von früher kannte und wusste, dass ich nach Ruanda gehe. Der Nachmittag dort war sehr cool. Thomas hat mir viel darüber erzählt was er früher bei den Pfadfindern gemacht hat und wie er so, im Prinzip über die Pfadfinder, in den 70ern zum ersten Mal nach Ruanda kam. Zum Abschluss hat Thomas mir noch die gewaltigen Neubausiedlungen von Kigali gezeigt und viel über die wirtschaftliche Entwicklung in Ruanda erzählt. Das fand ich sehr spannend, vor allem das quasi aus erster Hand zu erfahren.

Der Sonntag morgen hat erst einmal mit einem Gottesdienst angefangen. Ich war dort mit Aline, der Vizenationalvorsitzenden des ASR, also der ruandischen Pfadfinder. Wer in Westernohe oder auf der Bundesversammlung war hat sie vielleicht dort gesehen. Der Gottesdienst war schön gemacht, mit viel Musik, und für mich war es kein Problem die Lieder auf Englisch und Kinyarwanda mitzusingen, auch wenn ich bei Zweiteren weiniger verstanden habe worum es ging. Nach dem Gottesdienst sind wir einen Kaffee trinken gegangen und haben uns wirklich gut unterhalten. Über alles Mögliche was Pfadfinder angeht, das Leben in Ruanda, ihren Job bei der Weltbank und so weiter.

img_0424aimg_0424Später am Nachmittag bin ich dann auf Spurensuche gegangen. ich bin nach Nyamirambo gelaufen, der Stadtteil in dem das Pfadfinderbüro liegt und vor allem auch das Pfadfinderzentrum in dem wir vor fünf Jahren einen Terassengarten erneuert haben.

Es hat sich viel verändert: Das Gebäude in dem wir damals gewohnt haben ist jetzt ein Restaurant. Ich habe mit dem Besitzer darüber gesprochen, dass wir vor fünf Jahren hier gewohnt haben. Zufällig hatte ich Bilder dabei, welche ich ihm zeigen konnte. Danach bin ich zum Pfadizentrum gelaufen. Es war echt witzig, aber ich habe den Weg obwohl er relativ kompliziert war sehr schnell gefunden. Dort habe ich drei Pfadfinder getroffen die mir das Gelände gezeigt haben. Das enttäuschende war, dass es genau so aussah wie vor unserer großen Rekultivierungsaktion.

img_0429img_0429aÜberall stand das Gras wieder einen Meter hoch. Was es jedoch vor fünf Jahren noch nicht gab, ist die Hasen und Meerschweinchenzucht. Damit wollen die Pfadfinder in den nächsten Jahren ein bisschen Geld verdienen um die Pfadfinderarbeit zu finanzieren. Sie haben mich Eingeladen dort hin immer mal wieder zu kommen um auf dem Laufenden zu bleiben. In der Galerie seht ihr im Kigali Album ein paar vorher/nachher Bilder. Ich hoffe meine Reisegruppe von vor fünf Jahren verzeiht mir, dass sie auf den Bildern drauf sind.

Nach meinem Spaziergang bin ich dann heimgelaufen. Auf dem Weg kamen irgendwelche Fußballgeräusche aus einer kleinen Bar. Ich bin dann natürlich da hin und hab das Spiel um Platz drei des Konfederationscups geschaut. Leider haben die Spanier gewonnen.img_0438

Das Finale des Wettbewerbs, dass leider die Brasilianer gewonnen haben, hab ich dann zu Hause bei der Freiwilligenkoordinatorin des DED angeschaut. Sie und ihr Mann hatten mich zum Abendessen eingeladen. Es gab Spaghetti Bolognese. Sehr lecker und schon einen Monat lang nicht mehr gegessen. Natalie wohnt seit 8 Jahren in Ruanda und ist seit eineinhalb Jahren für die Freiwilligen zuständig. Auch abgesehen von dieser Einladung ist sie für mich hier ein guter Ansprechpartner für alles was das tägliche Leben in Ruanda angeht. Das ist nicht ganz selbstverständlich, da sie ja eigentlich für mich nicht zuständig ist.

