Was ist neu in Kigali 2014?

Dienstag, 19. August 2014 von rapha

Kigali City Tower 1 007Kigali ist eine dynamische Stadt. Nicht nur der Verkehr und die vielen Menschen tragen dazu bei, sondern vor allem die Baumaßnahmen an jeder Ecke. Der Kigali Masterplan sieht für in sechs Jahren eine komplett andere Stadt vor. An dieser Vision wird gearbeitet. Damit Neues Platz hat, muss Altes weichen. Ein kleiner Blick auf den Stand im August 2014.

Stickig ist es, aber trotzdem frisch. Die Stadt scheint dem Ende der Trockenzeit in etwa einem Monat entgegen zu sehnen. Der Verkehr ist gewohnt ruhig an einem Samstagmorgen. Die Ampeln mit den Anzeigen bis in wie vielen Sekunden wieder grün sein wird, sind der Countdown zur Fahrt in die Stadt.

Gewachsen ist Kigali. Zwei neue Gebäude sind im letzten Jahr im Stadtzentrum entstanden. An der Stelle der alten Post ragt ein riesiges Monstrum aus Stahl und Glas in den Himmel. Schräg gegenüber, direkt beim Haus der Bank of Kigali, entsteht das neue Rathaus. Ein Gebäude, das Macht und Einfluss demonstriert.

Wir begeben uns auf den Kigali City Tower, auf welchem ich schon 2010 Filmaufnahmen gemacht habe, um einen Überblick zu bekommen. Neben den oben erwähnten Gebäuden, ist vor allem der neue Markt auffällig. Zwar nur 6 Stockwerke hoch hat der Kasten aber eine Kantenlänge von mindestens 100 Metern. Um ihn dort hin zu bauen, wurden schon 2010 sämtliche Gebäude wegplaniert.


Wie weitreichend die Umbaumaßnahmen der Innenstadt sind, zeigt sich an einem abgesperrten Bereich. Früher waren hier Autowerkstätten, Cafés, Souveniershops, Unternehmen und viele weitere Kleinbetriebe ansässig. Heute umgibt ein metallener Bauzaun mit einer länge von 1500 Meter das Gelände. Was hier entsteht ist für mich nicht zu ermitteln. Ich glaube aber, dass man mit einer Wette auf ein Hochhaus nicht weit von der Realität entfernt ist.

Kigali City Absperrung

Der Graben

Sonntag, 20. April 2014 von rapha

IMG_1436Viele Artikel zum 20. Jahrestag des Genozids in Ruanda beschreiben die gleichen Gedenkrituale: In gedämpfter Stimmung finden große Veranstaltungen statt, dort werden Reden gehalten und es wird kollektiv getrauert. Eine solche Beschreibung kann weltweit verstanden und nachvollzogen werden. Das größte Problem dabei: Es ist die angeordnete Art und Weise, in Ruanda zu trauern. Explizit oder implizit lernen alle in Ruanda, dass sie so ihrer Trauer Ausdruck verleihen müssen. Eine individuelle Erinnerungs- und Gedenkkultur gibt es nicht.

„It is not the time to talk, it‘s the time to eat, to eat and to sleep“, erzählte mir ein ruandischer Nachbar, als ich 2009 in Ruhengeri gelebt habe. Er hatte es aufgegeben, seine eigene Art der Trauer zu suchen und jedes Jahr das Schauspiel mitgespielt. Das will die Regierung sehen, das will die Welt sehen. Er war etwa 50 Jahre alt, als er das zu mir sagte.

Der unsichtbare Graben

Entgegen der öffentlichen Beteuerung funktioniert die jährlich wiederkehrende Erinnerung nicht als Einheitsschwur, sondern spaltet die Gruppen in Ruanda immer weiter. Ich spreche nicht von Hutu und Tutsi, sondern von denen, die das neue System mit Machtressourcen und Möglichkeiten ausgestattet hat, und jenen, die das System zu Verlierern gemacht hat. Durch die Politik der ruandischen Regierung verlaufen die Trennlinien zwischen diesen Gruppen inzwischen fast deckungsgleich zu den alten Gräben zwischen Hutu und Tutsi.

