15 Jahre danach

In diesen Tagen jährt sich in Ruanda zum 15. Mal der Völkermord an Batutsi und oppositionellen Bahutu. Zumindest ist dies das Datum welches weithin bekannt ist. Klar ist aber auch, dass es seit den 1960er Jahren und auch noch weit nach 1994 Massaker und Übergriffe von beiden Seiten gab. (Link zum arte Dossier)

Obwohl ich in den letzten Jahren viel zum Thema Völkermord gelesen und geschrieben habe, hat er mich diese Tage mal wieder erwischt. Ich habe Artikel auf spiegel.de und arte gelesen und gesehen. Die Tatsache die mir dabei bewusst geworden ist, ist die, dass in Ruanda nach wie vor mehrere 100.000 Mörder und mehrere Millionen Angehörige von Opfern leben. (Link zum Spiegel Artikel)

Die einzige Möglichkeit so etwas juristisch zu bearbeiten sind die Gacaca Gerichte und deren eher an Schiedsgerichte erinnernden Urteile. Es ist ja auch nicht möglich 10 % der Bevölkerung dauerhaft einzusperren. Auch schon vor 5 Jahren war die Spaltung in Täter und Opfer im „alltäglichen“ Leben nicht zu bemerken. Damals fand ich bemerkenswert, wie vermeindlich einfach die Ruander damit umgehen. Im Nachhinein betrachtet ist das aber eben die einzige Chance weiter dort zu leben. Ich empfand damals schon die Aufarbeitung der Geschichte als schwierig. Alle Ruander wurden in hochglanz Gedenkstätten als Opfer der bösen „anderen“ dargestellt. Die Verbrechen und der tausendfache Mord durch Angehörige der RPF und andere Racheaktionen kamen darin nicht vor. Noch immer regiert die RPF in Ruanda.

Inzwischen ist fast die Hälfte der ruandischen Bevölkerung nach dem Völkermord geboren, doch die Aufarbeitung solcher Grausamkeiten braucht viel Zeit wenn sie denn mal angegangen werden.  Wenn ihr euch überlegt wie viele Jahre und Generationen es in Deutschland gedauert hat bis über das Dritte Reich einigermaßen offen gesprochen werden konnte. Ich bin gespannt wie und ob die jüngere Geschichte in Ruanda präsent ist. Das ist definitiv auch eines meiner Beobachtungsfelder.

Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 07. April 2009 um 19:14 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie davor abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Netter erster Artikel.
    Cool wäre noch wenn du die Spiegel und Arte Artikel verlinken könntest.
    Dann könnte jeder das nachlesen.

    Comment: Michi – 07. April 2009 @ 20:52

  2. Danke für den Hinweis. Ist eben geschehen.

    Comment: rapha – 08. April 2009 @ 09:46

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