Am Montag wollte ich ja eigentlich den ASR Nationalvorsitzenden treffen. Das hat aber leider nicht geklappt, weil er nicht in Kigali war. Also hab ich noch so ein paar Sachen erledigt (Geld abheben, Geld umtauschen, Handy Karte aufladen und Handyinternet endlich zum laufen bringen) und bin mit dem Bus nach Ruhengeri zu fahren, auf dem Markt noch Obst und Gemüse einzukaufen und dann nach Hause zu fahren.

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Welche Veränderungen gibt es in Kigali? Schon sehr viele. Zwar erkenne ich viele Orte noch, aber doch sehen sie anders us. Vor allem im Zentrum und auf den neuen Boomhügeln zwischen Zentrum und Flughafen. Dort entsteht ein neues Gebäude neben dem anderen. Wo früher mal der große Minibusbahnhof war entsteht heute der Kigali City Tower, ein auf der Skizze relativ futuristisch aussehender Büroturm. In den anderen Vierteln sind neue Ministerien entstanden, die riesige amerikanische Botschaft und auch viele Reihenhäuser für die Mittelschicht. Dafür wurden ganze Siedlungen von einfachen Häusern und Hütten platt gemacht. Auch so manches Villenviertel gibt es seit neuestem und verwunderlicher Weise sind es keine westlichen Geschäftsleute, sondern die neue ruandische Businesselite die hier ihren Protz zeigt. Womit dieses Geld verdient ist, was auch gern abends in irgendwelchen Diskotheken verprasst wird, weiß keiner so genau.

An anderen Orten hat sich absolut nichts getan. Zum Beispiel in Nyamirambo sieht alles so aus wie vor fünf Jahren. Zwar gibt es inzwischen Bushaltestellen und die Minibusse halten nicht überall, aber es gibt immer noch die kleinen Geschäfte und Restaurants. Als ich dort von der asphaltierten Straße abgebogen bin habe ich alles sofort wieder erkannt: Die offenen Abwasserkanäle, die Menschen die im Staub sitzen und auch die Kinder die ganz überrascht sind hier einen Weißen zu sehen.

Es scheint so als gibt es Fortschritt in Kigali. Aber es scheint auch so, dass dieser nicht allen Menschen zu Gute kommt. Die Bettler auf den Straßen gibt es immer noch, jedoch hat der Fortschritt Wächter mit Stöcken gebracht die sie immer wieder verjagen.

Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 30. Juni 2009 um 10:27 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie dort abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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4 Comments »

  1. Hi Rapha,
    ob du’s glaubst oder nicht: Ehe ich hier in Chiang Mai in Nordthailand gleich mal ueber den Night Market schlendern werde, habe ich mich mal in deinem Blog auf den neuesten Stand gebracht. Spannend, spannend, nach wie vor. Und Stefan Raab … naja, ich habe noch nie so darueber nachgedacht, aber ein klein wenig Aehnlichkeit ist schon da, oder? *g*
    Gruesse aus Asien!
    Chris

    Comment: Chris – 01. Juli 2009 @ 14:24

  2. Was heißt denn hier bitte „Das Finale des Wettbewerbs, dass leider die Brasilianer gewonnen haben“! Natürlich habe die gewonnen! Und die werden auch die WM gewinnen 😉
    Ansonsten hast du ja anscheinend viel zu tun! Wenn du alles triffst da unten, cool!
    Grüße Mirko

    Comment: Mirko – 02. Juli 2009 @ 11:24

  3. also entschuldige mal bitte…wie kommst du eigentlich dazu, dieses grausame foto ins internet zu stellen? tztztzzzz….ejo ku gisenyi?! muramukje!

    Comment: Betty – 21. August 2009 @ 17:47

  4. […] Kigali. Das sich Kigali verändert ist unübersehbar. Schon vor einem guten Jahr habe ich mich auf Spurensuche in der Boomtown Kigali gemacht. Ich habe anhand meiner Erinnerungen und von Photos geschaut, was sich seit meinem ersten […]

    Pingback: rapha in ruanda » Kigali 1968 | rapha in ruanda – 01. September 2010 @ 14:49

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