Wenn man sich die Biographien der Menschen anschaut, die nun über die kollektiven und individuellen Erfahrungen von 1994 erzählen, sieht man das ganz deutlich.

Die mit Macht und Geld ausgestattete Elite ist jung, gut gebildet und spricht fließend englisch. Meist sind sie Kinder von Ruandern, die mit ihren Eltern in den 60er und 70er Jahren wegen der Marginalisierung und Verfolgung der Tutsi nach Uganda geflohen sind und dann nach der Rückeroberung durch die RPF (Rwandan Patriotic Front) zurück nach Kigali gekommen sind. Im Vergleich zu Kindern von Familien, die in Ruanda geblieben sind, hatten sie die deutlich besseren Startvoraussetzungen. In Uganda sind sie in einer englischsprachigen Gesellschaft aufgewachsen (im Gegensatz dazu war die Amtssprache in Ruanda damals Französisch) und ihre Eltern brachten vor allem auch ihr Netzwerk mit nach Kigali. Die Umstellung der Schulsprache von Französisch auf Englisch seit dem Jahr 2009 kam ihnen sehr entgegen. Weiterhin werden sie und ihre Familien von im meist europäischen Exil lebenden Verwandten unterstützt.

Auf der anderen Seite sind die Verlierer. Sie leben in den ländlichen Regionen Ruandas; das umfasst eigentlich jeden Landesteil, der nicht Kigali ist. Sie haben praktisch keine Chance, an der versprochenen goldenen Zukunft Ruandas teilzuhaben. Ihnen haftet bis heute der historische Makel an, zu den Tätern gehört zu haben. Zwar sind sie alle zur Schule gegangen, wurden dort aber von Lehrern unterrichtet, die oft kaum etwas von ihrem Fach wussten. Um das von den Vereinten Nationen vorgegebene Entwicklungsziel im Bereich Bildung zu erreichen, wurden Anfang des Jahrtausends Schulen gebaut und Klassen gegründet. Aufgrund der mangelhaften Ausbildung der Lehrer und der häufig schlechten Ausstattung war der Schulbesuch aber eher eine Beschäftigungstherapie; die Regierung konnte sich mit hohen Schulquoten im Ausland brüsten, die Kinder selbst profitierten kaum. Spätestens, als die Schulsprache umgestellt und das Stipendienprogramm für gute Schulleistungen abgeschafft wurde, war das ruandische Schulsystem endgültig zur Farce verkommen. Die Lehrer sprechen kein Englisch, müssen ihre Schüler aber in dieser Sprache unterrichten, da die landesweiten Abschlussprüfungen auf Englisch stattfinden. Und auch nach der Schule haben die Kinder der ländlichen Bevölkerung keine echte Chance, da die Universitäten zu teuer für ihre Eltern sind.

Der manifestierte Graben

Der durch die ungleiche Chancenverteilung entstehende Graben wird derzeit nicht kommuniziert, geschweige denn, dass ein Versuch unternommen würde, ihn zuzuschütten. Es ist sogar verpönt, öffentlich über diese Ungleichverteilung zu sprechen. Dadurch, dass dies so ist, macht es den Kampf dagegen fast unmöglich – wenn denn überhaupt ein Interesse daran besteht. Die auf den ersten Blick beeindruckenden Wachstumszahlen des Landes werden durch das Bevölkerungswachstum fast vollständig aufgezehrt. Während eine kleine Elite des Landes vom Aufschwung profitiert, stagniert ein großer Teil der Bevölkerung in prekären Verhältnissen und hat kaum eine Chance auf sozialen Aufstieg.

Dieser Umstand erklärt auch zu weiten Teilen die Gleichschaltung der Presse und die Kontrolle von Opposition und freier Zivilgesellschaft: Die Menschen auf dem Land bleiben ruhig, weil über ihnen das Damoklesschwert der historischen Schuld hängt, das als unausgesprochenes Druckmittel wirkt. Außerdem hoffen gerade die jungen Ruander darauf, am versprochenen Wirtschaftswunder teilhaben zu können. Und mag die Hoffnung auch klein sein – klar ist auch: Wer gegen das System rebelliert und den Aufstand wagt, verspielt selbst diese geringe Chance.

Gefährlich wird diese Mischung, wenn die Menschen auf dem Land die Hoffnung verlieren und verstehen, dass es eine große, schweigende Mehrheit gibt, denen es ebenso ergeht.

Sie sind unorganisiert und ahnen nicht, dass sie ihr Schicksal mit Millionen anderen Menschen teilen. Sollte sich dieser Umstand ändern, sollte sich die Landbevölkerung ihrer Perspektivlosigkeit bewusst werden, kann das in einer Katastrophe enden: Tausende oder gar Millionen unzufriedene junge Leute ohne Hoffnung auf wirtschaftliche und persönliche Entwicklung könnten, aufgepeitscht von populistischen Demagogen, zu einem unkontrollierbaren Faktor werden. Das war schon zu Beginn des Jahres 1994 in Ruanda der Fall. Der Ausgang ist so bekannt wie schrecklich.

Gefühl

Donnerstag, 25. Juli 2013 von rapha

Die komische Situation war schon am Morgen des zweiten Tages, als ich unter der Dusche in der Auberge La Caverne stand. Ich fühlte mich heimisch, alles war gewohnt. Ich hatte viele Nächte in diesem Hotel verbracht. Etwa drei Wochen 2004 und bei meiner langen Zeit hier auch fast immer, wenn ich in Kigali war oder Besuch empfang. Wenn ich es zusammenrechne komme ich sicher auf 50 Nächte.

Im nächsten Moment dachte ich mir: Wow, krass, du bist jetzt ja hier. Seit 30 Monaten hatte ich dort nicht mehr geduscht. Eine lange Zeit. Ich sollte mich eigentlich ganz speziell fühlen. Das tat ich aber nicht.

Diese Situation steht ein bisschen dafür, was ich hier gerade immer wieder erlebe. Ich kenne dieses Land sehr gut. Ich kenne viele Menschen und ich habe hier vieles erlebt. Viel positives, viel negatives, aber ganz sicher eindrückliches. Eigentlich glaube ich, dass ich mehr spüren müsste.

Wir haben seit der Ankunft hier wenig Zeit. Termine, Fahrten, Treffen. Zack, zack, zack. Zum ersten Mal hatten wir Zeit durchzuatmen als wir am Dienstagabend in Gisenyi am Strand saßen. Aber auch da hatte ich wenig Zeit zu realisieren, wo ich gerade bin, physisch wie mit dem Kopf. Erst heute habe ich mich ein bisschen abgesetzt, um die Zeit zu haben eben genau da zu mir zu kommen. Ich habe Plätze besucht, mit denen ich viel verbinde: Ich bin mit dem Moto nach Kaciyru gefahren, um in mein altes Haus hier zu schauen. Das hatte ich gemietet als ich nach Kigali zog.

Schon beim Weg über die Straße Richtung King Faysal sah ich, dass sich viel verändert hat. Früher war dort eine lebendige Straße mit kleinen Geschäften. Heute ist dort alles aufgeräumt und sauber. Auf der Staubstraße, auf welche ich abbiegen musste, hatte ich dann schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl. Ich hatte ja schon im Vorfeld der Reise darüber nachgedacht, wie es wohl ist hier zu sein, wenn sich Dinge verändern.

Ich klopfte am Tor. Niemand öffnete. Ich klopfte noch mal. Ich hörte Pierre mit seinen Latschen zum Tor laufen.

IMG_3977Es hat sich natürlich auch in „meinem“ Haus viel verändert. Das wichtigste aber war, dass Pierre noch da war. Er hat als Guard dort schon gewohnt, als ich eingezogen bin und tut es noch heute. Leider ist unser Hund Polly gestorben, mit dem wir immer Schabernack getrieben haben. Aber wie das so ist in Ruanda: Life must go on. Es gibt einen neuen Hund. Joy.

Ansonsten ist es sehr leer in dem Haus. Seit meine ehemaligen Mitbewohner vor vielleicht einem Jahr ausgezogen sind, wohnt niemand mehr dort. Die rustikalen Holzmöbel stehen wieder ordentlich aufgeräumt herum, niemand der ein kreatives Chaos hinterlässt. Der Garten ist akkurat geschnitten. Leben sieht anders aus. Vor allem jenes, das wir dort für fast ein Jahr hatten.

Ich konnte mit Pierre nie viel sprechen, wir haben keine gemeinsame Sprache, aber wir verstehen uns. Er hat nach meiner Familie gefragt und das Bild von mir und meinen Eltern gezeigt, welches ich ihm da gelassen hatte. Ich habe ihn nach seinen Kindern gefragt. Er hat eine Tochter, die jetzt 3 Jahre alt ist und einen Sohn der noch ganz klein ist. Ich habe ihm versucht zu erzählen, warum ich hier bin und dass ich bald wieder weg gehe. Er sagt, es gehe ihm gut. Ich sage, dass ich viel Arbeit habe in Deutschland. Er freut sich, wenn ich mal wieder vorbei komme. Ich gebe ihm ein wenig Geld für ein Bier. Wir verabschieden uns herzlich.

Diese Unterhaltung fand auf Kinyarwanda statt, war also eher ein zuwerfen von Vokabeln. Wo ich sie aber hier gerade aufschreibe, laufen mir die Tränen die Wangen herunter. Ich bin nicht traurig, ich bin aber irgendwie bewegt.

Ich kenne dieses Land sehr gut. Ich kenne viele Menschen und ich habe hier vieles erlebt. Viel positives, viel negatives, aber ganz sicher eindrückliches.

Vielleicht spüre ich das gerade.

Zu Hause in Nkumba

Dienstag, 23. Juli 2013 von rapha

img_1419kleinDies ist ein repost meines Artikels im Missio-Reiseblog.

Für mich war der heutige Tag speziell: Gleich am Morgen fuhren wir zu der Schule an der ich vor vier Jahren für ein Jahr meinen Freiwilligendienst geleistet habe. Ich hatte seit dem wenig Kontakt zur Schule, nur mit meinem ehemaligen Mentor hatte ich sporadischen Mailkontakt. Mit Father Fabian fuhren wir also morgens um halb 7 zur Schule die etwa 15 km außerhalb von Ruhengeri liegt. Wir besuchten den Morgengottesdienst den ich den anderen der Reisegruppe als schönes Erlebnis empfohlen hatte. 300 junge Männer, vierstimmiger Gesang, eine Messe auf Kinyarwanda. Auch für mich war es wieder beeindruckend das zu sehen.

Die Priester, die an der katholischen Sekundarschule unterrichten und leben, luden uns zum Frühstück ein. Vieles hatte sich nicht verändert und es fühlte sich an, als sei ich gar nicht weg gewesen. Herzlich wurden den anderen Geschichten von früher erzählt.

Father Fabian bestand darauf uns in Ruhengeri auch nich INES, die katholische technische Hochschule zu zeigen. Er ist dort Vice Rektor Academics und sehr stolz darauf. Eine Stunde lang begleitete er uns durch die wirklich modern aussehenden Labore und Lager für Messinstrumente. Er sprach immer wieder an, was ich nur verstohlen dachte: Ihr hättet nicht gedacht, dass es hier eine so moderne Universität gibt, oder?

img_1536kleinDer Nachmittag sollte uns nach dem Schweinsgalopp der letzten Tage die Möglichkeit geben durchzuatmen. Ich hatte empfohlen dies im Hotel Paradies am Kivu-See zu tun. Gestern hatten wir uns nochmals über die Sicherheitslage informiert und gemeinsam Beschlossen trotz der Nähe zur Demonkratischen Republik Kongo und vor allem Goma dort hin zu fahren.

Die Abgeschlossenheit eines Hotelstrandes bietet in Ruanda ganz neue Möglichkeiten: Ein Picknick mit Früchten vom Markt und kurze Hosen für Männer. Dies ist kulturell sonst nicht möglich, weil wir ja schon reich genug sein müssten um uns lange Hosen zu kaufen.

Das Paradies verdient seinen Namen. Im touristischen aber nicht kitschigen Ambiente zu schwimmen und sich zu sonnen tat uns sehr gut. Der Hase zum Abendessen auf der Terrasse mit Lagerfeuer brachte mir die nötige Kraft um morgen wieder erholt und neugierig in die nächsten Tage zu gehen.

Gepacke

Freitag, 19. Juli 2013 von rapha
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Archivbild

Interessant, dass ich meine Pack-Blogpost etwa zwei Stunden vor der Abfahrt schreibe. Als ich 2004 zum ersten Mal in Ruanda war, bin ich wochenlang durch die Gegend gefahren um noch irgendwelche Tropenhemden zu kaufen. Wenn ich da heut drüber nachdenke, dann muss ich doch recht schmunzeln. Aber so war das eben. Zum einen liegt meine Gelassenheit sicherlich daran, dass ich 9 Jahre älter geworden bin, zum anderen kenne ich auch Ruanda um einiges besser.

Auch vor vier Jahren war ich was das packen angeht doch recht entspannt. Aber ich habe immerhin früh angefangen zu planen. Immerhin ging es ja darum was ich ein Jahr lang so brauche. Daniel, der übrigens gerade selbst auf Reisen ist und darüber schreibt, hatte mir ein feature programmiert, in welchem die Blogbesucher abstimmen konnten was ich mitnehmen soll. Das habe ich natürlich auch gemacht und in der Galerie dokumentiert.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass diese Sachen ausgereicht haben und ich eigentlich nichts vermisst habe. Meine Top Gegenstände waren das Opinel Messer und meinen Sparschäler. Alte ruandische Frauen hätten mich beinahe geheiratet, weil ich so toll schnell Kartoffeln schälen konnte. ;-)

Dieses Mal war das packen wirklich unspektakulär. Alle Klamotten gewaschen und bei dem tollen Wetter getrocknet und dann passende herausgesucht. Passend heißt in diesem Fall: Lange Hosen, Shirts und Hemden. Chic muss schon sein und vor allem mit ordentlichen Hosen und Schuhen.

Ansonsten habe ich ein bisschen technisches Gerät dabei: Meine Spiegelreflex und ein digitales Stereo-Aufnahmegerät. Was es damit auf sich hat werde ich euch hoffentlich noch zeigen können.
Zum anderen meinen Laptop für Blogartikel und Bildbearbeitung und mein IPhone zum Twittern. Ich werde nämlich nicht nur über @raphainruanda und manchmal @raphabreyer twittern, sondern auch für die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg unter @dpsg. Mal schauen ob das funktioniert.

Strom ist also ein großes Thema und deshalb habe ich mir auch eine Sache gekauft: Ein Solarmodul von changers.com mit welchem ich durch Sonnenlicht einen externen Akku aufladen kann um damit mein Telefon zu laden. Ich bin wirklich gespannt wie das funktioniert. Ich werde berichten.

Zusätzlich habe ich nun alle Gestgeschenke der Gruppe dabei, da ich viel Platz in meinem Koffer habe. Den brauche ich erst beim Rückflug: Pilli Pilli, Bananen und Kaffee braucht schließlich Platz.
Nun ist aber gut. Gleich geht’s los. Bis demnächst.

Der Plan

Samstag, 06. Juli 2013 von rapha

IMG_1792Ein Urlaub im engeren Sinne wird es wohl nicht werden. Das ist aber auch nicht die Idee hinter einer Delegationsreise. Aber von Anfang an:

In zwei Wochen werden wir nach Ruanda aufbrechen. Wir sind in diesem Fall vier Pfadfinder der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG), zwei Vertreter der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) und zwei Vertreter von Missio Aachen. Natürlich ist die maskuline Form hier falsch: Fünf der acht Teilnehmenden sind Frauen. Wir haben alle zusammen einen Reiseplan gemacht der viele verschiedene Punkte abdeckt und so für unsere Organisationen und auch uns persönlich bereichernd sein soll.

Im Grunde genommen sind vier inhaltliche Punkte wichtig: Partnerschaftspflege, Projektevaluation, Information und zukünftige Projekte.

Partnerschaftspflege
Sowohl die PSG, als auch die DPSG haben seit vielen Jahren einen Partnerverband in Ruanda. Wie es in vielen Partnerschaften passiert gibt es auch hier immer wieder Höhen und Tiefen. Wichtig ist jedoch in jedem Fall der Austausch und der funktioniert am besten immer wieder durch persönlichen Kontakt.

Projektevaluation
Seit einigen Jahren unterstützt die DPSG inhaltlich und finanziell das Projekt Amahoro Amani der Pfadfinderinnen aus den Provinzen Nordkivu und Südkivu in der Demokratischen Republik Kongo, den Pfadfindern in Ruanda und den Pfadfindern in Burundi. Die erst Projektphase ist nun abgeschlossen und muss ausgewertet werden. Natürlich wollen wir auch schauen wie eine zukünftige Zusammenarbeit aussehen kann. Dazu besuchen wir das Projektbüro in Bujumbura und Projekte in Burundi.

Informationen
Viel Zeit werden wir auch darauf verwenden uns Informationen zu verschiedenen Themen direkt vor Ort zu holen. In Ruanda werden wir dazu eine Kooperative besuchen die Fairtrade Kaffee anbaut und schauen, was dort mit den Fairtrade Prämien passiert und was sie bewirken.

Zukünftige Projekte
Es ist natürlich auch kein Zufall, dass wir diese Reise zusammen mit Mission durchführen. Seit vielen Jahren bringt Missio mit der Aktion Schutzengel  Themen in den Fokus der Öffentlichkeit. Mit dem missio-Truck „Menschen auf der Flucht“ wir das Thema Flucht und Vertreibung ins Bewusstsein der Besucher gerufen. Da eine Zusammenarbeit zu diesem Thema zwischen Missio und der DPSG in den nächsten Jahren geplant ist, wollen wir schauen, wie eine Partnerschaft dazu aussehen kann und was mögliche gemeinsame Projekte vor Ort sein können.

Für zwei Wochen ist das ein straffes Programm. Wir werden es aber sicher schaffen zwischendurch auch mal abzuschalten um Ruanda und Burundi zu genießen.

Der Weg zurück

Mittwoch, 29. Mai 2013 von rapha

801smSeit letztem Wochenende ist es klar: Ich werde im Juli nach Ruanda und Burundi gehen. Nur für zwei Wochen, aber es ist das erste Mal seit über zwei Jahren. Trotz der knappen Zeit freue ich mich riesig. Ich freue mich zu sehen, wie sich Kigali entwickelt hat, welche Leute ich noch kenne, wie es an meiner alten Schule aussieht. Ich freue mich den Menschen mit denen ich nach Ostafrika gehe, ein Stück von dem Ruanda zu zeigen das ich kennenlernen durfte.

Ich habe aber auch großen Respekt, in emotionalen Momenten sage ich auch Angst dazu, dass ich vieles nicht wieder erkenne. Nach zwei Jahren in Ruanda in verschiedenen Bereichen mit verschiedenen Eindrücken habe ich ein Ruandabild, das für mich gut funktioniert. Es gibt Dinge, die ich positiv sehe, andere sind problematisch, aber im Gesamtbild ist es schlüssig. Es wird Situationen geben, in denen ich erkennen muss, dass sich Dinge verändert haben.

Dies war bis Anfang der Woche eine eher theoretische Überlegung und dann war einfach Eric tot.

Eric war der erste der uns in unserer Unterkunft in Kigali 2004 begrüßte. Er war irgendwas zwischen Manager und Hotelboy. Er sprach französisch, was ihn von den anderen dort unterschied und er war neugierig. Wir spielten zusammen Karten, Uno. Das erste deutsche Wort was er sprach war „Strafkarte“, der Malus für unaufmerksames Spielen. Eric organisierte unsere Zimmer, bewachte unser Gepäck und schlief nachts hinter dem Tresen als Nachtwache.

Bei meiner Rückkehr nach Ruanda 2009 ging ich zuerst in die Unterkunft um mich dort einzubuchen. Ich fand Eric mit amerikanischen Touristinnen plaudernd an der Bar. Er erkannte mich schnell wieder. Inzwischen konnten wir uns gut verständigen, sein Englisch war sehr gut, mein Französisch wartet ja immer noch auf Verbesserung. Jedes Mal wenn ich in den folgenden zwei Jahren während meiner Zeit in Ruanda Besuch hatte, sind wir zu Eric gegangen und haben dort übernachtet. Während der WM 2010 ging ich zum Fußball fachsimpeln dort hin und habe Eric auch sonst zufällig in der Stadt getroffen.

Nun gehe ich wieder nach Ruanda. Mein erster Gedanke war, dass ich mich mit Eric in Verbindung setzen muss um zu schauen wo wir die ersten Tage in Kigali unterkommen. Ich habe versucht ihn anzurufen, aber seine Telefonnummer war nicht mehr vergeben. Ich bat einen Freund nach seiner neuen Nummer zu suchen. Der Freund meldete mir zurück Eric sei Anfang 2012 gestorben. Genaueres wüsste er dazu nicht.

Eric war kein guter Freund von mir, bei Lichte betrachtet wusste ich nicht sehr viel über ihn. Aber die Tatsache seines Todes geht mir nahe.
Mach´s gut Eric, wo immer du jetzt bist.

Situationen dieser Art wird es im Juli immer wieder geben. Ich hoffe nicht mit dieser Absolutheit.  Aber Menschen werden nicht mehr da sein, Orte anders aussehen, und Situationen werden sich anders anfühlen.

Ich will versuchen euch daran teilhaben zu lassen. Immer wieder hier im Blog und auf meinem lange vernachlässigten Twitteraccount @raphainruanda.

Ach Herr Brück…

Donnerstag, 03. November 2011 von rapha

In der Rhein-Zeitung hat Dietmar Brück einen Artikel über seine Ruanda-Reise veröffentlicht. Dies ist eine Antwort.

Ruanda zu verstehen ist nicht einfach, über Ruanda zu schreiben schon gar nicht. Das einzusehen und deshalb in seinen Behauptungen wage zu bleiben, ist das Eine, Klischees zu bedienen und vermeintlich klare Fakten ungeprüft zu verbreiten, das Andere.

Ein Artikel wie Ihrer über einen Besuch im Gefängnis in Gitarama liest sich gut. Ein wenig wird angeprangert wie schlecht es den Gefangenen geht, ein bisschen beschreiben sie, sogar in der Überschrift, wie die Gefangenen trotzdem guten Mutes zu sein scheinen. Dazu eine Brise Völkermord und HIV und fertig ist das nichts sagende Bild, von dem jeder das behalten kann, was er oder sie sich schon vorher so gedacht hat. „Bilder bedienen“ kann man es auch nennen.

Sehr geehrter Herr Brück, das bringt niemandem etwas.

Natürlich schreiben sie mit der Rhein-Zeitung für eine Tageszeitung und nicht für ein politisches Enthüllungsmagazin, aber ein bisschen mehr Differenziertheit und vor allem Faktenrecherche würde auch ihren Lesern sicher gefallen und vor allem ein Verständnis für das Rheinland-Pfälzische Partnerland erzeugen das über Klischees und Regierungswahrheiten hinaus geht.

Das ist gar nicht so schwer, man muss nur ein wenig Kenntnis darüber haben, wie Dinge in Ruanda funktionieren und diese mit unterschiedlichen Quellen und ein bisschen journalistischer Vorsicht kombinieren. (weiterlesen …)

DRadio Wissen: Das Wirtschaftwunder von Ruanda

Mittwoch, 24. August 2011 von rapha

Interessanter Radiobeitrag vom DRadio Wissen.

Link

Manager Magazin: Ruandas neuer Optimismus

Sonntag, 14. August 2011 von rapha

Interessanter Abenteurerartikel von Andrea Jeska über Roland Dieterle, der das Kigali Convention Center baut. Leider völlig ohne irgendwelche Kritik und den Versuch das Ganze in einen Kontext zu setzen, aber trotzdem lesenswert:

Link

 

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